Polizisten wollen Betrunkenem helfen – und werden angespuckt

Eine Frau verständigt die Polizei, weil sie Angst hat, dass ihr Freund sich etwas antun könnte. Dieser sitzt nach einem Streit in seiner Stammbeiz und versteht die Welt nicht mehr, als die Polizisten ihn mitnehmen wollen. Es kommt zu einem Handgemenge. Schliesslich wird der Mann verhaftet und inzwischen auch verurteilt.

Lena Berger
Drucken
Teilen
Zwei Polizisten holten den Mann aus seinem Stammlokal, weil sie den Auftrag hatten, ihn nach Hause zu bringen. (Symbolbild: Manuela Jans-Koch, Luzern, 28. Februar 2019)

Zwei Polizisten holten den Mann aus seinem Stammlokal, weil sie den Auftrag hatten, ihn nach Hause zu bringen. (Symbolbild: Manuela Jans-Koch, Luzern, 28. Februar 2019)

Das Bezirksgericht Luzern hat einen Mann unter anderem wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Trunkenheit schuldig gesprochen. Der Fall hat einen besonderen Hintergrund: Der Betroffene hatte an jenem Tag Streit mit seiner Freundin und verliess wütend das Haus. Als er stundenlang verschwunden blieb, sorgte sich die Frau, dass er sich etwas antun könnte – denn der Mann litt zu der Zeit an einer Depression. Sie verständigte die Polizei.

Der Mann ist traumatisiert

Die Polizei klapperte mehrere Beizen in der Stadt ab und fand den Mann schliesslich in seinem Stammlokal. Er war angetrunken. Die Polizisten wollten ihn nach Hause und damit in Sicherheit bringen, doch dagegen setzte sich der Mann nach einer anfänglich noch ruhigen Diskussion massiv zur Wehr. Gemäss den Aussagen der Polizisten spuckte der Betrunkene sie an und versuchte zu fliehen. Der Mann hingegen sagte aus, er sei ganz friedlich geblieben, bis die Polizisten ihn plötzlich zu Boden gerungen und dabei verletzt hätten.

Das Bezirksgericht entschied nun, dass der Mann sich strafbar gemacht hat. Es hält die Aussagen der Polizisten für glaubhaft. Allerdings reduzierte das Gericht die bedingte Geldstrafe aber von 70 auf 45 Tagessätze. Dies weil der psychisch angeschlagene Mann durch den für ihn traumatisierenden Vorfall stark betroffen sei. Er soll aber eine Busse von 750 Franken bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.