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Drogenhandel an Luzerner Schulen: Polizei deckt gravierenden Fall auf

Das ist ein happiger Fall: Rund 50 Luzerner Lehrlinge und Schüler haben sich auf illegale Weise rezeptpflichtige Substanzen besorgt. Dabei haben sie gleich mehrere Gesetze gebrochen – und erst noch ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt.
Yasmin Kunz
Die Luzerner Polizei beschlagnahmte bei den Jugendlichen mehrere verschiedene rezeptpflichtige Medikamente. (Bild: Luzerner Polizei)

Die Luzerner Polizei beschlagnahmte bei den Jugendlichen mehrere verschiedene rezeptpflichtige Medikamente. (Bild: Luzerner Polizei)

Die Luzerner Strafuntersuchungsbehörden ermitteln aktuell gegen rund 50 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 21 Jahren, welche sich über illegale Wege Amphetamine, Drogen und rezeptpflichtige Medikamente beschafft haben. Das teilt die Luzerner Staatsanwaltschaft am Freitag mit.

Bei den illegalen Substanzen handelt es sich um Amphetamine, Marihuana, Ecstasy, Benzodiazepine (siehe Infobox am Ende des Artikels). Diese werden gemäss Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, im Darknet (ein komplett verschlüsselter Bereich des Internets) besorgt. Er fügt an:

«Die Beschuldigten gelangten über ein ausgeklügeltes, abgeschottetes und stets wechselndes System an diese rezeptpflichtigen Medikamente.»

Wie konkret dieses Beschaffungssystem aussieht, will Kopp nicht sagen, um Nachahmungstaten zu verhindern. Fest steht indes: Um ihren Konsum zu finanzieren, hätten die Jugendlichen teils auch selber mit den Substanzen gedealt.

Festnahmen, Hausdurchsuchungen, Befragungen

Gemäss eigenen Recherchen ist zum Beispiel eine Schachtel mit 60 Tabletten Xanax – eine Substanz aus der Gruppe der Benzodiazepine (Beruhigungsmittel), die angstlösend, entspannend und beruhigend wirkt – im Onlinehandel für ungefähr 90 Euro erhältlich.

Aufgedeckt wurde das Netz – es handelt sich dabei um unterschiedlich grosse Gruppen – von der Fachgruppe Jugenddienst und Betäubungsmittel der Luzerner Polizei. Diese haben über Monate hinweg ermittelt und recherchiert. Es wurden unzählige Festnahmen, Hausdurchsuchungen und Befragungen durchgeführt, wie Kopp sagt. Bei den Beschuldigten handelt es sich mehrheitlich um Schweizer, die zum grossen Teil in der Agglomeration der Stadt Luzern wohnen.

Leistungsdruck als Grund für den Konsum

Bei den Substanzen, welche die Jugendlichen besorgt haben, handelt es sich vorwiegend um Aufputsch- und Beruhigungsmittel. Oft würden auch codeinhaltige Medikamente wie etwa Hustensirup erworben.

Stellt sich die Frage, warum die Personen überhaupt zu solch aufputschenden Mitteln greifen. Simon Kopp: «Die Mehrheit der Beschuldigten geben an, dass sie damit für die tägliche Leistung in der Lehre oder in der Schule wach sein wollten.» Und um dann wieder herunterzukommen, hätten sie im Verlauf des Tages Beruhigungsmittel eingenommen. Ein Teufelskreis also.

Die Eltern hätten in vielen Fällen nichts vom Konsum ihrer Kinder mitbekommen, wie sie in Gesprächen mit der Polizei sagten.

«Benzos» (Beruhigungsmittel), Hustensirup und weitere Tabletten wurden sichergestellt. (Bild: Luzerner Polizei)

«Benzos» (Beruhigungsmittel), Hustensirup und weitere Tabletten wurden sichergestellt. (Bild: Luzerner Polizei)

Dass an den Schulen ab und zu Cannabis und Alkohol konsumiert werde, sei bekannt, sagt Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung des Kantons Luzern. «Der Konsum von solchen Medikamenten hingegen ist neu», sagt er. Und darum werde man nun die Lehrpersonen diesbezüglich informieren, damit sie sensibilisiert sind. «Es ist aber vermessen, zu glauben, dass es im Klassenzimmer immer gelingt, auffälliges Verhalten, welches in Zusammenhang mit Medikamentenmissbrauch stehen könnte, zu bemerken und anzusprechen», so der Dienststellenleiter. Der Kernauftrag sei nach wie vor das Erlangen der Matur.

Er weist zudem darauf hin, dass 50 Personen etwa ein Prozent aller Luzerner Kantonsschüler ausmache. Und: Im vorliegenden Fall handelt es sich nicht nur um Kantischüler, sondern auch um Oberstufen- und Berufsschüler.

