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Frost im Mai: Luzerner Obstbauern fürchten Ernteausfälle

Der neuerliche Wintereinbruch und vor allem die frostigen Temperaturen bescheren den Obstbauern schlaflose Nächte. Um ihre Kulturen zu schützen, behalten sie die Situation genau im Auge.
David von Moos
Der Grosswanger Obstbauer Lukas Meyer verteilt Frostkerzen und Holzschnitzel in seiner Plantage, um die Blüten vor dem drohenden Frost zu schützen. (Bild: Dominik Wunderli, Grosswangen, 6. Mai 2019)

Der Grosswanger Obstbauer Lukas Meyer verteilt Frostkerzen und Holzschnitzel in seiner Plantage, um die Blüten vor dem drohenden Frost zu schützen. (Bild: Dominik Wunderli, Grosswangen, 6. Mai 2019)

Trotz markanter Kälteinbrüchen war der April zu warm. Das kompensierte der Wonnemonat Mai mit seinem bisher sehr veränderlichen und vor allem kühlen Wetter. Für die Jahreszeit waren die Temperaturen am vergangenen Wochenende deutlich zu kalt, wie der private Wetterdienst Meteonews mitteilte.

Doch alleine beim nasskalten Wetter mit teils sogar etwas Schnee blieb es nicht. Zusätzlich machte den Landwirten in der Nacht auf Montag auch noch der Frost zu schaffen. Insbesondere die Obstbauern fürchten sich vor Ernteausfällen – auch in der Zentralschweiz. Der späte Kälteeinbruch mit Temperaturen um den Gefrierpunkt könnte dafür sorgen, dass die Blüten der Obstbäume erfrieren oder dann unbefruchtet verblühen.

Tiefste Temperaturen in der Zentralschweiz

Nacht vom 6. auf 7. Mai
Messstation Tiefste Temperatur (in °C)
Schüpfheim –3,5
Einsiedeln –3,2
Flühli –3
Mosen –2,8
Giswil –2,5
Hasle –2,1
Egolzwil –2
Sattel –1,7
Steinhuserberg –1,6
Altdorf –1,4
Emmen –1
Buchrain –0,8
Göschenen –0,4
Schwyz –0,3

Tiefste Temperaturen in der Zentralschweiz 5cm ab Boden

Nacht vom 6. auf 7. Mai
Messstation Tiefste Temperatur (in °C)
Einsiedeln –8,2
Altdorf –6,9
Luzern –3,1

Damit das nicht passiert, lassen betroffene Bauern nichts unversucht. Teilweise würden Obstanlagen mit Plastik überdeckt, um Wärme zurückzuhalten, sagt Bernadette Galliker, Chefin Marketing und Kommunikation beim Schweizer Obstverband Swissfruit. «Frostwässerung ist bei uns in der Region eher kein Thema.» Dabei werden die Pflanzen mit feinen Wassertröpfchen besprüht. Wenn das Wasser gefriert, bildet es eine Schutzhülle um die Frucht oder Blüte. Gemäss Galliker setzen die meisten Obstbauern beim Frostschutz auf die konventionelle Methode mit Kerzenfeuer.

Mit dem Einsatz von sogenannten Frostkerzen versuchen Obstbauern ihre Pflanzungen vor den kalten Temperaturen zu schützen. (Bild: Guido Bösch, Grosswangen, 6. Mai 2019, 5.29 Uhr)

Mit dem Einsatz von sogenannten Frostkerzen versuchen Obstbauern ihre Pflanzungen vor den kalten Temperaturen zu schützen. (Bild: Guido Bösch, Grosswangen, 6. Mai 2019, 5.29 Uhr)

Stündliche Kontrollen sind nötig

«Es sind schlaflose Nächte», sagt Obstbauer Urs Meyer, der mit seinem Sohn Lukas in Grosswangen Obstplantagen betreibt. «Wir kommen kaum zur Ruhe, überprüfend laufend die Temperaturen. Wir haben eine Wetterstation eingerichtet in der Plantage und sind zudem die ganze Nacht mit mobilen Thermometern unterwegs.» Besonders kritisch werde es bei Anbruch des Tages, dann seien die Temperaturen am Boden am tiefsten. «Sobald das Thermometer unter 0 Grad fällt, müssen wir handeln.» Dann zünde man die vorsorglich die in den Pflanzungen verteilten Frostkerzen an.

