Kolumne

Trautes Heim, Glück allein

Valentina Thurnherr
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Valentina Thurnherr

Valentina Thurnherr

Illustration:Thomas Werner

Vor ein paar Wochen habe ich auf Instagram ein Foto gepostet und darunter geschrieben: «Wenn man herausfindet, dass sich der Lebensstil, den man bis jetzt gelebt hat, ‹Quarantäne› nennt.» Brüller. Am Anfang zumindest. Nach der 20. Nachricht à la «Haha, ja genau so bist du», fängt man irgendwann an, sein Leben zu hinterfragen.

Dass mein vorheriger Lebensstil mit der Quarantäne nicht ganz kongruent ist, habe dann auch ich nach zwei Wochen einsehen müssen. Das «Leer-in-die-Gegend-Starren» zum Beispiel habe ich mittlerweile perfektioniert. Was nicht daran liegt, dass es nichts Neues mehr auszuprobieren gibt, sondern einfach daran, dass die Motivation einen verlassen hat. Irgendwann ist auch der Reiz des Bananenbrot-Backens verflogen und man fängt an sich zu fragen, wie der Alltag denn vorher funktioniert hat. Wenn der Arbeitsweg nicht mehr 40 Minuten, sondern nur noch 40 Sekunden dauert, verändert das viel. Die ersten Tage habe ich meist um 9 Uhr vor dem Computer gesessen und die ersten 40 Minuten gar nichts mit mir anzufangen gewusst.

Auch die Kaffeepausen haben ihren Reiz verloren. Die paar Schritte in die Küche sind einfach nicht das Gleiche, und die Selbstgespräche werden mit der Zeit auch langweilig, denn bei den Themen dreht man sich irgendwann im Kreis.

Während ich früher davon geträumt habe, einfach mal eine Zeit lang zu Hause zu bleiben, träume ich mittlerweile davon, endlich wieder rauszudürfen. Der Mensch scheint wohl einfach zu wollen, was er nicht haben kann. So wie ich mich kenne, werde ich vermutlich an dem Tag, an dem die Massnahmen aufgehoben werden, mal kurz frische Luft schnappen und mich dann die nächsten Wochen wieder in meiner Höhle verkriechen. Dann aber wenigstens, weil ich es selbst so entschieden habe.