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Geldwäscherei? Luzerner Strafverfolger ermitteln gegen den Kassier eines Zentralschweizer Vereins

Wegen Verdachts auf Geldwäscherei führt die Luzerner Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen einen Treuhänder aus der Zentralschweiz. Der 39-Jährige ist Finanzchef bei einem bekannten Verein in der Region. Eine Geschichte von Vorwürfen, Verschwiegenheit und verwirrten Vereinspräsidenten.
Kilian Küttel

Die Tür geht auf. Auf der Schwelle erscheint ein grosser, breiter Mann mittleren Alters. Schwarzes Haar, Geheimratsecken. Das blaue Poloshirt wölbt sich über ein Wohlstandsbäuchlein. Ob der Chef da sei, fragt der Reporter, der im schummrigen Licht des Treppenhauses steht; in einem Bürogebäude mitten in der Stadt Luzern.

Die Antwort lautet nein. Er sei nicht im Haus. Wann er wiederkomme, könne man nicht sagen. «Wissen Sie, er hat im Moment eben ein wenig Schwierigkeiten.»

Treuhänder ist wieder frei – und schweigt

Schwierigkeiten. So kann man die Situation auch beschreiben, in der der 39-jährige Zentralschweizer steckt. Das Gespräch im Treppenhaus fand an einem Donnerstag Mitte April statt. Zu dieser Zeit war der Treuhänder in Untersuchungshaft. Die Luzerner Strafverfolger führen gegen den Mann ein Verfahren wegen Verdachts auf Geldwäscherei. Die Staatsanwaltschaft bestätigt die Recherchen unserer Zeitung. Es gilt die Unschuldsvermutung, das Verfahren läuft.

Mittwoch, 24. April. Mittlerweile ist der Treuhänder wieder auf freiem Fuss. Unsere Zeitung erreicht ihn am Telefon. Der Treuhänder entgegnet, er dürfe nichts sagen, verweist stattdessen an seinen Anwalt. Dieser lässt sich die Fragen schriftlich schicken, teilt danach mit, man beziehe zu den Vorwürfen keine Stellung.

Ein umtriebiger Geschäftsmann

Vieles ist unklar. Fakt ist: Der 39-Jährige ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Ein Blick ins Handelsregister verrät, dass er bei 32 Firmen als Beteiligter eingetragen ist oder war – in den Kantonen Luzern, Zug, Nidwalden, Thurgau und Zürich. Etliche Firmen sind unterdessen in Konkurs. Unter anderem geschäftete der 39-Jährige auch mit Personen, die auf dem Platz Luzern einen zweifelhaften Ruf geniessen. Und die in der Vergangenheit wegen Wirtschaftsdelikten verurteilt wurden.

Neben seinem Beruf als Treuhänder ist er Kassier eines bekannten Zentralschweizer Vereines, der sein Domizil an der gleichen Adresse wie das Treuhandbüro hat. Bislang ist der 39-Jährige auf der Website noch als Vorstandsmitglied aufgeführt. Um die Persönlichkeitsrechte des Treuhänders nicht zu verletzen, verzichten wir auf die Nennung des Vereinsnamens.

Auf die Untersuchung gegen seinen Finanzchef angesprochen, reagiert der Vereinspräsident mit Verwirrung:

«Ja, ich habe auch vom Verfahren gehört. Für uns ist das sehr überraschend gekommen. Ich wüsste auch gerne, was passiert ist. Aber mir sagt man ja nichts.»

Mehrmals unterstreicht er, der Verein sei nicht in die Untersuchung involviert. Und egal, was passiert sei und ob die Vorwürfe stimmen oder nicht: «Das Vereinsvermögen kann nicht von allfälligen Unregelmässigkeiten betroffen sein. Für jede Zahlung braucht es auch meine Unterschrift.» Die Tage des Treuhänders als Kassier sind jedenfalls gezählt:

«Wir wollten ihm den Posten schon länger entziehen, da er seine Arbeit einfach nicht gemacht hat.»

Ein Nachfolger sei gefunden, doch vor der Stabübergabe stellt sich ein anderes Problem: Der Präsident komme nicht an die Finanzunterlagen, die der Treuhänder in seinem Büro aufbewahre. Während der Untersuchungshaft sei das nicht möglich gewesen, «weil ja niemand das Telefon abgenommen hat, wenn ich anrief.»

Untersuchung zieht weitere Kreise

Auch jetzt wartet der Präsident noch auf die Unterlagen. Die Rechnungen habe der Verein aber trotz der unfreiwilligen Abwesenheit seines Kassiers bezahlen können. «Unsere Kreditoren sind jeweils persönlich auf mich zugekommen, wenn eine Zahlung lange auf sich warten liess. Zum Glück kennt man sich in Luzern ja.»

Offen ist die Frage: Was hat es mit dem Verfahren wegen Geldwäscherei auf sich? Eine anonyme Quelle hat unsere Zeitung auf den Fall aufmerksam gemacht. Die Identität der Person ist auch uns nicht bekannt, sie weigerte sich, an einem persönlichen Treffen teilzunehmen. Jedoch zeigen Informationen dieser Quelle, dass nicht nur der Treuhänder ins Verfahren verstrickt ist. Auch ein 63-jähriger Schweizer ist in die Untersuchung involviert. Nebst anderen Mandaten ist dieser Verwaltungsratsmitglied einer Zentralschweizer Technologie-Firma.

Der 63-Jährige sieht sich als Opfer

In einer Pressemitteilung vom Januar stellte die Aktiengesellschaft den Schweizer als neuen Direktor vor. Auch diese Firma ist an der gleichen Adresse wie das Treuhandbüro domiziliert. Der Direktor sagt, er sei selber Geschädigter in diesem Fall:

«Zurzeit prüfe ich deshalb die Einreichung einer Klage.»

Zu den Hintergründen will auch er nichts sagen. Wie mehrere Quellen vom Hörensagen erzählen, soll die Untersuchung offenbar im Zusammenhang mit fragwürdigen Geldflüssen ins Ausland stehen. Bestätigt ist nichts.

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