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Diese Luzerner Gemeinden sind 2018 am stärksten gewachsen – oder geschrumpft

Der Kanton Luzern wächst munter weiter. Das vergangene Jahr hat ihm 3600 zusätzliche Einwohner beschert. Währenddem Stadt und Agglomeration kräftig zulegen, laufen den Landgemeinden jedoch teilweise die Leute davon.
Lucien Rahm

Der Kanton Luzern hat einiges zu bieten, was ihn als Wohnort attraktiv macht. Bislang unveröffentlichte Zahlen bestätigen seine Beliebtheit zum wiederholten Mal. Im vergangenen Jahr ist die ständige Luzerner Bevölkerung gegenüber dem Vorjahr um über 3600 Personen gewachsen, wie Erhebungen der Statistikstelle Lustat zeigen. Das entspricht einer Zunahme um 0,9 Prozent. So befinden sich neu über 410'000 Einwohner im Kanton. Gegenüber 1981 sind dies fast 111'000 Einwohner mehr.

Hinweis: Die hier erwähnten Zahlen wurden am 27. August 2019 mit zum Teil leicht anderen Werten offiziell präsentiert. Die Tendenz bleiben gleich, so dass wir die Zahlen nicht angepasst haben.

Einer der Gründe für die Zunahme: Kantonsweit gab es seit 1981 unter dem Strich mehr Geburten als Sterbefälle. «Das hat zum natürlichen Wachstum beigetragen», sagt auf Anfrage Judith Setz, Sprecherin des kantonalen Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements.

«Ein Grossteil des Wachstums ging in den letzten Jahren aber auf Wanderungsgewinne zurück», so Setz. Das heisst, dass mehr Personen in den Kanton Luzern eingewandert als daraus abgewandert sind. Besonders die Zuwanderung aus dem Ausland habe hierzu viel beigetragen, sagt Setz.

Wie Lustat-Zahlen zeigen, hat insbesondere der Anteil an Bewohnern aus Deutschland stark zugenommen. Waren es um die Jahrtausendwende noch rund 4000 deutschstämmige Mitbürger, sind mittlerweile 10'000 hinzugekommen (Stand 2017). Demgegenüber hat sich der Anteil an den einst dominierenden Italienern seit 1993 leicht reduziert, wie die folgende Tabelle zeigt:

Anteil der ausländischen Einwohner an der ständigen Wohnbevölkerung

im Kanton Luzern
Jahr Total in Prozent Deutsch- land Italien Portugal Kroatien Spanien Kosovo Serbien1 Maze- donien Bosnien und Herze- gowina Türkei Afrika Asien Amerika Übrige
2017 74 994 18.4% 13 954 7654 7461 1989 1997 7803 4 369 2401 1930 1533 3788 7106 1867 206
2016 74 133 18.4% 14 005 7532 7444 2012 2055 7689 4 580 2366 1974 1579 3544 6967 1840 182
2015 71 259 17.9% 13 838 7413 7330 2037 2057 7427 4 815 2301 2015 1565 3026 5814 1870 157
2014 69 268 17.6% 13 682 7180 7173 2077 2022 7180 5 245 2314 2085 1569 2596 5350 1835 144
2013 67 320 17.2% 13 376 6881 6769 2127 1893 6622 5 968 2284 2132 1606 2490 5218 1849 130
2012 65 454 17.0% 13 055 6787 6402 2226 1807 5841 6 893 2249 2191 1625 2206 4896 1822 125
2011 64 143 16.8% 12 581 6737 6018 2322 1692 5120 7 959 2246 2275 1691 2035 4842 1743 126
2010 62 890 16.7% 11 816 6706 5640 2354 1690 4322 9 156 2285 2401 1691 1827 4986 1734 118
2009 60 886 16.3% 11 291 6869 5505 2419 1746 ... 13 716 2323 2469 1608 1044 4412 1663 93
2008 59 650 16.2% 10 364 6840 5302 2504 1754 ... 14 075 2340 2581 1615 949 4387 1559 87
2007 57 195 15.7% 8 598 6824 5000 2623 1783 ... 14 267 2368 2646 1585 860 4331 1391 68
2006 55 355 15.4% 7 068 6864 4813 2696 1895 ... 14 540 2416 2705 1539 798 4249 1286 59
2005 54 729 15.4% 6 198 6953 4617 2770 1976 ... 14 884 2460 2800 1478 723 4330 1239 61
2004 54 467 15.4% 5 711 7069 4421 2827 2062 ... 14 994 2491 2864 1472 681 4477 1143 70
2003 54 108 15.3% 5 201 7196 4173 2841 2151 ... 15 191 2530 2956 1484 617 4501 1116 64
2002 53 967 15.3% 4 893 7392 3978 2853 2220 ... 15 356 2543 3009 1447 600 4489 1097 65
2001 53 253 15.2% 4 643 7588 3739 2945 2355 ... 15 287 2529 3053 1479 596 4097 1026 61
2000 51 328 14.8% 4 148 7831 3730 2938 2446 ... 15 142 2460 2970 1477 551 3048 922 65
1999 50 560 14.7% 3 864 8159 3698 2913 2558 ... 15 071 2427 3004 1454 512 2508 868 68
1998 49 656 14.5% 3 635 8230 3669 2881 2669 ... 15 597 2370 2042 1452 467 2291 826 76
1997 49 693 14.5% 3 566 8455 3665 2897 2847 ... 15 636 2313 1850 1483 430 2178 807 78
1996 49 312 14.4% 3 439 8770 3655 2885 3007 ... 15 338 2229 1885 1487 401 1863 773 64
1995 48 855 14.4% 3 307 9098 3548 2849 3130 ... 14 863 2096 1857 1552 395 1820 712 64
1994 47 000 13.9% 3 235 9273 3404 2571 3249 ... 14 302 1514 1605 1557 389 1773 627 66
1993 45 020 13.4% 3 216 9461 3198 1863 3319 ... 15 299 303 842 1544 362 1615 579 60

