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Gesucht: Mindestens 500 Luzerner Freiwillige, die bei Herz-Kreislauf-Stillstand eingreifen

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute. Um die Überlebenschancen von Betroffenen zu verbessern, bauen das Luzerner Kantonsspital und das Gesundheitsdepartement ein «First Responder»-System mit ehrenamtlichen Helfern auf.
Evelyne Fischer
Die Herzdruckmassage ist eine wichtige Massnahme bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand. (Bild: Getty)

Die Herzdruckmassage ist eine wichtige Massnahme bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand. (Bild: Getty)

Diese Zahlen schrecken auf: Jedes Jahr sind im Kanton Luzern rund 400 Personen ausserhalb des Spitals von einem Herz-Kreislauf-Stillstand betroffen. Überlebenschance: fünf bis acht Prozent. Ist der Blut-Herz-Kreislauf unterbrochen, drohen innert Kürze Organ- und Hirnschädigungen – und letztlich der Tod. Es ist daher zentral, Betroffene innert drei bis fünf Minuten medizinisch zu versorgen. «Innerhalb dieser kritischen Frist können Rettungsdienste allerdings die wenigsten Patienten erreichen», sagt Kantonsarzt Roger Harstall. Denn von der Alarmierung bis zum Eintreffen der Ambulanz verstreichen im Schnitt zehn bis zwölf Minuten.

Dass hier Handlungsbedarf besteht, haben das Luzerner Kantonsspital (Luks) sowie das Gesundheits- und Sozialdepartement erkannt. Sie wollen ein «First Responder»-System aufbauen, wie sie am Freitag bekannt gegeben haben. Die Idee: Im Falle eines Herz-Kreislauf-Stillstandes bietet die Notrufzentrale 144 ehrenamtliche Ersthelfer auf, sogenannte «First Responder». Diese Laien kennen die wichtigsten lebensrettenden Massnahmen zur Wiederbelebung wie Herzdruckmassage, Beatmung und Defibrillation. Harstall sagt:

«Unsere Vision ist es, die Überlebenschance bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand auf 50 Prozent und mehr zu erhöhen. Aufgrund der Erfahrungen aus anderen Kantonen wissen wir: Diese Vision ist realistisch.»

Und so funktionierts: Erhält die Notrufzentrale einen Notruf mit dem Stichwort «Herz-Kreislauf-Stillstand», werden zeitgleich der Rettungsdienst sowie die für die entsprechende Gemeinde hinterlegten Ersthelfer alarmiert. Mittels der App Momentum, die bereits in Bern und im Tessin zum Einsatz kommt. Mit Erfolg, wie ein Blick in den Süden zeigt: Im Tessin erfolgten 2017 425 Alarmierungen. In 96 Prozent der Fälle war ein Ersthelfer vor Ort, wie in der Statistik ausgewiesen wird:

(Bild: PD/Kanton Luzern)

(Bild: PD/Kanton Luzern)

Ein Einsatz wird per Push-Meldung auf dem Smartphone wie folgt angezeigt:

Akzeptiert ein «First Responder» folgende Anfrage...

...wird sein Standort geortet. Gleichzeitig wird ihm angezeigt, wo sich der nächste Defibrillator befindet.

Esther Schmid, ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes des Luks, erklärt: «Ersthelfer, die dem Einsatzort am nächsten sind, erhalten einen Auftrag mit Einsatzdaten, um erste medizinische Versorgung zu leisten.»

Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) liegt das «First Responder»-System am Herzen. «Mit Blick auf die Verkehrsentwicklung wird die Disposition der Rettungsdienste immer anspruchsvoller.» In einer Mitteilung hält das GSD fest, «First Responder» würden «einen wertvollen und entscheidenden Beitrag zur Sicherstellung einer lückenlosen Rettungskette» leisten. Diese sieht wie folgt aus:

(Bild: PD/Kanton Luzern)

(Bild: PD/Kanton Luzern)

Ziel: 500 Ersthelfer bis im Sommer 2020

Die ersten «First Responder» sollen ab dem 1. Juli zur Verfügung stehen. Bis im Sommer 2020 soll Luzern über 500 Ersthelfer verfügen. Schmid sagt, das Ziel sei erreichbar. «Die Bereitschaft der Leute ist da. Bei der Rekrutierung werden auch Samaritervereine eine wichtige Rolle spielen.» Graf ergänzt: «Sich gegenseitig zu helfen, ist eine gesellschaftliche Verpflichtung. Ich erwarte von jedem Regierungsrat, dass er mitmacht.»

Am Projektstart beteiligt sich der Kanton mit rund 110'000 Franken. Diese decken unter anderem die Anschaffung und Wartung der Alarmierungssoftware. Die jährlichen Folgekosten belaufen sich auf rund 60'000 bis 70'000 Franken. «Wenn wir nur schon ein Leben retten können, hat sich diese Investition bereits gelohnt», sagt Graf. Man habe diskutiert, ob Ersthelfer für ihren Einsatz entschädigt werden sollen. «Doch wir hielten das nicht für das Richtige. Wichtiger erscheint uns, sie gut zu betreuen.»

Obwalden hat bereits 170 Ersthelfer

Luzern nimmt mit dem «First Responder»-System in der Zentralschweiz eine Pionierrolle ein. Uri und Obwalden kennen aber ähnliche Ersthelfer-Strukturen. In Obwalden koordiniert der Verein «Härz fir Obwaldä» die Aus- und Weiterbildung sowie die Ausrüstung der «First Responder». Rettungssanitäterin Sandra Schallberger (43) aus Lungern half mit, das System ab 2009 aufzubauen. «Mittlerweile verfügen wir für über 170 Laien, die sich engagieren», sagt Schallberger. «Als Ersthelfer eignen sich Menschen, die gewillt sind, Leben zu retten. Es darf niemand zu dieser Aufgabe verknurrt werden.»

Einer der 170 ist Rene Luchs (42). Der Mechaniker aus Kerns engagiert sich seit gut drei Jahren als Ersthelfer. «Weil es Sinn macht», sagt Luchs. «Das ist eine gute Sache.» Rund zehn Einsätze hat er bereits geleistet. Luchs sagt:

«Kommt das entsprechende SMS, steigt der Puls ordentlich in die Höhe. Vor allem, weil man nicht genau weiss, was einen erwartet.»

Besonders nahe gehe es ihm, wenn Kinder involviert seien. In diesen Situationen gelte es, kühlen Kopf zu bewahren. «Wer nicht eine gewisse Nervenstärke zeigt, ist als Ersthelfer wenig geeignet.» Jeder erfolgreiche Einsatz sei eine enorme Erleichterung. Man müsse aber auch damit umgehen können, dass manchmal jede Hilfe zu spät kommt, dass nicht jede Reanimation gelingt. «Gerade beim ersten Mal ist das happig», sagt Luchs. Ihm helfe es jeweils, im Nachgang darüber zu reden. Sandra Schallberger sagt dazu:

«In Obwalden erfolgt innerhalb von 48 Stunden eine Nachbesprechung.»

Dieses Netzwerk sei sehr wichtig. «Man ist nicht allein. Jeder First Responder sollte den Mut haben, die Hilfe auch in Anspruch zu nehmen.» In Obwalden kommt es zu rund 50 Einsätzen jährlich. «In Gebieten, in denen First-Responder-Gruppen bestehen, gelang es uns, die Überlebenschance bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand auf 50 Prozent zu steigern», sagt Schallberger. Sie weiss, wovon sie spricht. Ihr letzter Einsatz liegt zwei Wochen zurück – der Patient hat überlebt.

Hinweis: Die erste Informationsveranstaltung findet am Donnerstag, 23. Mai, 19 Uhr, im Luzerner Kantonsspital statt. Weitere Infos unter www.firstresponderluzern.ch.

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