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Luzerner Rapperin Loredana festgenommen – Hat sie ein Ehepaar um 700'000 Franken betrogen?

Die in Luzern wohnhafte Loredana Zefi ist die derzeit erfolgreichste Künstlerin der Schweiz. Ihre Songs werden millionenfach gestreamt. Doch jetzt droht der 24-jährigen Schweiz-Albanerin juristisches Ungemach.
Michael Graber
Instagram-Influencerin Loredana. (Bild: Instagram @loredana)

Instagram-Influencerin Loredana. (Bild: Instagram @loredana)

Das hatte die erfolgsverwöhnte Rapperin Loredana Zefi sicherlich nicht erwartet. Am Dienstagabend verhaftete die Polizei sie an ihrem Wohnort in Luzern, durchsuchte ihre Wohnung und nahm sie zur Einvernahme mit. Die Luzerner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die aus dem Luzerner Vorort Emmen stammende Zefi wegen Betrugs. Wie «20 Minuten» berichtet, geht es dabei um ein Walliser Ehepaar, dem Zefi insgesamt 700'000 Franken abgenommen haben soll.

Die Geschichte ist kompliziert. Auch Zefis Brüder spielen eine Rolle. Über ein Onlineportal lernt Petra Z. (alle Namen geändert) im Sommer 2016 Berat, Loredanas Bruder, kennen. Man ist sich sympathisch, schreibt sich regelmässig. Berat bittet um Geld. 87'000 Franken. Seine Mutter brauche eine neue Niere. Petra Z. übergibt Berat das Geld. Schliesslich bittet Berat um mehr Geld. Er wolle sich das geschuldete Geld in einem Casino erspielen. Mittlerweile hat Z. Berat 200'000 Franken übergeben. Das war im März 2017.

Zefi gibt sich als Anwältin aus

Und jetzt kommt Loredana ins Spiel: Gemäss dem Ehepaar Z. meldet sie sich telefonisch bei Petra Z. und gibt sich als Anwältin Anna Landmann (sie sei eine uneheliche Tochter des bekannten Anwalts Valentin Landmann) aus. Sie habe vom Betrugsfall gehört und wolle helfen, damit sie das Geld zurückbekommen. Dafür benötige sie aber – genau – Geld. Frau und Herr Z. vertrauen der angeblichen Anwältin, treffen sie auch persönlich und übergeben und überweisen ihr immer wieder Geld. 700'000 Franken sollen es am Schluss gewesen sein. Vieles davon soll das Ehepaar Z. erst nach Druck und Drohungen übergeben haben. Dazu verschuldeten sie sich bei Bekannten und verloren dadurch sogar ihre Eigentumswohnung.

Im weiteren Verlauf der Geschichte tauchen noch ein «Bankchef» auf, der aber nur per Whatsapp erreichbar ist (seine Nummer gehört anscheinend ebenfalls Loredana Zefi), auch da fliesst Geld. Als Petra Z. einen Artikel über Loredana Zefi liest, fliegt zumindest die falsche Identität auf. Spätestens hier könnte die Geschichte zu Ende sein. Ist sie aber nicht.

Laut Petra Z. fordert Loredana Zefi sie auf, nach Luzern zu kommen, dort würden sie ihr Geld bekommen. Insgesamt drei Wochen wartet Z. in Luzerner Hotels – gegen ihren Willen, wie sie betont. Sie reist ohne Geld nach Hause und reicht endlich Anzeige ein. Es ist Juli 2018 – zwei Jahre nach dem ersten Kontakt.

Wütende Kommentare auf Social Media

Gemäss «20 Minuten» leidet Petra Z. mittlerweile unter Angststörungen und hat Suizidgedanken. Loredana Zefi verspricht, ihr das Geld zurückzuzahlen (ihre beiden Brüder seien die wirklich Schuldigen, teilt sie Z. mit), ein Treffen platzt aber kurzfristig.

Das vorläufige Finale der Geschichte bildet nun der Zugriff der Polizei. Weitere Einvernahmen mit Zefi sollen bald stattfinden, gegen sie wurde aber keine Untersuchungshaft verfügt. Sie ist also wieder auf freiem Fuss. Petra Z. wirft Zefi Betrug, Erpressung, Nötigung und Drohung vor. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Sollte es zu einer Verurteilung wegen Betrugs kommen, drohen Zefi bis zu fünf Jahren Haft. Allerdings sind die Hürden für eine Verurteilung wegen Betrugs hoch. Dem Täter muss Arglist nachgewiesen werden können. Das bedingt ein perfides Vorgehen. Zudem gibt es eine Opfermitverantwortung. Wer allzu unkritisch alles glaubt, was ihm aufgetischt wird, ist selber schuld.

Grundsätzlich dürfte Loredana Zefi die 700'000 Franken gut zurückzahlen können. Mit ihren Songs hat sie Millionen Klicks und Plays. Auf den Social-Media-Kanälen reagieren viele Loredana-Fans mit wütenden Kommentaren. Am Mittwochmittag war die Kommentarfunktion auf Loredana Zefis Instagram-Profil plötzlich deaktiviert.

Weiteres Opfer spricht von Daten-Diebstahl

Loredana Zefi soll nicht nur Petra Z. um viel Geld erleichtert haben. Wie «20 Minuten» am Donnerstag berichtet, hat eine deutsche Fotografin Zefi und ihren Bruder im August 2017 wegen Betrugs angezeigt. Die Fotografin arbeitete im Juli 2017 mit Loredana Zefi an einem Fotoshooting im Kosovo zusammen. Während die Fotografin schlief, soll ihr Zefi in der Wohnung eines Bruders die Kreditkarten-Daten gestohlen haben. Ein anderer, in Emmenbrücke wohnhafter Bruder Zefis soll daraufhin mit der Kreditkarte im Internet 370 Franken verspielt und einen Flug für 200 Franken in den Kosovo gebucht haben. Laut einem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Luzern, der «20 Minuten» vorliegt, wurde der Bruder wegen «betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage» zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je 80 Franken und einer Busse von 200 Franken verurteilt. Ausserdem musste er die Verfahrenskosten von 360 Franken übernehmen. Insgesamt musste er also 1360 Franken bezahlen. Loredana Zefi wurde nicht verurteilt. Die 23-jährige Fotografin sagt, auch sie sei vom Umfeld der Rapperin massiv eingeschüchtert worden. (jvf)

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