Die neusten Daten von Lustat zeigen nun die ständige Wohnbevölkerung im Kanton Luzern und seinen Gemeinden, wie sie sich am 31. Dezember 2018 präsentiert hat. Zwar sind diese Zahlen noch provisorisch. Doch lassen sie bereits gut erkennen, in welche Richtung es mit der Luzerner Bevölkerung geht.

Am meisten zum letztjährigen Wachstum beigetragen haben demgemäss die Stadt Luzern und ihre umliegenden Gemeinden. In der Stadt sind es im vergangenen Jahr 575 mehr Bewohner geworden (+0,7 Prozent), in Kriens 536 (+2 Prozent). In Emmen beträgt das Plus 286 (+0,9 Prozent), in Horw sind im letzten Jahr 220 Personen dazugekommen (+1,6 Prozent). Somit haben die Nachbargemeinden Luzerns prozentual mehr gewonnen, als die Stadt selbst. Betrachtet man das prozentuale Bevölkerungswachstum in den ländlichen Gemeinden, sind diese gar noch stärker gewachsen, wie in dieser Tabelle ersichtlich wird:

Entwicklung der ständigen Wohnbevölkerung

in den Luzerner Gemeinden
Gemeinde 2017 2018 Veränderung prozentuale Veränderung
Kanton Luzern 406 506 410 120 3614 +0.89%
Adligenswil 5 343 5 386 43 +0.80%
Aesch 1 205 1 247 42 +3.49%
Alberswil 655 665 10 +1.53%
Altbüron 1 025 1 002 –23 -2.24%
Altishofen 1 572 1 575 3 +0.19%
Altwis 438 439 1 +0.23%
Ballwil 2 786 2 761 –25 -0.90%
Beromünster 6 478 6 590 112 +1.73%
Buchrain 6 116 6 265 149 +2.44%
Büron 2 444 2 553 109 +4.46%
Buttisholz 3 287 3 245 –42 -1.28%
Dagmersellen 5 369 5 518 149 +2.78%
Dierikon 1 503 1 481 –22 -1.46%
Doppleschwand 786 783 –3 -0.38%
Ebersecken 386 378 –8 -2.07%
Ebikon 13 531 13 635 104 +0.77%
Egolzwil 1 483 1 457 –26 -1.753%
Eich 1 632 1 625 –7 -0.43%
Emmen 30 682 30 968 286 +0.93%
Entlebuch 3 315 3 283 –32 -0.97%
Ermensee 984 990 6 +0.61%
Eschenbach 3 589 3 587 –2 -0.06%
Escholzmatt-Marbach 4 358 4 346 –12 -0.28%
Ettiswil 2 691 2 747 56 +2.08%
Fischbach 706 716 10 +1.42%
Flühli 1 956 1 977 21 +1.07%
Gettnau 1 151 1 173 22 +1.91%
Geuensee 2 911 2 915 4 +0.14%
Gisikon 1 331 1 387 56 +4.21%
Greppen 1 075 1 120 45 +4.19%
Grossdietwil 863 859 –4 -0.46%
Grosswangen 3 273 3 244 –29 -0.89%
Hasle 1 752 1 741 –11 -0.63%
Hergiswil 1 908 1 913 5 +0.26%