Ob die Feuer entfacht werden, entscheide sich kurzfristig. «Eine Kerze kostet 15 Franken und in der Nacht auf Montag haben wir über 1'000 davon angezündet.» Es würde also noch schnell mal sehr viel Geld in Flammen aufgehen. «Wenn es gut läuft, können wir die Kerzen ein zweites Mal brauchen».

Wie wirksam Frostkerzen seien, lasse sich schon kurz nach ihrem Einsatz überprüfen, so Meyer: «Gefrorene Blütenstände verfärben sich dunkel.» Dank den Kerzen sei man bisher von Kälteschäden verschont geblieben.

Zeit zum Ausruhen bleibt Obstbauer Meyer aber nicht. «Es sieht im Moment danach aus, dass wir morgens um 4 Uhr wieder einfeuern müssen.» Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren. «Wir kontrollieren die Kerzen, die schon im Einsatz waren, damit wir falls nötig wieder richtig einheizen können.»

Brennende Frostkerzen in der Kirschenplantage der Familie Bär in Opfershofen im Kanton Thurgau. Die vergangenen Nächte brachten für die Jahreszeit ungewöhnlich tiefe Temperaturen und gefährdeten damit die Ernte von Obstbauern. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, Opfershofen, 7. Mai 2019)Brennende Frostkerzen in der Kirschenplantage der Familie Bär in Opfershofen im Kanton Thurgau. Die vergangenen Nächte brachten für die Jahreszeit ungewöhnlich tiefe Temperaturen und gefährdeten damit die Ernte von Obstbauern. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, Opfershofen, 7. Mai 2019)
Sobald das Thermometer unter 0 Grad fällt, zünden die Bauern vorsorglich in den Pflanzungen verteilte Frostkerzen an. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, Opfershofen, 7. Mai 2019)Sobald das Thermometer unter 0 Grad fällt, zünden die Bauern vorsorglich in den Pflanzungen verteilte Frostkerzen an. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, Opfershofen, 7. Mai 2019)
Ob die Feuer entfacht werden, entscheidet sich kurzfristig. Eine Kerze kostet rund 15 Franken und oft werden Hunderte davon angezündet.» Es geht also noch schnell mal sehr viel Geld in Flammen auf. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, Opfershofen, 7. Mai 2019)Ob die Feuer entfacht werden, entscheidet sich kurzfristig. Eine Kerze kostet rund 15 Franken und oft werden Hunderte davon angezündet.» Es geht also noch schnell mal sehr viel Geld in Flammen auf. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, Opfershofen, 7. Mai 2019)
Wie wirksam Frostkerzen sind, lässt sich schon kurz nach ihrem Einsatz überprüfen: Gefrorene Blütenstände verfärben sich dunkel. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, Opfershofen, 7. Mai 2019)Wie wirksam Frostkerzen sind, lässt sich schon kurz nach ihrem Einsatz überprüfen: Gefrorene Blütenstände verfärben sich dunkel. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, Opfershofen, 7. Mai 2019)
Brennende Frostkerzen in der Kirschenplantage der Familie Bär in Opfershofen im Kanton Thurgau. Die vergangenen Nächte brachten für die Jahreszeit ungewöhnlich tiefe Temperaturen und gefährdeten damit die Ernte von Obstbauern. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, Opfershofen, 7. Mai 2019)Brennende Frostkerzen in der Kirschenplantage der Familie Bär in Opfershofen im Kanton Thurgau. Die vergangenen Nächte brachten für die Jahreszeit ungewöhnlich tiefe Temperaturen und gefährdeten damit die Ernte von Obstbauern. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, Opfershofen, 7. Mai 2019)
Die Frostnächte Anfang Mai könnten verheerende Folgen für den Schweizer Obstbau haben. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, Opfershofen, 7. Mai 2019)Die Frostnächte Anfang Mai könnten verheerende Folgen für den Schweizer Obstbau haben. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, Opfershofen, 7. Mai 2019)
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Frostkerzen gegen die Kälte

Frostnächte lassen Blüten eingehen

Die Frostnächte Anfang Mai könnten verheerende Folgen für den Schweizer Obstbau haben. Für eine Bilanz sei es aber noch zu früh, sagt Stefan Heller vom Luzerner Bauernverband. «Aber ich gehe schon davon aus, dass es zu Ernteeinbussen kommt.»

