Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Mehr Frauenrechte in der Kirche – Theologin Jacqueline Straub: «Ich bin zur Priesterin berufen»

Unter dem Motto «Gleichberechtigung. Punkt. Amen.» kämpfen feministische Theologinnen für mehr Frauenrechte in der Kirche. Jacqueline Straub vertritt hier eine ganz klare Haltung.
Benno Bühlmann
Kämpft für das Priesteramt für Frauen: die katholische Theologin Jacqueline Straub. (Bild: Meli Wetzel Photodesign)

Kämpft für das Priesteramt für Frauen: die katholische Theologin Jacqueline Straub. (Bild: Meli Wetzel Photodesign)

Jacqueline Straub, Sie kämpfen schon seit Jahren für die Gleichberechtigung in der Kirche. Was machen Sie konkret am Frauenstreiktag?

Ich weile leider nicht in der Schweiz, weil ich schon vor längerer Zeit einen Termin für Vorträge bei einem Klosterfest in Deutschland zugesagt hatte, den ich nicht mehr verschieben konnte. Trotzdem unterstütze ich natürlich die Idee des Frauenstreiktages und begrüsse es, wenn Frauen bei ­dieser Gelegenheit lautstark ihre Stimme für mehr Gleichberechtigung in der Kirche erheben.

Könnten Sie sich grundsätzlich vorstellen, mit pinken Stiefeln und einer pinken Mitra auf die Strasse zu gehen?

Ich teile die Anliegen jener Frauen, die pinke Stiefel und eine pinke Mitra tragen werden, und werde daher am Freitag als ­Zeichen meiner Solidarität ein pinkes Oberteil anziehen, auch wenn ich dann einen Vortrag in Deutschland halte. Denn die ­Initiative des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes finde ich toll und unterstütze diese Idee voll und ganz. Allerdings bin ich nicht diejenige, die sich eine ­pinke Mitra basteln würde.

Vor zwei Jahren haben Sie in einem Buch dargelegt, dass Sie von Ihrem Herzenswunsch «Endlich Priesterin sein!» auch in Zukunft nicht abrücken werden. Halten Sie es für realistisch, dass dies noch zu Ihren Lebzeiten in Erfüllung gehen könnte?

Ich weiss im Innersten meines Herzens, dass ich zur Priesterin berufen bin. Im Alter von 15 Jahren habe ich diese Berufung zum ersten Mal gespürt und empfinde es deshalb bis auf den heutigen Tag als grosse Ungerechtigkeit, dass ich diese Berufung nicht innerhalb der katholischen Kirche leben kann, nur weil ich eine Frau bin. Ich bleibe aber trotzdem optimistisch und lebe weiterhin in der Hoffnung, dass dieser Wunsch noch in Erfüllung gehen wird. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass Veränderungen manchmal erstaunlich schnell geschehen können, wenn wir mit der notwendigen Hartnäckigkeit dranbleiben.

Konservative Kreise in der katholischen Kirche argumentieren, dass Jesus damals nur Männer zu Aposteln berufen habe. Wie reagieren Sie auf diese Argumentation?

Es stimmt, dass Jesus nur Männer als seine Nachfolger berufen hat. Nach biblischer Überlieferung waren es genau genommen zwölf jüdische Männer. Erstaunlich ist dabei die Tatsache, dass die Kirche heute zwei von drei Kriterien ausklammert: Dass seine Nachfolger Männer sind, scheint eine Rolle zu spielen, während die Zahl Zwölf und die Zugehörigkeit zum Judentum offenbar nicht mehr relevant sind. Die Erwählung der zwölf Apostel ist in erster Linie als Zeichen für das Volk Israel zu verstehen, die symbolisch die zwölf Stämme Israels abbilden sollten.

Der Basler Bischof Felix Gmür, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, hat erst kürzlich die Option eines Frauendiakonates erwähnt: Das Frauendiakonat sei in Rom gewissermassen in der Pipeline. Glauben Sie das?

Bischof Felix Gmür wird es wohl besser wissen, da er ja nähere Connections zu den Verantwortlichen im Vatikan hat als ich. Entscheidend ist aber die Frage, ob es sich dabei um ein sakramentales Diakonat handelt oder bloss um eine Beauftragung.

Es gibt etliche feministische Theologinnen, die es heute gar nicht mehr als erstrebenswert betrachten, sich den Zugang zu einem über Jahrhunderte hinweg von Männern dominierten Priesteramt zu erkämpfen. Was sagen Sie dazu?

In der Politik und in der Wirtschaft haben wir letztlich die gleiche Situation. Da wurden die Leitungsfunktionen ebenfalls über lange Zeit von Männern geprägt. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass in der Kirche vor Ort sehr viel Weibliches einfliessen könnte, wenn auch Frauen zum Priesteramt zugelassen würden.

Und wie beurteilen Sie das Zölibat als Zulassungs­bedingung zum Priesteramt? Sie selber sind inzwischen ja auch verheiratet.

Ich bin überzeugt davon, dass das Zölibat ohnehin freigestellt wird, noch bevor es Priesterinnen geben wird. Theologisch spricht nichts gegen die Aufhebung des Pflichtzölibates. Es ist denkbar, dass die katholische Kirche schon bald dem orthodoxen Modell ­folgen wird, wonach Priester vor der Weihe heiraten dürfen.

Aufstehen, weiterkämpfen

Die in Muri/Freiamt wohnende Jacqueline Straub (28) ist eine vielbeschäftigte Theologin, die sich schon seit Jahren gewohnt ist, stets auf «mehreren Hochzeiten» zu tanzen. So ist es keineswegs untypisch für sie, dass für sie kurz nach dem Interviewtermin auch noch ein Training im Boxklub in ­Uster bei Zürich ansteht – nur zwei Dörfer von ihrem derzeitigen Arbeitsort entfernt, der Redaktion der christlichen TV-Produktionsfirma «Fenster zum Sonntag». Das Boxen sei für sie mehr als bloss ­ ein sportlicher Ausgleich, betont Jacqueline Straub: «Neben meinem kirchlichen Engagement ist Boxen definitiv meine grosse Leidenschaft – und das hat auch mit einer gewissen Haltung zu tun.»

Nur wer regelmässig trainiere, könne im Ring bestehen, erklärt die junge Theologin und zieht Parallelen zu ihren Erfahrungen im kirchlichen Umfeld: «Als Frau brauche ich im Kampf für die Gleichberechtigung in der Kirche einen langen Atem und den Willen, nach einer Niederlage immer wieder aufzustehen und weiterzukämpfen.» Ausdruck dieses Kampfes sind auch die vielfältigen kirchlichen Aktivitäten, die anlässlich des nationalen Frauenstreiktages vom 14. Juni geplant sind. (bbü)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.