Hildisrieden 2 275 2 331 56 +2.46%
Hitzkirch 5 201 5 321 120 +2.31%
Hochdorf 9 832 9 852 20 +0.20%
Hohenrain 2 474 2 420 –54 -2.18%
Honau 391 394 3 +0.77%
Horw 13 915 14 135 220 +1.58%
Inwil 2 557 2 622 65 +2.54%
Knutwil 2 182 2 237 55 +2.52%
Kriens 26 997 27 533 536 +1.99%
Luthern 1 295 1 274 –21 -1.62%
Luzern 81 401 81 976 575 +0.71%
Malters 7 231 7 316 85 +1.18%
Mauensee 1 488 1 458 –30 -2.02%
Meggen 7 138 7 250 112 +1.57%
Meierskappel 1 369 1 465 96 +7.01%
Menznau 2 902 2 874 –28 -0.96%
Nebikon 2 645 2 650 5 +0.19%
Neuenkirch 7 104 7 065 –39 -0.55%
Nottwil 3 848 3 862 14 +0.36%
Oberkirch 4 679 4 707 28 +0.60%
Pfaffnau 2 668 2 680 12 +0.45%
Rain 2 770 2 809 39 +1.41%
Reiden 7 038 7 139 101 +1.44%
Rickenbach 3 254 3 372 118 +3.63%
Roggliswil 688 700 12 +1.74%
Römerswil 1 769 1 790 21 +1.19%
Romoos 670 666 –4 -0.60%
Root 4 995 5 065 170 +1.40%
Rothenburg 7 571 7 549 –22 -0.29%
Ruswil 6 856 6 964 108 +1.58%
Schenkon 2 862 2 947 85 +2.97%
Schlierbach 878 889 11 +1.25%
Schongau 1 044 1 033 –11 -1.05%
Schötz 4 396 4 436 40 +0.91%
Schüpfheim 4 181 4 219 38 +0.91%
Schwarzenberg 1 690 1 709 19 +1.12%
Sempach 4 128 4 175 47 +1.14%
Sursee 9 900 9 962 62 +0.63%
Triengen 4 652 4 650 –2 -0.04%
Udligenswil 2 279 2 281 2 +0.09%
Ufhusen 903 902 –1 -0.11%
Vitznau 1 381 1 381 0 -
Wauwil 2 177 2 256 79 +3.63%
Weggis 4 404 4 382 –22 -0.50%
Werthenstein 2 115 2 124 9 +0.43%
Wikon 1 525 1 534 9 +0.59%
Willisau 7 825 7 802 –23 -0.29%
Wolhusen 4 375 4 350 –25 -0.57%
Zell 2 004 2 041 37 +1.85%

Mit sieben Prozent verzeichnet Meierskappel die kantonsweit stärkste Zunahme. Gegenüber den 1369 Bewohnern Ende 2017 ist die Zahl in einem Jahr um 96 Personen gestiegen. Verantwortlich für den Zuwachs sind vor allem zwei Überbauungen, die letztes Jahr bezogen werden konnten, wie Gemeindeschreiber René Dähler auf Anfrage sagt.

Zuzüger-Kinder können erlaubte Schulklassengrösse sprengen

Einerseits wurde eine Überbauung am Meierskappeler Rütirain vollendet, die rund drei Dutzend Wohnungen an Hanglage umfasst, viele davon sind Eigentumsobjekte. Auch das Bauprojekt Seilerhof hat vergangenes Jahr zusätzlichen Wohnraum geschaffen.

