Interview

Es ist Welt-Bienentag – doch bei Regen und Kälte fliegen sie nicht

Stefan Jans aus Wilen OW ist Regionalberater des Bienengesundheitsdiensts für die Zentralschweiz. Er betreut rund 25 Bienenvölker. Am Montag hatte Jans trotz Welt-Bienentag wenig zu feiern. Derzeit müssen er und seine Imkerkollegen zusehen, dass die Bienenvölker keinen Hunger leiden. 

Roger Rüegger
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Imker Stefan Jans mit einer Honigwabe. (Bild Manuela Jans-Koch, Wilen, 24. Januar 2019)

Imker Stefan Jans mit einer Honigwabe. (Bild Manuela Jans-Koch, Wilen, 24. Januar 2019)

Seit Wochen steckt der Frühling in der Krise. Kälte, Regen und Bise schlagen nicht nur den Menschen, sondern sicher auch den Bienen aufs Gemüt?

Stefan Jans: Man spürt, dass die Bienen nervös sind. Wir Imker sind es auch, was sich auf die Tiere überträgt. Die Bienen würden gerne fliegen, aber bei Regen und Kälte geht es nicht.

Wie wirkt sich das auf die Völker aus?

Die sind jetzt drei Wochen fast nicht geflogen. Nun fressen sie den Vorrat, den sie angelegt haben. Bei kleineren Völkern muss man jetzt schauen, dass sie nicht Hunger leiden.

Das bedeutet, dass diese gefüttert werden müssen?

Im Notfall ist das bei kleineren Völkern unumgänglich. Allerdings darf man kein Zuckerwasser geben, sondern nach dem Entfernen des Honigraums nur Futterteig, sonst darf man den Honig nicht verwenden.

Jetzt produzieren die Völker also keinen Honig?

Nein, da sie jetzt nicht fliegen. Ein Volk braucht derzeit täglich 200 bis 300 Gramm Honig. Bei mildem Frühlingswetter ist das in etwas die Menge an Pollen, Wasser und Nektar die herbeigeschafft werden.

Ist die Situation schlimm?

Bei Regen fliegen die Bienen zwar nicht, aber der war jetzt wichtig für die Natur. Wir hatten dafür überdurchschnittlich schöne Ostertage. Der Löwenzahn und die Kirschen blühten prächtig, sodass auch die Bienen fleissig Ware herbeischaffen konnten. Ein Volk brachte ein bis zwei Kilo Rohmaterial im Tag rein.

Wie sieht es mit dem Honigertrag aus in diesem Jahr?

Die Ernte des Frühlingshonigs ist nicht besonders, wie es mit dem Sommerhonig aussehen wird, ist unklar. Derzeit ist ohnehin nicht Hochsaison. Löwenzahn, Kirschblüte und der Raps sind vielerorts vorbei, aktuell blüht der Ahorn und später die Brombeeren und Himbeeren.

Sie züchten Königinnen. Wohl auch nicht optimale Bedingungen dafür?

Die Königinnenzucht ist schwierig. Wenn die Flugtage für die Begattung fehlen, klappt es nicht. Es kann auch sein, dass die Königinnen fliegen, aber aufgrund der Bise und des kalten Wetters nicht mehr zurückkommen. Imker und Bienen müssen sich immer wieder Herausforderungen stellen.

Mehr Unordnung im Garten und Park würde Bienen guttun

Zum Welt-Bienentag ein paar Tipps: Blumenwiese statt kurzgeschorener Rasen, Totholz und einheimische Hecken statt aufgeräumter Beete. Gartenbesitzer könnten viel für Bienen tun, wenn sie ein bisschen weniger ordentlich wären.