Chauffeure dürfen keine Fahrgäste abweisen: Trotz Social Distancing ist das Postauto ins Eigenthal proppenvoll

Auch wenn der öffentliche Verkehr derzeit 80 Prozent weniger Fahrgäste verzeichnet, kommt es immer wieder zu vollen Bussen und Postautos.

Pascal Studer
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Postauto-Chauffeure dürfen Fahrgäste nicht abweisen.

Postauto-Chauffeure dürfen Fahrgäste nicht abweisen.

Archivbild

Die Regeln während der aktuellen Coronapandemie sind klar: Wer sich einem anderen Menschen auf weniger als zwei Meter nähert, missachtet die Vorschriften des Bundesrats und kann somit dazu beitragen, dass sich die Ansteckungen überdurchschnittlich häufen. So droht eine Überlastung des Gesundheitssystems. Entsprechend dürfte es dem Bundesrat nicht gefallen, was am Samstag ein Leser unserer Zeitung beobachtet hatte: Ein proppenvolles Postauto auf dem Weg ins Eigenthal.

Der öffentliche Verkehr sollte nur für den Arbeitsweg genutzt werden

Auch wenn die Postauto AG keine Auskunft über einzelne Verbindungen geben kann, ist man sich des Problems bewusst. Postauto-Mediensprecher Urs Bloch sagt auf Anfrage: «Wir haben bereits letzte Woche beobachtet, dass die Fahrgäste insbesondere an schönen Tagen unsere Verbindungen nutzen, um in die Natur zu gelangen.»

So sei es möglich, dass die Fahrzeuge zu voll seien und somit die Vorschriften des Bundes nicht mehr eingehalten werden könnten. «Wir schauen vor allem dort, wo die Menschen zur Arbeit müssen, ob wir unser Angebot wieder verstärken müssen – auch wenn wir derzeit insgesamt rund 80 Prozent weniger Fahrgäste haben und daher den Fahrplan grundsätzlich reduzieren», sagt Bloch. So würden sich die Fahrgäste mehr verteilen und die Verbreitung des Virus würde bestmöglich eingedämmt.

Postauto-Chauffeure sind keine Polizisten

Klar ist, dass Postauto-Chauffeure Personen die Mitfahrt nicht verweigern können. Bloch erklärt: «Wir haben eine Transportpflicht und dürfen keine Leute abweisen.» Die Fahrer hätten zudem nicht die Aufgabe der Polizei zu übernehmen.

Das grösste Anliegen der Postauto AG sei die Gesundheit der Fahrgäste und des Fahrpersonals. Aufgrund der inexistenten Rechtsmittel für das Abweisen von Personen bleibt Bloch jedoch nur, die Botschaft des Bundesrats zu wiederholen. Bloch appelliert: «Wer nicht für die Arbeit oder den Einkauf auf den öffentlichen Verkehr angewiesen ist, soll derzeit möglichst darauf verzichten.» Und er ergänzt:

«Wir fahren Ausflugsgäste sehr gerne wieder ohne Beschränkungen an ihre Destinationen, wenn die Coronapandemie überstanden ist.»