Prävention: Fokus mehr auf Aufputschmittel legen

Grosser Leistungsdruck wird von den Jugendlichen als Grund für den Konsum angegeben. Was sagt Aldo Magno dazu? «Die Schweizer Gesellschaft fühlt sich zunehmend unter Druck. Die Beschleunigung und die 24-Stundengesellschaft hinterlassen auch Spuren bei den Jugendlichen», so Magno. «Rein der schulische Druck hat in den letzten Jahren kaum zugenommen.»

Präventionsunterricht im Bereich Drogenkonsum und Umgang mit Druck ist an den Kantonsschulen schon lange verankert. Magno räumt aber ein, dass das Augenmerk offensichtlich vermehrt auch noch auf den Konsum von Benzodiazepine und Amphetamine gelegt werden müsse. «Da wollen wir von nun an noch intensivere Sensibilisierungsarbeit leisten.»

Happige Folgen für die Jugendlichen

Die Luzerner Staatsanwaltschaft und Jugendanwaltschaft haben gegen die Beschuldigten Untersuchungen wegen Urkundenfälschung, Betrug, Diebstahl, Missbrauch von Datenverarbeitungsanlagen, Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz, Verstoss gegen das Strassenverkehrsgesetz und zum Teil Verstoss gegen das Waffengesetz eröffnet. Heisst, die Jugendlichen erhalten wohl einen oder mehrere Einträge ins Strafregister. Daniel Burri, Oberstaatsanwalt des Kantons Luzern: «Jugendliche sind sich den Folgen einer Verurteilung oft gar nicht bewusst. Ein Eintrag im Strafregister kann sich bei einer Wohnungs- oder Arbeitssuche noch jahrelang negativ auswirken.» Es sei auch die Aufgabe der Staatsanwaltschaft präventiv vor unüberlegtem Handeln zu warnen, so Burri.

So schädlich sind diese Drogen

(kuy) Amphetamin, in der Drogenszene als auch Speed bekannt, stimuliert das zentrale Nervensystem und führt zu einer Freisetzung der körpereigenen «Leistungsdrogen» Noradrenalin, Adrenalin und Dopamin. Der Organismus wird in eine Art Stresszustand versetzt, der sonst nur in Gefahrensituationen eintritt. Puls und Blutdruck steigen an, die Körpertemperatur erhöht sich, Bedürfnisse nach Schlaf und Essen sowie das Schmerzempfinden werden reduziert. Es können sich Gefühle erhöhter Leistungsfähigkeit und Euphorie einstellen, aber auch starke Unruhe, paranoide Gedanken und depressive Verstimmung. Es kann sich rasch eine Abhängigkeit mit psychischen Symptomen einstellen. Der Konsum über längere Zeit zehrt den Körper aus und kann zu Organ- und Herzschäden führen.

Ecstasy ruft stimulierende und leicht halluzinogene Wirkungen hervor, Gefühle können intensiver wahrgenommen werden. Im Körper bewirkt die synthetische Droge einen erhöhten Puls und Blutdruck, erweiterte Pupillen, Kieferkrämpfe und bei Eintreten der Wirkung häufig Übelkeit. Die Körpertemperatur steigt teils stark an. Bei Überdosierung sind Krampfanfälle, ein Kreislaufkollaps sowie Leber- und Nierenversagen möglich. Auf psychischer Ebene können sich Glücksgefühle und eine subjektiv erlebte Steigerung des Einfühlungsvermögens und der Offenheit anderen gegenüber einstellen. Andererseits können negative Emotionen wie Trauer und Angst verstärkt werden und Desorientierung, Halluzinationen und Panikattacken auftreten.

Marihuana, umgangssprachlich Gras, ist ein Rauschmittel. Gewisse Sorten wirken eher beruhigend, andere leicht halluzinogen. Der Wirkungseintritt beim Rauchen tritt meist innerhalb weniger Minuten ein, bei oraler Einnahme ist die Wirkung verzögert und tritt aber häufig sehr plötzlich ein und hält länger an. Dabei hängen die psychischen Wirkungen sehr stark von der jeweiligen Grundstimmung der konsumierenden Person sowie von der Situation und Umgebung des Konsums ab. Als akute körperliche Wirkungen können u. a. ein erhöhter Blutdruck, eine leichte Steigerung der Herzfrequenz, Augenrötung und Übelkeit auftreten. Zu den akuten psychischen Wirkungen gehört eine deutliche Anhebung der Stimmungslage.

Hinweis: Weitere Informationen finden Sie unter www.safezone.ch.

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