Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Doris Wicki ist die einzige weibliche Köhlerin europaweit – und in diesen Tagen in Beromünster auf der Stör

Doris Wicki, die einzige Köhlerin Europas, ist auf der Stör: Während einer
Woche wacht die Entlebucherin in Beromünster über einen Meiler. Die Kohle erntet ein Kulturverein.
Evelyne Fischer
Die Entlebucherin Doris Wicki baut während der Köhlerwoche in Beromünster einen Meiler auf. (Bild: Boris Bürgisser, 9. Mai 2019)

Die Entlebucherin Doris Wicki baut während der Köhlerwoche in Beromünster einen Meiler auf. (Bild: Boris Bürgisser, 9. Mai 2019)

Beim Köhlern wird mit der grossen Kelle angerichtet – das beweist der Augenschein am Donnerstag in Beromünster: Fünf Ster Holz, knapp vier Tonnen Meterspalten, beigen Doris Wicki (61) und Helferinnen um Pfähle, die das sogenannte Füllihaus bilden. Am Freitag wird der kegelförmige Meiler mit 1,8 Tonnen Löschi bedeckt – jenem Kohlenstaub-Kohlenstücke-Gemisch, das den Köhlern den traditionellen Teint verpasst.

Am Samstag schüttet Wicki Glut ins Füllihaus, nach und nach wirds im Meiler bis zu 500 Grad heiss. Etage für Etage verkohlt, von oben nach unten. Alle zwei Stunden Kontrolle, rund um die Uhr. Wicki bleibt 24 Stunden am Meiler, nächtigt im Forstwagen. Der Verkohlungsprozess fordert; gerade hier, auf dem windigen Parkplatz. Die Luftzufuhr lenken? Kein Kinderspiel. Mit einem Armierungseisen wird sie Löcher stechen, um das gleichmässige Verkohlen zu steuern. Die Entlebucherin, einzige Köhlerin europaweit, sagt:

«Am liebsten baue ich meine Meiler im Wald, an einem geschützten Ort.»

Köhlerin Doris Wicki und Fotograf Simon Meyer, der während der Köhler-Woche im Haus zum Dolder seine Bilder zeigt. (Bild: Boris Bürgisser, Beromünster, 9. Mai 2019)

Köhlerin Doris Wicki und Fotograf Simon Meyer, der während der Köhler-Woche im Haus zum Dolder seine Bilder zeigt. (Bild: Boris Bürgisser, Beromünster, 9. Mai 2019)

Fotograf ist Feuer und Flamme fürs Handwerk

Doris Wicki und ihr Handwerk stehen im Fokus der Köhler-Woche im Flecken. Organisiert wird diese von den Kulturveranstaltern Löffelburg und Kulturfläck Beromünster. Als Begleitprogramm zeigt Simon Meyer (51), Fotograf und Mitorganisator, die Fotoserie «Die Köhler am Napf». Hier bereits ein erster Vorgeschmack davon:

Beim Besuch bereitet Simon Meyer gerade das Tannenreisig vor, das zwischen Holz und Löschi zu liegen kommt. Meyer, ursprünglich Kunstschmied, begleitete den Buttisholzer Filmemacher Robert Müller während der Dreharbeiten für «Köhlernächte» von 2012 bis 2017. «Vorrangig ging es um die Dokumentation des traditionellen Handwerks», sagt Kulturfläck-Präsident Meyer.

«Die nächtlichen Szenen mit Feuer und Rauch ergaben aber auch tolle Sujets und waren technisch herausfordernd.»

Aus Interesse an der Geschichte sei die Köhler-Woche entstanden, sagt Meyer, der nebenberuflich die Geschäftsstelle der Stiftung Fotodok leitet. «Wir rechnen mit ein paar Hundert Besuchern.»

Fürs Köhlern den Job als Coiffeuse aufgegeben

Zurück zu Köhlerin Wicki. Aufgewachsen auf einem Bergbauernhof in Bramboden, wurde sie zunächst Coiffeuse, hatte ihr eigenes Geschäft. 2004 übernahm sie die Gastköhlerei ihres Bruders. Wicki sagt: «Das Handwerk darf nicht vergessen gehen. Die Kohle hat seinerzeit die Industrialisierung erst möglich gemacht.»

Auf die Holzschicht verteilt Köhlerin Doris Wicki Tannenreisig. (Bild: Boris Bürgisser, Beromünster, 9. Mai 2019)

Auf die Holzschicht verteilt Köhlerin Doris Wicki Tannenreisig. (Bild: Boris Bürgisser, Beromünster, 9. Mai 2019)

Von Frühling bis Herbst ist die Event-Köhlerin auf der Stör, baut vier bis sechs Meiler, hilft im Winter in Sörenberg im Gastrobereich aus. «Den Job als Coiffeuse musste ich an den Nagel hängen», sagt sie und lacht.

«Niemand wartet ein halbes Jahr, bis er wieder die Haare schneiden kann.»

Wicki beigt häufig bis zu 70 Ster Holz auf – der Meiler in Beromünster ist im Vergleich geradezu ein kleines Exemplar. Entsprechend dauert der Verkohlungsprozess auch nur eine Woche. Nach dem Auskühlen wird in 14 Tagen rund 350 Kilo Holzkohle gewonnen und verkauft, der 5-Kilo-Sack zu 16 Franken. Die «Kohle» ist willkommen: Das Budget der Köhler-Woche beläuft sich auf 9000 Franken, Dreiviertel des Betrags ist durch Sponsoren gedeckt.

Köhler-Woche: Wann es was zu sehen gibt

Der Meiler auf dem Parkplatz Bachheim in Beromünster ist bis am 18. Mai täglich von 9 bis 23 Uhr zugänglich. Morgen Samstag, 11. Mai, ab 15 Uhr, zeigt Schmied Michi Aeschimann aus Beromünster sein Handwerk; ab 17.30 Uhr entzündet Köhlerin Doris Wicki den Meiler. Donnerstag, 16. Mai, 20 Uhr: Dokumentarfilm «Köhlernächte» im Stiftstheater, Stift 28. Freitag, 17. Mai, ab 20 Uhr: Ausbrennen des Meilers mit traditioneller Irish Folk Session. Samstag, 25. Mai, ab 10 Uhr: Verkauf der Holzkohle. Als Begleitveranstaltung wird im Dolderkeller, Fläcke 17, die Fotodokumentation «Die Köhler am Napf» von Simon Meyer gezeigt. Öffnungszeiten: 11. und 12. Mai sowie 18. Mai und 19. Mai, jeweils 14 bis 16 Uhr.

Weitere Infos: www.löffelburg.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.