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Einstiger Schüler ist jetzt selber Chef im Schulhaus auf dem Littauer Berg

Einst hatte Heiner Geisseler auf dem Littauer Berg selber die Primarschulbank gedrückt. Jetzt haben er und seine Frau Yvonne das ehemalige Schulhaus saniert. Es dient neu als «Bed and Breakfast» und steht zudem für Events und Seminare offen.
Hannes Bucher
Heiner und Yvonne Geisseler vor dem ehemaligen Schulhaus Littauer Berg. Einiges wie beispielsweise alte Schulbänke erinnern auch heute noch an die frühere Nutzung des Gebäudes. (Bilder: Dominik Wunderli, Littau 26. Mai 2019)

Heiner und Yvonne Geisseler vor dem ehemaligen Schulhaus Littauer Berg. Einiges wie beispielsweise alte Schulbänke erinnern auch heute noch an die frühere Nutzung des Gebäudes. (Bilder: Dominik Wunderli, Littau 26. Mai 2019)

Da stehen noch immer die alten Kastanienbäume auf dem einstigen Pausenplatz des Schulhauses Littauer Berg. Sie haben während Jahrzehnten die Primarschüler aus der Umgebung ein- und ausgehen gesehen. Bis 1994, als die Schule geschlossen wurde. Für kurze Zeit gastierte dann eine Privatschule mit einer Scientology-Lehrerin hier, dann zog ein Marketing- und Treuhandbüro ein. Mit dem Gebäude selber ging es stetig bergab. Nur die einmalige Fernsicht auf den Pilatus und die idyllische Umgebung blieben unangetastet. Schliesslich haben Heiner und Yvonne Geisseler das Gebäude 2013 von der Stadt Luzern käuflich erwerben können.

Damit kehrte das Schulhaus buchstäblich auf die Huob, wie das Gebiet hier heisst, zurück. Der Urgrossvater des jetzigen Besitzers hatte nämlich das Grundstück 1935 der Gemeinde für den Schulhausbau verkauft (siehe unten). Heiner Geisseler selber hat den 39 Hektaren grossen Hof im Jahr 2015 von seinen Eltern übernommen. Er ist beruflich im Bankbereich tätig, aber auch diplomierter Landwirt. Der Hof wird heute von einem Betriebsleiter geführt. Zusammen hat das Ehepaar Geisseler das Konzept «Huob 21» entwickelt und dafür das Gebäude in den letzten Jahren saniert. Umfassender, als ursprünglich vorgesehen.

Wandtafeln erinnern an frühere Nutzung

«Es zeigte sich ein enormer Sanierungsbedarf», sagt Heiner Geisseler. Das Projekt ist gelungen, dies zeigt sich bei der Begehung. Auf den insgesamt 300 Quadratmetern Innenfläche sind moderne Räumlichkeiten für Firmenseminare...

...und private Veranstaltungen wie etwa Geburtstagsfeste und Hochzeiten entstanden, eine Küche für das Anrichten usw. Alles ist rollstuhlgängig.

Und – dies ein geglückter Spagat: Die einstige Schulhausatmosphäre ist auch im umgebauten Gebäude noch spürbar. Einiges «Schulische» wurde bewusst belassen: die Wandtafel etwa, auch einzelne Schulbänke; die alten Schilder «Mädchen», «Knaben» markieren noch die Toilettentüren, und da liegen auch mal Griffel und Schiefertafel auf einem Tisch.

Die Familie Heiner und Yvonne Geisseler wohnt mit Sohn Henry und Tochter Lilly im Dachgeschoss des Schulhauses. Yvonne Geisseler, welche das Ganze managt, kann durch die Anwesenheit vor Ort die Gäste ideal betreuen und beraten – speziell auch die Agrotouristen. In der Ferienwohnung im Schulhaus und auch auf dem Hof Huob wird in zwei weiteren Ferienwohnungen nämlich auch «B&B», Bed and Breakfast, angeboten. Und das Angebot soll wachsen: Im Herbst wird auf dem Hof ein Hofladen eröffnet, später sollen dort weitere Sitzungsräume und allenfalls flexible Arbeitsplätze angeboten werden. «All diese Tätigkeiten machen mir sehr viel Freude, wir können so unseren Traum verwirklichen», sagt Yvonne Geisseler.

