Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Interview

Die Berge sind nicht ihre Welt
– die Urner Alpen aber ihr Zuhause

Lydia (60) und Franz Studer (63) haben ihre Firma in Cham verkauft. Statt in Rente zu gehen, sind die Inwiler Gastgeber der Dammahütte.
Roger Rüegger
Lydia und Franz Studer, Wirtepaar der SAC-Dammahütte auf der Göschnerenalp.Bild: Eveline Beerkircher (19. September 2019)

Lydia und Franz Studer, Wirtepaar der SAC-Dammahütte auf der Göschnerenalp.
Bild: Eveline Beerkircher (19. September 2019)

Für das Interview sind wir gerne zu dieser hübschen Hütte auf 2439 Metern Höhe gewandert. Ist Ihr Wegbeschrieb von zwei Stunden nicht etwas gar sportlich veranschlagt?

Franz Studer: Die Strecke lege ich auch in kürzerer Zeit zurück. Einmal benötigte ich knapp eine Stunde nach unten. Das müssen Sie aber nicht versuchen.

Wir sind ja keine Bergler. Sie ausserhalb des Sommers auch nicht. Warum sind Sie dennoch so flink im Gebirge?

Franz: Lydia und ich nehmen an Laufwettbewerben teil und waren Gigathleten. Mein Sport war auch Triathlon und ich startete am Jungfrau- und New-York-Marathon. Wandern in den Bergen aber war nie meine Welt.

Lydia: 2012 waren wir beide am Transalpinrun von Oberstdorf nach Sexten: 320 Kilometer und 15000 Höhenmeter in acht Tagen. Nach der Saison geht’s an den Teneriffa-Marathon, aber nur die Halbdistanz.

Sie sagen, das Wandern in den Bergen sei nicht Ihre Welt. Das kann ich kaum glauben. Sie scheinen zufrieden zu sein. Was trieb Sie hier hoch?

Franz: Wir hatten eine Handelsfirma für Bürobedarf in Cham aufgebaut. Vor fünf Jahren regelte ich die Nachfolge. Es war nie die Idee, das Geschäft so früh abzugeben. Weil aber ein Mitbewerber Interesse an einer Zusammenarbeit zeigte und keine unserer drei Töchter einsteigen wollte, verkaufte ich die Firma.

Und waren mit 60 Privatier?

Franz: Noch nicht. Lydia meinte, ich sei zu jung, um aufzuhören. Deshalb verpflichtete ich mich für zwei weitere Jahre bis zum April 2016 im Betrieb.

Lydia: Man braucht doch eine Aufgabe im Leben, sonst geht man sich schnell auf die Nerven. Ich absolvierte den SAC-Hüttenwartkurs – und im Juni übernahmen wir die Dammahütte.

Ist ein Sommer zu zweit so weit ab vom Schuss nicht eine heikle Mission? Ich meine, man tritt sich hier doch ständig auf die Füsse?

Lydia: Es ist nicht immer entspannt, da wir keinen Ort haben, um uns zurückzuziehen. Aber keine Angst, wir sind seit 36 Jahren zusammen, wir können uns aushalten. Und wir sind selten allein. Es kommen immer Leute, fast bei jedem Wetter.

Findet Ihr Privatleben im Gebäude neben der wirklich kleinen Berghütte statt?

Franz: Nein, das ist der Materialraum. Wir leben und schlafen in der Dammahütte. Nicht bei den Gästen im Obergeschoss. In einem Raum neben der Küche.

Der ist doch kaum grösser als ein Badezimmer in einer Einzimmerwohnung?

Lydia: Darum steht dort ein Kajütenbett. Mehr Raum steht nicht zur Verfügung. In der Küche müssen wir jeden benutzten Teller sofort abwaschen, weil keine Arbeitsfläche vorhanden ist. Aber wir haben doch Platz für drei Tische für die Gäste.

Wo essen Sie?

Franz: Wenn wir nicht voll ausgelastet sind, hat es Platz bei den Gästen am Tisch, sonst auch mal im Stehen in der Küche.

Das Geniessen Ihres vorzeitigen Ruhestandes haben Sie sich wohl anders vorgestellt?

Franz: Ich geniesse das Leben als Hüttengehilfe. Es findet sich immer Arbeit. Diese Erfahrung ist ganz interessant. Im Bürobedarf war ich der Chef und Lydia war für die Buchhaltung verantwortlich. Hier aber entscheidet sie, ich bin nur der Angestellte.

Ein Arbeitskollege übernachtete im August bei Ihnen. Er war begeistert, obwohl die Hütte ohne Dusche spartanisch eingerichtet ist. Was macht es aus?

Lydia: Weil sie so klein ist, sitzen die Gäste quasi in unserer Stube. Wir haben Zeit zum Reden, das ist heimelig und persönlich. Ich glaube, das gefällt den Leuten.

Es gibt auch welche, denen man es nie recht machen kann. Hier nicht?

Lydia: Wir hatten letztes Jahr über 1000 Gäste und heuer werden es nahezu so viele. In vier Saisons waren vielleicht drei Personen hier, die wir nicht vermissen, wenn sie unten bleiben.

Was passte denen nicht?

Franz: Einer bestand auf ein Einzelzimmer. Ich sagte ihm, wenn er nicht darauf verzichten könne, müsse er eben wieder ins Tal und ein Hotelzimmer buchen.

Guter Vorschlag. Wie macht Ihr das mit dem Einkaufen?

Lydia: Franz geht alle drei Wochen in die Region Luzern zum Einkaufen. Ich war zweimal unten, einmal bei der Coiffeuse. Die kommt inzwischen zu uns hoch. Als Franz und ich kürzlich einer unserer Töchter entgegengingen, trafen wir unterwegs auf eine Wandergruppe. Ich fragte, ob sie die Seeumwanderung machen. Die wollten aber zur Dammahütte zum Mittagessen. Ich sagte: Gut, ich komme mit.

Wenn ich für drei Wochen einkaufen müsste, hätte ich gröbere Engpässe.

Franz: Man lernt schnell. Oft fragen uns Gäste telefonisch, ob sie etwas mitbringen sollen. Für grössere Posten bestellen wir den Helikopter. Unterstützung erhalten wir auch von unseren Töchtern, ihren Partnern, Familienangehörigen und Freunden.

Woher kennen Sie die Dammahütte?

Lydia: Die war ausgeschrieben.

Wenn Ihr den Zuschlag nicht bekommen hättet...?

Franz: Wir hatten einen Plan B. Vielleicht wären wir auf Reisen. Wir haben noch ein paar Ziele.

Was könnte Sie zurück ins Flachland holen?

Franz: Vorerst nichts. Wir beenden zwar am 30. September die Saison. Wenn jedoch die Voraussetzungen für uns stimmen, können wir uns noch ein paar Sommer hier oben vorstellen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.