Dutzende Eigentumswohnungen an Hanglage: die Überbauung Rütirain in Meierskappel. (Bild: ruetirain.ch/C. Ghislini)

Dutzende Eigentumswohnungen an Hanglage: die Überbauung Rütirain in Meierskappel. (Bild: ruetirain.ch/C. Ghislini)

Nicht nur See- und Bergsicht würden Meierskappel für Neuzuzüger attraktiv machen, so Dähler. Die Lage der Gemeinde zwischen Rotkreuz und Küssnacht beziehungsweise Zuger- und Vierwaldstättersee seien weitere Vorteile; ebenso die damit verbundene gute Anbindung an die umliegenden Autobahnanschlüsse in Richtung Zürich und Luzern. Und im Vergleich zu den Nachbarkantonen Zug und Schwyz seien die Immobilienpreise in Meierskappel einigermassen «attraktiv», so Dähler.

Die neuen Bewohner bringen Vorteile mit sich, wie im Falle der Eigentumswohnungskäufer ein eher hohes Einkommen, das die Gemeinde besteuern darf. Doch die Zuzüger können auch Nachteile haben. «Bringen die Neuzuzüger Kinder mit, könnte es bei den Grössen der Schulklassen zu Schwierigkeiten kommen», sagt Dähler. Wenn eine Klasse eine gesetzlich vorgegebene Grösse überschreitet, müssten deren Schüler auf zwei Klassen verteilt werden. Das würde eine zusätzliche Lehrperson und einen neuen Unterrichtsraum bedingen. In Meierskappel wird nun genau dies nötig: «Der Gemeinderat hat am Montag beschlossen, dass es ab dem Schuljahr 2019/2020 eine zusätzliche altersdurchmischte 5./6. Klasse geben wird», so Dähler.

Über 100 Leute mehr gab es zudem auch in Büron. Von 2444 kletterte die Einwohnerzahl auf 2553 – das sind 4,5 Prozent mehr. Um je 4,2 Prozent haben Greppen (von 1075 auf 1120) und Gisikon (von 1331 auf 1387) zugelegt. Aber auch Wauwil weist mit einer Zunahme von 2177 auf 2256 eine positive Entwicklung auf (Plus von 3,6 Prozent).

Diese Luzerner Gemeinden sind 2018 am stärksten gewachsen – oder geschrumpft

in Prozent der Bevölkerung

Hohenrain verliert am stärksten

Das Wachstum spiegelt sich allerdings nicht in allen Gemeinden wider. In 25 Gemeinden zeichnet sich gemäss den Lustat-Daten ein Einwohnerrückgang ab. Betrachtet man die Entwicklung in Prozent der Bevölkerung, trifft es Altbüron am härtesten: Zwar sind es dort im vergangenen Jahr nur 23 Personen weniger geworden. Weil die Gemeinde aber nur über rund 1000 Einwohner verfügt, schenkt der Abgang ein. Der Rückgang von 1025 (2017) auf 1002 (2018) Bewohner entspricht einem Minus von 2,24 Prozent.

«Mit den mittlerweile wieder vorliegenden Anmeldungen für 2019 beträgt die Einwohnerzahl 1011 Personen», sagt Valentin Kreienbühl, Gemeindepräsident von Altbüron (CVP). Der Rückgang sei zudem kein Trend. «Über die letzten Jahre gesehen hatten wir ein moderates Wachstum zu verzeichnen». Vorgesehene Bauprojekte würden in Zukunft auch wieder Leute nach Altbüron bringen, ist er überzeugt. Warum die Leute letztes Jahr abgewandert sind, könne er nicht sagen.

Fast genauso hoch wie in Altbüron ist der Rückgang in Hohenrain. Hier ist die Bevölkerung um 2,18 Prozent eingegangen (von 2474 auf 2420). Mit dem Minus von 54 Personen muss die Gemeinde den kantonsweit grössten Verlust in absoluten Zahlen hinnehmen. Gemeindepräsident Herbert Schmid (CVP) gibt sich jedoch zuversichtlich: «Es wird auch wieder zunehmen.»

Konkret spricht Schmid von zwei Grossüberbauungen, die in den nächsten Jahren erstellt werden sollen. Zum einen entstehen 28 neue Wohnungen im Gebiet des Restaurants Kreuz und des alten Gemeindehauses. Mit über 40 weiteren Wohneinheiten rechnet Schmid bei der Umzonung des Gebiets Johanniterhof.