Was Geisselers auch betonen: «Die Lokalitäten sind insbesondere auch für Leute aus der Region Luzern gedacht. «Damit wollen wir das Schulhaus für die Örtlichkeit öffnen und möglichst zugänglich machen.»

Das Interesse ist offensichtlich vorhanden. «Ja, die Agenda füllt sich seit der Eröffnung dieses Frühjahrs», stellen sie fest. Auf ihrer Homepage www.schulhausberg.ch sind sämtliche Infos rund um das Schulhaus Berg zu finden, inklusive Events, die anstehen. So als Nächstes der 1. August-Brunch. «Da hat es im Moment noch freie Plätze», sagt Yvonne Geisseler. «Wir sind aber auf rechtzeitige Voranmeldungen angewiesen.»

Spannende Entstehungsgeschichte ist aufgearbeitet

Im Auftrag von Heiner und Yvonne Geisseler hat der Historiker Jonas Dischl die Geschichte des Schulhauses Berg aufgearbeitet und eine «bebilderte Betrachtung zum Bau des Schulhaus Berg erstellt. Er zeigt darin auf, wie Generationen von Schülern des Schulkreises Winterbühl seit 1862 im westlichen Teil des Littauer Berges auf dem gleichnamigen Hof ihre obligatorische Schulzeit absolvierten – von 1857 bis 1862 aber bereits ein erstes Mal «in einem Lokal des Ökonomiegebäudes Huob» die Schule besuchten. Eine «scharfe Rüge» des Luzerner Regierungsrates wegen der ungeeigneten Lokalität erzwang die Rückkehr nach Winterbühl. 1933 wurde auch dieses Schullokal scharf kritisiert. Auch dort genügte das Lokal nicht mehr. «In seltener Einfachheit» sei es belassen worden und würde «das Nötigste entbehren». Zudem sei es in unmittelbarer Nähe «eines Betriebs mit üblen Gerüchen» gelegen – über einer Schweinestallung nämlich – so zitiert Jonas Dischl aus einem Schreiben der Schulpflege Littau an den Gemeinderat. Dazu kam, dass sich bis 1932 die Schülerzahl von 23 auf 42 nahezu verdoppelt hatte.

Schliesslich sprachen sich Gemeinderat und die Gemeindeversammlung für einen Neubau der Schule auf Winterbühl aus. Das Projekt des Reussbühler Architekten Anton Trucco wurde dann aber doch nicht dort realisiert, wegen des Landpreises. Die Gebrüder Lisibach als Landbesitzer verlangten 3.8 Franken pro Quadratmeter, 80 Rappen mehr als die Gemeinde zahlen wollte. Und sie konnte es wohl auch nicht. Der Kredit von 60'000 Franken entsprach immerhin der Hälfte des damaligen jährlichen Steueraufkommens Littaus, schreibt Dischl. Heinrich Geisseler vom Hof Huob unterbot der von der Gemeinde Littau ursprünglich budgetierten Preis schliesslich um 20 Rappen. Damit kehrte die Schule auf die Huob zurück. Im September 1935 konnte die Gemeinde das Schulhaus mit drei Schulzimmern und einer Lehrerwohnung übernehmen, nachdem zwischendurch ein Nachtragskredit von 35'000 Franken nötig war. Jonas Dischls spannende Schrift ist mit vielen Originalzitaten und historischen Bildern angereichert. Sie wird nach der Drucklegung den Besuchern und Gästen als Booklet abgegeben. (hbr)

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