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Wenn die Angst vor der Prüfung das Denken unmöglich macht

Für viele stehen derzeit die letzten Tests des Schuljahres, die Semester- oder Lehrabschlussprüfungen an. Diese Herausforderungen können Angst machen, mitunter streikt sogar das Gehirn. Beratungsgespräche stehen deswegen gerade hoch im Kurs.
Sandra Peter
Locker bleiben, wenn eine wichtige Prüfung ansteht, ist für einige Studentinnen und Studenten kaum denkbar. (Symbolbild Keystone/DPA/Bernd Wüstneck)

Locker bleiben, wenn eine wichtige Prüfung ansteht, ist für einige Studentinnen und Studenten kaum denkbar. (Symbolbild Keystone/DPA/Bernd Wüstneck)

Ein rasender Puls, ein Rauschen in den Ohren und feuchte Hände – viele kennen die Aufregung vor Prüfungen und die damit verbundenen Symptome. Bei einigen Menschen nimmt die Aufregung drastische Ausmasse an; ihnen wird übel oder der Kopf ist komplett leer. Sie können sich an das Gelernte nicht mehr erinnern.

Auch wenn nicht jeder Prüfling ein sogenanntes Blackout erlebt, ist die Angst vor Prüfungen verbreitet. Gemäss der letzten PISA-Studie von 2015 hat rund ein Drittel der 15-jährigen Schweizer Schülerinnen und Schüler Angst vor einer Prüfung, auch wenn sie sich gut darauf vorbereitet haben (s. Grafik). Damit liegen die Schweizer Jugendlichen aber noch unter dem Durchschnittswert aller teilnehmenden Länder.

Prüfungsangst

0204060Prozentzahl der SchülerInnen, die der Aussage zustimmenIch mache mir Sorgen, dass ich schlechte Noten erhalte.Selbst wenn ich gut vorbereitet bin, habe ich Angst.Ich werde nervös, wenn ich eine Aufgabe nicht lösen kann.Ich bin beim Lernen sehr angespannt.
Jonas Bamert, Psychologe M.Sc, Psychologische Beratungsstelle Campus Luzern

Jonas Bamert, Psychologe M.Sc, Psychologische Beratungsstelle Campus Luzern

Auch mit zunehmendem Alter plagen die Menschen vor Tests noch Sorgen. «Wir haben derzeit viele Studentinnen und Studenten, die noch kurzfristig einen Termin vereinbaren», sagt Jonas Bamert, Psychologe im Dienste der Psychologischen Beratungsstelle des Campus Luzern. «Wie viele Personen einzig wegen Prüfungsangst zu uns kommen, lässt sich nicht genau sagen. Da überschneiden sich meist viele Bereiche», erklärt er.

«Wenn Betroffene nicht mehr fähig sind, zu lernen oder den Alltag zu bestreiten, braucht es Hilfe.»

Jonas Bamert, Psychologe

«Fast jeder und jede hatte schon mal Prüfungsangst», führt Bamert aus. Und Aufregung sei normal und eher ein Qualitätsmerkmal. Es zeige, dass sich jemand für die Sache interessiere. «Wenn daneben aber nichts mehr funktioniert, und die Betroffenen beispielsweise an extremer Schlaflosigkeit leiden, ist eine Grenze erreicht oder schon überschritten.»

Vergleiche und Bildungssystem sorgen für Druck

Für Anspannung vor oder während einer Prüfung sorgen verschiedene Umstände. Bamert erlebt, dass Einige an sich selbst zweifeln, weil sie Vergleiche mit anderen anstellen, beispielsweise was die Anzahl investierter Stunden anbelangt. «Für diese Menschen ist es wichtig zu erkennen, dass sie sich am eigenen Fortschritt messen müssen», erläutert Bamert. Und noch etwas fällt dem Psychologen auf. Gemäss seiner Beobachtung hat der Druck seit der Einführung des Bachelor- und Mastersystems zugenommen, da das Studium nicht mehr so frei einteilbar ist wie früher.

Über Experimente mit leistungsfördernden Substanzen berichten die Studierenden indes nicht. «Das Thema des sogenannten Hirndopings haben Studierende in unseren Beratungsgesprächen bisher nicht angesprochen. Wenn dies der Fall wäre, müsste man abklären, ob sie in Behandlung sind und die Medikamente verschrieben bekommen haben oder diese selber besorgt haben. Wir selber können keine Medikamente verschreiben», sagt Bamert.

Entspannen will gelernt sein

Der Prüfungsangst kann bis zu einem gewissen Grad Abhilfe geschaffen werden. Die Experten der Beratungsstelle des Campus Luzern setzen dabei auf verschiedene Säulen. Dazu zählen im Vorfeld Lernstrategien, positive Gedanken bezüglich der Prüfung sowie Entspannung und Erholung.

Während der Prüfung gibt es dann Übungen, die jemand anwenden kann, um sich zu beruhigen. «Dazu zählen beispielsweise bestimmte Atemtechniken oder progressive Muskelentspannung», erläutert Bamert. Diese Techniken müsse man aber vorher lernen und üben.

Anlaufstellen

Primar- und Sekundarschule: Klassenlehrperson, Schulsozialarbeit, Schulpsychologischer Dienst der Gemeinde oder des Kantons

Lehre: Jeweilige Berufsschule und deren Dienste (unterschiedlich organisiert)

Studium: Beratungsstelle der jeweiligen Universität oder Hochschule, für die Universität Luzern, die Hochschule Luzern und die PH Luzern ist dies beispielsweise die Psychologischen Beratungsstelle des Campus Luzern

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