Als Grund für den Wachstumsschwund nennt Schmid, es gebe in Hohenrain viele Familien, deren Nachwuchs nun ausgeflogen sei. Und dieser würde eher die Stadtnähe suchen. Seit zehn Jahren schwankt die Bevölkerungszahl des Dorfes um 2400 herum.

Die drei weiteren Gemeinden mit den höchsten prozentualen Rückgängen 2018 sind Ebersecken (um 2,1 Prozent auf 378 Einwohner geschrumpft), Mauensee (um 2 Prozent auf 1458) und Egolzwil (um 1,8 Prozent auf 1457).

Langfristig gesehen sind alle gewachsen – bis auf ein paar Landgemeinden

Über die lange Frist betrachtet, präsentiert sich ein etwas weniger dramatisches Bild als beim Vorjahresvergleich. In den letzten zehn Jahren sind fast alle Luzerner Gemeinden gewachsen. Einzig fünf der heute 83 Gemeinden sind seit 2008 geschrumpft. Während Adligenswil und Entlebuch kleine Verluste von 1,6 respektive 0,1 Prozent verzeichnen, trifft es einige Landgemeinden härter. Allen voran Ebersecken: Das Hinterländer Dorf hat in den vergangenen zehn Jahren 11 Prozent seiner Bevölkerung verloren – aus 425 wurden 378.

«Wir können bei uns den Wohnungsbau nur begrenzt fördern, weil die nötigen Einzonungen nur in kleinem Ausmass möglich sind», sagt der Ebersecker Gemeindepräsident Thomas Roos (CVP). So bevorzuge zum Beispiel der Besitzer einer der geeigneten Parzellen, dass sein Land weiterhin landwirtschaftlich genutzt wird. Bei anderen Bauplätzen sei eventuell die Lage nicht attraktiv genug.

Insbesondere junge Leute würden daher aus Ebersecken abwandern. «Viele von ihnen würden zwar gerne bleiben, finden aber bei uns keine Wohnung, wenn sie bei den Eltern ausziehen», so Roos. Der Bestand an Mietwohnungen sei im Dorf gering, und diese seien oftmals besetzt. Häufig würden die Jungen dann in die Nachbardörfer ziehen, um dennoch nahe an Ebersecken zu wohnen. Von der Fusion Eberseckens mit Altishofen im kommenden Jahr erhofft sich Roos neue Bauprojekte, welche die Bevölkerung wieder wachsen lassen.

Weitere Gemeinden, die in den letzten zehn Jahren einen grösseren Bevölkerungsschwund erlebt haben, sind Luthern (–7 Prozent seit 2008) und Romoos (–6,5 Prozent).

Diese Luzerner Gemeinden sind in den letzten 10 Jahren am stärksten gewachsen – oder geschrumpft

Veränderung in Prozent der Bevölkerung von 2008 bis 2018

Was der Langzeitvergleich auch zeigt: Die prozentualen Anteile der jeweiligen Regionen an der kantonalen Gesamtbevölkerung haben sich über die Jahre ein wenig verschoben. Lebten 1987 noch knapp 24 Prozent der ständigen Bevölkerung in der Stadt Luzern, sind es 30 Jahre später noch 20 Prozent (siehe Box unten). Zugenommen hat in dieser Zeit die Einwohnerschaft des Agglomerationsgürtels. Dazu zählt das Statistikzentrum Lustat die Gemeinden um die Agglomeration der Stadt Luzern herum (Schwarzenberg, Malters, Neuenkirch, Hildisrieden, Rain, Eschenbach, Inwil und Udligenswil). In den vergangenen drei Jahrzehnten ist der «Gürtel» um 1,1 Prozentpunkte gewachsen und macht Ende 2017 rund 7 Prozent aller Luzerner aus. Ebenso hat die Region Sursee zugenommen: Diese bewohnten 2017 knapp 31'000 Leute. Das sind 7,5 Prozent der Kantonsbevölkerung (1987: 6 Prozent).

