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Kolumne

Das beinahe ideale Esstisch-Gegenüber

Ein stummer Begleiter für den Restaurantbesuch kann in vielen Momenten hilfreich sein – und sich letztlich doch als nutzlos erweisen.
Lucien Rahm
In einem Restaurant in Shenyang leisten den Kunden bei Bedarf Plüschpandas Gesellschaft. (Bild: Getty Images)

In einem Restaurant in Shenyang leisten den Kunden bei Bedarf Plüschpandas Gesellschaft. (Bild: Getty Images)

Die Einnahme der Hauptmahlzeiten vollzieht der Mensch gerne in Gesellschaft anderer Menschen. Nicht immer sind solche jedoch zur Hand, wenn sie vonnöten wären. Für diese Situation scheinen einfallsreiche Restaurantbetreiber im chinesischen Shenyang eine Lösung erarbeitet zu haben. Diese könnte das Problem zumindest im Ansatz beheben. An gewissen Tischen ihres Lokals sitzen grosse Stoffpandabären bereit, um Alleinessern den Anschein von Gemeinschaftlichkeit zu vermitteln (so zumindest die Vermutung).

Zwar sind Pandas bereits in ihrer lebendigen Ausführung nicht als sehr gesprächige Geschöpfe bekannt. Vielleicht sind sie dafür die besseren Zuhörer, die sich Schilderungen alltäglicher Belastungen brav zu Ende anhören, ohne sie auf nervige Weise durch pragmatische Lösungsvorschläge zu unterbrechen.

Ein stummes Gegenüber am Esstisch birgt zudem weitere Vorteile. So dürfte sich der Bestellvorgang einiges konfliktärmer gestalten, als wenn er beispielsweise in Anwesenheit des eigenen Partners oder der eigenen Partnerin vorgenommen würde. Vorwürfe wie: «Hier gibt es nichts Brauchbares auf der Karte. Nicht mal ein gescheites Restaurant kannst Du auswählen!» oder «Wir bestellen sicher nicht eine ganze Flasche Wein. Du säufst eh schon zu viel!» würden durch einen wohltuenden Moment stillschweigenden Akzeptierens ersetzt.

Auch potenziell Appetit verderbendes Essverhalten würde ein Plüschpanda nicht zeigen. Ärgerliche Schmatzgeräusche, Sprechen mit vollem Mund, eine unzureichende Entfernung von Essensspuren aus dem Gesicht: Zu derart animalischem Gebaren würde sich ein Spielzeugbär – trotz seines Tierseins – nicht hinreissen lassen.

Als unnütz würde sich der Bär allerdings erweisen, wenn es darum geht, die Rechnung zu begleichen. Wo sich ein menschlicher Begleiter durch die richtigen Worte («Du weisst, ich verdiene ja immer noch nicht so viel bei meinem knausrigen Arbeitgeber» oder «ich bin bekanntermassen Student») veranlasst fühlen kann, einen Teil oder gar den ganzen offenen Betrag zu bezahlen, reagiert ein künstlicher Wildbär halt wiederum mit Gleichgültigkeit. Was zusätzlich enttäuschend sein kann, weil man sich den ganzen Abend lang ja so gut verstanden hat.

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