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Dem Wahlkampf im Kanton Luzern fehlt der Wind im Segel

Der Kampf um die zwei verbleibenden Sitze im fünfköpfigen Gremium könnte kaum spannender sein. Und auch kaum geräuschloser. Davon könnte überraschenderweise vor allem die Herausfordererin profitieren.
Christian Glaus
Paul Winiker, Korintha Bärtsch und Marcel Schwerzmann sowie die Moderatoren Jérôme Martinu (links) und Christian Meier (rechts) während der Podiumsdiskussion der Luzerner Zeitung an der Luga. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 4. Mai 2019)

Paul Winiker, Korintha Bärtsch und Marcel Schwerzmann sowie die Moderatoren Jérôme Martinu (links) und Christian Meier (rechts) während der Podiumsdiskussion der Luzerner Zeitung an der Luga. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 4. Mai 2019)

Stellen Sie sich vor, es herrscht Wahlkampf – und niemand spricht darüber. Etwa so präsentiert sich das Rennen um die zwei verbleibenden Sitze in der Luzerner Regierung. Zwar machen die beiden Bisherigen und die Herausfordererin auf allen Kanälen Werbung. Doch ansonsten treten Paul Winiker (SVP), Marcel Schwerzmann (parteilos) und Korintha Bärtsch (Grüne) kaum in Erscheinung. Ihr Wahlkampf ist zahnloser als dies oft bei Gemeinderatswahlen der Fall ist.

Eine inhaltliche Auseinandersetzung findet derzeit kaum statt. Wo bleibt er nur, der von Motivation und Überzeugung getriebene Dreikampf? Diese Frage stellen sich auch politinteressierte Luzerner, zumal die Ausgangslage mit dem überraschend guten Abschneiden von Korintha Bärtsch im ersten Wahlgang vom 31. März kaum spannender sein könnte. Sie erhielt mehr Stimmen als Finanzdirektor Schwerzmann.

Freilich, von einem passiven Wahlkampf wollen die Direktinvolvierten nichts wissen: «Ich hätte es gerne etwas ruhiger», sagt die neue Kandidatin Korintha Bärtsch mit einem Lachen. Sie sei sehr viel unterwegs, suche den Kontakt zur Bevölkerung. Fast täglich habe sie einen Termin, verteilt über den ganzen Kanton, treffe mal ein Dutzend, mal mehrere Dutzend Personen an einem Abend. Jeder Kontakt, jede geschüttelte Hand sei enorm wichtig. Jede Stimme vervielfache sich, sagt sie. Es gehöre zu ihrer Strategie, Wahlkampf über persönliche Gespräche zu führen. Dass dies kräfteraubend und weniger öffentlichkeitswirksam ist, nimmt sie in Kauf.

Bärtsch: Viele Kleinspenden erhalten

Hinzu kommt, dass sie über ein wohl kleineres Budget verfügt als ihre bürgerlichen Kontrahenten. Das ist aufgrund derer Kampagne naheliegend; Zahlen will Gewerbeverbands-Direktor Gaudenz Zemp, welcher die bürgerliche Kampagne leitet, allerdings nicht nennen. Transparenz schafft hingegen Bärtsch: «Gegenüber dem ersten Wahlgang konnten wir das Budget fast vervierfachen», freut sie sich. Sie verfügt nun über 75000 Franken. Sie habe über 400 Kleinspenden erhalten. Und die Zahl der Unterstützerinnen in ihrem Frauen-Komitee sei von 350 auf über 1100 gestiegen. «Der Schwung hat deutlich zugenommen», sagt Bärtsch und hofft, dass dieser bis zum 19. Mai anhält.

