Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Der Horwer «Brandlöscher» mit dem grossen Herzen geht bald in Pension

Romeo Zanini war vor zehn Jahren angetreten, die Wogen in der zerstrittenen Pfarrei Horw zu glätten. Zeit für eine Bilanz. Denn Ende Juli geht der 65-jährige Pastoralraumleiter in Pension – eigentlich.
Roman Hodel
Diakon und Pastoralraumleiter Romeo Zanini in der Pfarrkirche St. Katharina. (Bild: Pius Amrein, Horw, 28. Mai 2019)

Diakon und Pastoralraumleiter Romeo Zanini in der Pfarrkirche St. Katharina. (Bild: Pius Amrein, Horw, 28. Mai 2019)

Bei Romeo Zanini geschieht dieser Tage vieles zum letzten Mal. Fast täglich trifft sich der Horwer Pastoralraumleiter mit Leuten zu einer letzten Sitzung oder einem letzten Gespräch. Der Abschied naht. Ende Juli verlässt der 65-Jährige die Pfarrei Horw – und schwankt dabei zwischen Traurigkeit und Erleichterung. Er sagt: «Einerseits fühle ich mich der Pfarrei sehr verbunden, andererseits bin auch froh, denn die Arbeitsbelastung ist hoch.»

Zehn Jahre ist es her, als Zanini von Adligenswil nach Horw wechselte. Er trat ein schwieriges Erbe an. Sein Vorgänger musste gehen – zwischen ihm und einem Teil der Horwer Katholiken war es zum Streit gekommen. Zanini sagt dazu:

«Wenn ich ehrlich bin, wollte ich damals nicht hierher.»

Aber das Bistum habe ihn zu dieser Aufgabe motiviert. Denn er war nicht das erste Mal quasi als Brandlöscher im Einsatz bei Konflikten innerhalb einer Pfarrei. «Die ersten drei Horwer Jahre waren die schwierigsten in meiner 40-jährigen Seelsorger-Zeit», so Zanini. Viele Reibungen. Misstrauen. Die eine Hälfte für, die andere gegen ihn. Manchmal hätten «läppische Dinge» fast zum Eklat geführt. Er sagt:

«Bei der Kommunion etwa waren die Leute ‹der Leib Christi› gewohnt, ich sage ‹Brot des Lebens› – das war schon verkehrt, obwohl beides geht.»

In manchen Momenten habe er ans Aufgeben gedacht. «Zumal ich bis heute nicht weiss, was der Grund für den Konflikt war.» Doch Geduld, Gespräche und die Zeit heilen Wunden. Mittlerweile steht die Pfarrei wieder auf einem Fundament. «Aber man muss ihm Sorge tragen – meinem Nachfolger Benedikt Wey werde ich das eine oder andere mitteilen, was aus meiner Sicht wichtig ist.»

Sorge tragen, auch der Gemeinschaft. Das kann Zanini gut. Dafür steht sein offenes Pfarrhaus, wo er bis vor kurzem mit seiner Ehefrau – und früher mit den vier inzwischen erwachsenen Kindern – lebte. «Ja, man durfte jederzeit Klingeln – auch nachts.» Hilfesuchenden verteilte er Gutscheine etwa für die Notschlafstelle oder Pampers für die Kinder. Grosszügigkeit, die mitunter ausgenutzt wurde. «Wenn auch selten», wie er sagt. Das 24-Stunden-Pfarrhaus ist ein Beispiel dafür, wie Zanini tickt. Katholisch geprägt, natürlich. Aber: Aufgewachsen im gar nicht katholischen Basel. Darum vielleicht das Unkonventionelle, und auch Kritische. So beschäftigt ihn der jüngste Aufstand der Frauen in der Kirche oder die Austritte wegen sexueller Missbräuche – ein Thema, das«null Toleranz» vertrage. Wenn er im Dorf an Anlässen weile, zeigten sich Leute erstaunt über den «normalen» Pfarrer. «Dann denke ich – wir haben es weit gebracht», sagt er ironisch.

Der neue Arbeitsort ist noch geheim

Zwar bewege sich durchaus etwas in der Kirche – aber nicht genug. Stichwort Abschaffung des Zöllibats. «Nie hätte ich gedacht, dass wir 2019 immer noch darüber reden», so Zanini. Er spricht aus eigener Erfahrung. Seine Frau lernte er zwei Jahre vor der Priesterweihe kennen. Somit blieb ihm diese verwehrt. Immerhin wurde er vor 25 Jahren zum ständigen Diakon geweiht. Und: Weil die Personaldecke immer dünner wird, braucht die Kirche ihn weiterhin – trotz Pension. Nach einer Auszeit mit seiner Frau auf Sardinien wird Zanini deshalb am 1. November im Kanton Luzern eine neue Stelle antreten. Wo ist noch geheim. Nur soviel: 50 Prozent, ausschliesslich Seelsorge. Er sagt: «Darauf freue ich mich, denn als Pastoralraumleiter ist man zur Hälfte Manager.»

Hinweis: Der Abschiedsgottesdienst findet am Sonntag, 16. Juni, um 10.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Katharina in Horw statt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.