Indessen sind bei den innerkantonalen Bevölkerungswanderungen vor allem die Gemeinden des Agglomerationskerns beliebt. Dazu zählen Kriens, Horw, Meggen, Adligenswil, Dierikon, Ebikon, Emmen, Buchrain und Rothenburg. So sind 65 Prozent der 21'000 Leute, welche aus der Stadt Luzern zwischen 2011 und 2017 kantonsintern umgezogen sind, in eine dieser Gemeinden gezügelt. Der Transfer funktioniert aber auch in die andere Richtung. Von den Bewohnern der Agglokerngemeinden, die innerhalb des Kantons zügelten, zog es in dieser Zeit rund einen Drittel der 32'000 Personen in die Stadt Luzern. Fast genauso viele wechselten ihren Wohnort innerhalb des Agglomerationskerns.

Stadt Luzern verzeichnete mehr Todesfälle als Geburten

In der Stadt Luzern gab es in den Jahren von 1987 bis 2017 gesamthaft weniger Geburten, als es Todesfälle gab. Unter dem Strich hat dies zu einem Bevölkerungsrückgang um 2369 Personen geführt, wie Sibylle Haas, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Lustat, auf Anfrage ausführt.

In allen anderen Analyseregionen gab es im gleichen Zeitraum mehr Geburten als Todesfälle. So verzeichnete beispielsweise der Agglomerationskern (Kriens, Horw, Meggen, Adligenswil, Dierikon, Ebikon, Emmen, Buchrain und Rothenburg) in dieser Zeit mit einem Plus von 10‘545 Personen den höchsten absoluten Geburtenüberschuss.

«Die unterschiedlichen Geburtenüberschüsse sind unter anderem Folgen der Altersstruktur der Bevölkerung: Eine hohe Anzahl von Frauen im gebärfähigen Alter führt zu höheren Geburtenzahlen, während eine hohe Anzahl von älteren Personen zu höheren Sterbezahlen führt», so Haas. Die Stadt Luzern weise den höchsten Anteil an über 65-Jährigen und gleichzeitig in vielen Jahren einen unterdurchschnittlichen Anteil an 20- bis 39-Jährigen auf. «Demgegenüber haben die Regionen, welche hohe Geburtenüberschüsse verzeichneten über viele Jahre überdurchschnittlich tiefe Anteile an über 65-Jährigen beziehungsweise überdurchschnittlich hohe Anteile an 20-39-Jährigen.»

Neben der Altersstruktur könnten aber auch strukturunabhängige Faktoren die Geburtenhäufigkeit beeinflussen. «Dies können beispielsweise familienfreundliche Arbeitsplatz- oder Betreuungsangebote sein», so Haas.

Dass prozentual gesehen heute ein geringerer Anteil der Kantonsbevölkerung in der Stadt Luzern lebt als Ende der Achtziger, hat überdies mit einer Abwanderung der Stadtluzerner in gewissen Jahren zu tun. «Insgesamt war der Wanderungssaldo der Stadt Luzern für die Jahre 1987 bis 2017 zwar positiv. Besonders Mitte bis Ende der 1990er Jahre war der Saldo jedoch negativ», schreibt Haas. Im Jahr 2017 war der Saldo aus Hin- und Wegzug erstmals seit 1999 wieder negativ: Unter dem Strich wanderten 508 Personen aus der Stadt Luzern ab. (lur)

Sind die Zuzüger auch gut für die Steuereinnahmen?

Wenn eine Gemeinde zwar eine wachsende Bevölkerung aufweist, diese aber – wie zum Beispiel in Emmen – viele säumige Steuerzahler aufweist, hat sie aus finanzieller Sicht möglicherweise nicht viel von den Zuzügern. Wie sich die Situation diesbezüglich bei den 286 Personen präsentiert, um die Emmen im letzten Jahr zugenommen hat, lasse sich noch nicht sagen. «Ihre Steuererklärungen werden erst Ende Jahr eingereicht», sagt Gemeindepräsident Rolf Born (FDP) auf Anfrage.

In Horw (Zunahme um 220 Personen) dürften die neuen Einwohner finanziell attraktiv sein. «Da 2018 die eher hochpreisigen Überbauungen Felmispark und Stirnrüti neu bezogen wurden, handelt es sich bei den Neuzuzügern um tendenziell gute Steuerzahler», sagt Gemeindepräsident Ruedi Burkard (FDP) auf Anfrage. Das entspreche der Strategie der Gemeinde. Man strebe einen «qualitativ eher höheren Standard» an Wohnungen an. Dennoch hätten natürlich alle Bevölkerungsschichten in Horw Platz, so Burkard. «Dies jedoch in einem gesunden Verhältnis zueinander.» (lur)

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