Den Teufel noch nicht an die Wand malen will Bernadette Galliker vom Schweizer Obstverband: «Die nächsten Nächte sind entscheidend.» Im Moment bleibe nichts Anderes übrig, als die Temperaturen genau im Auge zu behalten und bei Bedarf schnell zu reagieren. «Aber es könnte schlimmer sein. Wir gehen im Moment immer noch davon aus, dass nicht viel passiert ist.» Vor zwei Jahren sei die Situation viel schlimmer gewesen. Damals seien die Temperaturen noch tiefer gewesen und deutlich unter den Gefrierpunkt gesunken. In jenem Frühling 2017 hat der Frost Ende April für einen massiven Ausfall an Obst gesorgt und die Hälfte der Weinernte zerstört.

Die warmen Tage vor den Frostnächten liessen die Bäume austreiben. Die Blüten litten jedoch unter den tiefen Temperaturen der folgenden Frostnächte. Es waren Nächte, in denen Obstbauern um ihre Ernte kämpften. Die Frostkerzen, mit welchen mehrheitlich versucht wurde, die Kälte aus den Plantagen zu halten, hatten aber nicht wie erhofft gewirkt. Als Folge davon trugen im Herbst viele Bäume keine oder nur sehr wenige Früchte.

Unterstützung für geschädigte Bauern

Die Schäden, welche durch nicht vorhersehbare Naturereignisse wie etwa Frost entstehen, sind nicht versicherbar, wie es zum Beispiel Hagelschäden sind. Daraus resultiert ein grosses Loch in den Taschen vieler Landwirte.

In der Schweiz gibt es eine Stiftung, Fonds Suisse, welche finanzielle Beiträge bei ebensolchen Schäden leistet. Landwirte könnten den Schaden melden und ein Gesuch zur finanziellen Unterstützung stellen, so Louis Suter von der kantonalen Zuger Fachstelle für Obstbau. Um Unterstützung zu erhalten, müsse jedoch eine beträchtliche Anzahl an Richtlinien eingehalten werden. Im Kanton Zug beispielsweise gebe es nur einige wenige Obstbauern, welche mit einer solchen Unterstützung rechnen könnten. Der Grossteil der Landwirte müssten halt mit Ernteschäden rechnen.

Video: Ein weiterer ungewöhnlich kalter Maimorgen mit Frost

Die Nacht auf Dienstag ist über weite Strecken klar gewesen und der Wind schwach, die Wärme konnte so effektiv in den Weltraum abgestrahlt werden. Das Resultat ist ein weiterer kalter Morgen mit Boden- und Hüttenfrost.

Berüchtigte Eisheilige haben an Bedeutung verloren

So mancher hofft wohl, dass das Hin und Her zwischen Schnee- und Kälteeinbrüchen und frühlingshaft warmen Tagen bald ein Ende hat. Doch vorher dürfte es dank den Eisheiligen wohl nochmals etwas frisch werden.

Laut Volksmund bringen diese drei bis fünf Tage lang Kälte ins Land. Die bekannteste Eisheilige ist Sophia, die sogenannte «kalte Sophie». Die anderen heissen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius. Ihren Jahrestag haben sie der Reihe nach vom 11. bis 15. Mai, also dieses Jahr von Samstag bis am Mittwoch. Eisheilige werden sie genannt, weil es um diese Jahreszeit noch einmal frostig kühl werden kann.

Vor den Eisheiligen wurde früher kaum angepflanzt. Heute wird die uralte Weisheit meist ignoriert. «Heutzutage kann man sich nicht mehr auf Bauernregeln verlassen», so Bernadette Galliker vom Schweizer Obstverband. Warnen tun die Eisheiligen den Gärtner jedoch noch immer: «Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist» oder auch «Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder».

Video: Walliser Obstbauern kämpfen gegen gefürchteten Frost

Der aktuelle Wintereinbruch ist eine Gefahr für die Walliser Obstproduktion. Denn viele Bäume stehen schon in der Blüte. In Saxon bei Martigny entzündeten einige Bauern zum Schutz der Blüten Frostkerzen. Andere Landwirte froren die Blüten ihrer Bäume ein, um sie vor der Kälte zu schützen:

Video: Landwirtschaftsschule testet Frostkerzen

Die Landwirtschaftliche Schule Plantahof aus Landquart testete am Mittwochabend den Einsatz von Frostkerzen in den Weinbergen von Fläsch im Bündner Rheintal. Diese Kerzen kamen bereits bei den Frostnächten 2016 und 2017 in der Bündner Herrschaft zum Einsatz:

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