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Diese Steilwandfahrer riskieren Kopf und Kragen – und sind jetzt in Luzern zu sehen

Erstmals seit Jahrzehnten ist das älteste reisende Motodrom der Welt wieder in der Schweiz zu sehen – seit Freitag in Luzern. Fahrer Donald Ganslmeier erklärt, warum er in der Steilwand nie einen Helm trägt.

René Meier
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Der Holzkessel im Verkehrshaus Luzern sieht aus wie ein überdimensionierter Badebottich, über den jemand ein Zirkuszelt gespannt hat. Sechs Meter hoch ist die steile Wand. In der Mitte sitzt Donald Ganslmeier auf seiner historischen Maschine aus dem Jahr 1928. Benzingeruch liegt in der Luft. «Angst?», fragt er mit bayrischem Dialekt. «Nein, Angst habe ich nicht. Aber einen gesunden Respekt.» 

Donald Ganslmeier, Clemens Schöne und Peter Petersen fahren auf ihren Indian Scouts auf einer senkrechten Wand. Sie sind in der Vertikalen so schnell unterwegs, dass sie «die Schwerkraft einfach wegbrettern». Dabei dröhnen sie so nahe am Publikum – es befindet sich am oberen Rand des Kessels – vorbei, dass man schon etwas Angst um seine Finger bekommt.

Unfallversicherungen winken weltweit ab

Während der 12-minütigen Show hält der Zuschauer immer wieder den Atem an. Denn die Männer rasen nicht nur an der Grenze des physikalisch Möglichen – sie reissen dabei auch die Arme in die Luft, grätschen kurz mit einem Bein über das andere, als wäre es das Einfachste der Welt. «Wir werden mit 3,5 G an die Wand gedrückt, das heisst, wenn ich den Arm hebe, ist dieser dreieinhalb mal so schwer.» Durch die Beschleunigung bleiben die Männer «an der Wand kleben». Und warum fahren sie ohne Helm? «Unsere Bewegungsfreiheit wäre eingeschränkt», sagt Ganslmeier und schiebt mit einem Schmunzeln nach: «Es sieht auch nicht so toll aus.» Aufgrund des Risikos hat sich weltweit keine Unfallversicherung bereit erklärt, die Fahrer unter Schutz zu nehmen. «Steilwandfahren ist meine absolute Leidenschaft, mein Traumberuf.»

Das Motodrom ist die älteste reisende Steilwand der Welt und erstmals seit Jahrzehnten wieder in der Schweiz zu sehen – bis am 21. Mai im Verkehrshaus und am 25. und 26. Mai als Höhepunkt der Oldtimer-Messe «Swiss Classic World» auf der Allmend in Luzern. Zu sehen sind 600 klassische Oldtimer. Erwartet werden rund 14'000 Besucher. «Es gibt ein Bedürfnis für eine Oldtimer-Messe», sagt Messeleiter Bernd E. Link. Er schätzt, dass es in der Schweiz zwischen 30'000 und 50'000 Oldtimer gibt, also Fahrzeuge mit Produktionsjahr 1989 und älter, die noch im Verkehr sind. 

Erstmals ein Programm für Frauen

«Nur gerade ein Prozent Frauen gibt es, die sich aktiv in der Oldtimer-Szene bewegen. Das wollen wir ändern», sagt Messeleiter Bernd E. Link. Deshalb wurde erstmals ein Programm von Frauen für Frauen zusammengestellt. Dazu gehören zwölf Stände, die sich speziell an Frauen richten. Es gibt Führungen vor Ort von Frauen für Frauen, sowie die Möglichkeit, einen Oldtimer einmal selbst zu fahren. Diverse Sonderschauen und eine Auktion mit 50 Fahrzeugen runden das Angebot ab. 

Hinweis: Öffnungszeiten der «Swiss Classic World»: Samstag, 25. Mai von 9 bis 18 Uhr und Sonntag, 26. Mai von 9 bis 17 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt im Vorverkauf 20 Franken. Infos: www.swissclassicworld.ch
Die Vorführungen im Verkehrshaus sind täglich bis am 21. Mai jeweils um 11.30, 13, 14, 15, 16 und 17 Uhr zu sehen. 

Diese Autos werden versteigert:

Die Highlights der Ausstellung:

  • Original Motodrom – die älteste reisende Steilwand der Welt
  • Auktion mit rund 50 Oldtimer (25. Mai, ab 16 Uhr)
  • Umfassende Präsentation historischer Schweizer Motorräder
  • Sonderschauen zu 100 Jahre Bentley, 100 Jahre Carrosserie-Verband VSC und der Marke Saurer
  • Attraktives Programm für Frauen und Classic Cars mit spezielle Angeboten und Oldtimer-Fahrmöglichkeiten