Während Bärtsch sich die Hände wund schüttelt, können Marcel Schwerzmann und insbesondere Paul Winiker den zweiten Wahlgang etwas gelassener angehen. Auch wenn bei Schwerzmann der Puls nach dem ersten Wahlgang etwas gestiegen sein dürfte, kann er sich doch auf einen wichtigen Bonus verlassen: jenen des Bisherigen. Finanzdirektor Schwerzmann bleibt seiner Linie treu, will die Wähler mit seiner Arbeit überzeugen. Dass der Kanton kurz vor dem ersten Wahlgang einen finanziell positiven Abschluss präsentieren konnte, spielt ihm in die Hände. Schwerzmann sagt auf Anfrage, er wolle «weiterhin einen guten Job leisten und sich unbeirrt vom Wahlkampf in allererster Linie seiner Arbeit widmen». Trotzdem sucht auch er den Draht zur Bevölkerung, etwa an der Luga, um «Menschen zu begegnen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, sei es mit den Besucherinnen und Besuchern, dem Handel, Gewerbe oder der Landwirtschaft».

Auch Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker nutzt die Luga, um Gespräche mit der Bevölkerung zu führen. Er habe nur einen eigentlichen Termin für eine Wahlkampfveranstaltung – am gestrigen Podium (siehe Box). «Weil meine Agenda übervoll ist mit Pflichtterminen, bleibt wenig Zeit für zusätzliche Aktionen.» Wie Schwerzmann will auch er sich über bisherige Leistungen vermarkten.

Abstimmungsthemen eignen sich nicht für Wahlkampf

Im Wahlkampf angreifen müsste vor allem Korintha Bärtsch. Politologe Mark Balsiger sieht zwei Gründe, weshalb es die grüne Politikerin nicht tut: «Es ist für die milizartig organisierten Luzerner Kantonalparteien eine Überforderung, von Anfang an einen Masterplan über den ersten Wahlgang hinaus zu erarbeiten.» Entsprechend fehlte die Zeit, um den alles entscheidenden Endspurt in Ruhe zu planen.

Andererseits habe sie offenbar kein neues Thema gefunden, das sie bearbeiten könne. Zwar finden am 19. Mai auch die Abstimmungen über die nationale Steuerreform und AHV-Finanzierung (Staf) sowie die Luzerner Aufgaben- und Finanzreform (AFR 18) statt. Beide Vorlagen werden von den Grünen bekämpft. Für Bärtsch seien dies aber keine idealen Wahlkampfthemen, weil sie von den bürgerlichen Parteien getragen werden und zur Sanierung der Kantonsfinanzen beitragen sollen. «Es ist besser für sie, diese Themen aussen vor zu lassen und stattdessen weiter auf der grünen Erfolgswelle zu reiten», sagt Balsiger. Es bestehe sonst die Gefahr, dass sie für Bürgerliche nicht mehr wählbar sei – und auf deren Stimmen ist sie angewiesen, wenn sie Regierungsrätin werden will.

Eine klare Position bezieht Korintha Bärtsch hingegen zum Strassenprojekt Spange Nord, welches sie klar ablehnt. Das Projekt ist in der Stadt Luzern über die Parteigrenzen hinweg umstritten. Mit einem klaren Positionsbezug verärgert die Grüne nur wenige. Geht sie also heiklen Themen bewusst aus dem Weg? «Ich lehne die Staf und die AFR 18 ab, das ist bekannt und ich stehe öffentlich dazu.» Die beiden Vorlagen eignen sich laut Bärtsch aber nicht als Wahlkampfthemen, weil sie sehr technisch und komplex seien.

So wird es wohl dabei bleiben: Der Wahlkampf findet im kleinen Rahmen statt, ohne Wirbel, ohne grosse Schlagzeilen – sofern sich nicht jemand noch einen Ausrutscher leistet.

So lief die Diskussionsrunde:

00:00 - Begrüssung
02:36 - Einzelinterview Marcel Schwerzmann
11:08 - Einzelinterview Paul Winiker
19:15 - Einzelinterview Korintha Bärtsch
29:03 - Themen Ökologisierung (Mehr als nur ein politischer Trend für den Kanton Luzern?) und Finanzen und Steuern (Zwischen Wahlkampfrhetorik und Realpolitik)
01:02:00 - Quiz Säulirennen

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