Ein Paradies für tierische Besucher - Ideen für einen naturnahen Garten

Naturnahe Gärten bieten Lebensräume für Mensch, Fauna und Flora. Patrick Reck aus Rebstein hat sich auf die Gestaltung der grünen Oasen vor der Haustüre spezialisiert. Viele Ideen sind auch ohne grünen Daumen einfach umsetzbar.

Desirée Müller
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Alte Bäume mit Astlöchern im Garten sind sehr beliebt bei Eichhörnchen.

Alte Bäume mit Astlöchern im Garten sind sehr beliebt bei Eichhörnchen.

(Bild: Pixabay)

«Die Siedlungsräume bieten ein grosses Potenzial. Jeder Garten, ob klein oder gross, kann zu einem Zuhause für Tiere werden», sagt Patrick Reck. Wer sich für naturnahe Gärten interessiert, sollte sich ein Grundwissen über einheimische Pflanzen aneignen. Denn nicht jede Hecke oder jeder Strauch eignen sich als Zuhause oder Nahrungsquelle für Insekten, Amphibien und kleine Säugetiere. Auch der Standort muss für jede Pflanze gut gewählt sein.

Neues ausprobieren

«Manchmal braucht es etwas Mut, um im Quartier aus der Reihe zu tanzen. Aber es lohnt sich», ist der Gartenexperte überzeugt. In der Schweiz herrsche vielerorts ein «Sauberkeitsfimmel» in den Gärten. Eine ordentliche Struktur ist Gang und Gäbe. Ein naturnaher Garten könne aber durchaus auch ästhetisch und strukturiert sein. «Viele stellen sich eine wildbewachsene Fläche vor.» Vor allem mit Kindern macht es laut Patrick Reck viel Spass, Rottehaufen, Wildsträucher oder sogar ein Feuchtbiotop anzulegen. Schon oft konnte Reck Projekte mit Kindern umsetzen. An eines denkt er besonders gerne zurück: «2019 durften wir mit der Scuola Vivante in Buchs einen grossartigen Garten realisieren. Kindern die Lebensräume unserer Tiere näherzubringen und ihnen die Zusammenhänge zu zeigen, ist sehr wichtig», sagt Reck. Bei der Gestaltung der Gärten sei Fantasie gefragt. «Auch Beharrlichkeit zahlt sich aus. Als Erstes ist Beobachten angesagt. Nur so kann man überhaupt sehen, welche Tiere in der Umgebung heimisch sind.»

Ein Zuhause für Vögel

Alleine von den Früchten der Eberesche und des schwarzen Holunders ernähren sich mehr als sechzig Vogelarten. Mit Nistkästen kann man den Vögeln helfen, die zum Brüten auf Höhlen angewiesen sind. Die Einfluglöcher sollten gegen Osten oder Südosten gerichtet sein und die Kästen dürfen nie an der prallen Sonne stehen. Nistkästen werden nur dann genutzt, wenn den Tieren die richtige Nahrung und der passende Lebensraum zur Verfügung stehen. Um die brütenden Vögel zu schützen, müssen die Kästen dazu katzensicher angebracht werden. «Die Vögel sind dankbar, wenn die Nistkästen im Herbst oder Winter gereinigt werden.» Unter www.vogelwarte.ch findet man eine Liste von einheimischen Pflanzen, die Vögeln wertvolle Nahrung bieten.

Lernen, wie es geht

Patrick Reck bietet regelmässig Kurse zum Thema naturnahe Gärten an. Auf der Website www.umweltnetz-schweiz.ch und vielen weiteren können dazu Ideen für den eigenen Naturgarten gesammelt werden – für Hobbygärtner wie auch für «Neulinge».

Insektenhotel In der Schweiz leben über 500 Insektenarten. Die meisten leben als Einzelgänger – so wie die Wildbiene. Diese sind keine verwilderten Honigbienen, sondern kleine wild lebende Bienen. Sie helfen massgeblich bei der Bestäubung von Pflanzen und Bäumen und spielen demnach eine unersetzliche Rolle in der Natur. Viele der Wildbienen sind gefährdet durch gedüngte Wiesen und zu aufgeräumten Gärten, wo sie zu wenig Nahrung finden. Mit einem Bienenhotel sowie einheimischen Blumen kann man helfen, den friedlichen Mitbewohnern im Garten ein Zuhause zu geben. Dieses sollte an einer sonnigen von Wind und Regen geschützten Stelle platziert werden.
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Verstecke  Reptilien, Amphibien und kleine Säugetiere freuen sich über Nistplätze im Garten. Zauneidechsen sind dankbar für einen kleinen Hügel aus sandigem Humus, umgeben von grösseren Natursteinen. Dort können sie wunderbar ihre Eier ablegen. Blindschleichen bevorzugen für ihre Jungenaufzucht Komposthaufen. Igeln kann man mit liegengelassenen Laub- und Reisighaufen ein Zuhause schenken. Auch Amphibien finden unter altem Laub sowie unter von Pflanzen überwachsenen Steinen Schutz.
BestimmungEs gibt diverse Apps, mit denen sich Pflanzen bestimmen lassen. Ist man sich demnach nicht sicher, was so alles im Garten wächst, kann man einfach ein Foto von der Pflanze machen und erfährt dann vieles darüber. Die App PlantNet ist zum Beispiel sehr einfach in der Bedienung und ist kostenlos.
Farbenfrohe Besucher Schmetterlinge sind gern gesehene Gäste im Garten. Gewusst wie, lassen sich die bunten Gaukler leicht anlocken. Schmetterlinge besuchen einen Garten nur dann, wenn der Tisch reich gedeckt ist. Einheimische Pflanzen wie Wilde Möhre, Kartäuser-Nelke oder Flockenblumen verwandeln jeden Garten in ein Paradies für Schmetterlinge. Nicht gern gesehen sind dagegen Thujahecken, Kirchlorbeeren oder exotische Zierpflanzen. Diese können manchmal sogar giftig sein. Der anmutende Schwalbenschwanz, der Admiral oder der Zitronenfalter sind nur drei von 3700 Schmetterlingsarten in der Schweiz. Die meisten davon bekommen wir selten oder nie zu Gesicht. Denn 3436 Arten gehören zu den eher unauffälligen Nachtfaltern. Sogar die Kleidermotte gehört zu den Schmetterlingen.

Insektenhotel
In der Schweiz leben über 500 Insektenarten. Die meisten leben als Einzelgänger – so wie die Wildbiene. Diese sind keine verwilderten Honigbienen, sondern kleine wild lebende Bienen. Sie helfen massgeblich bei der Bestäubung von Pflanzen und Bäumen und spielen demnach eine unersetzliche Rolle in der Natur. Viele der Wildbienen sind gefährdet durch gedüngte Wiesen und zu aufgeräumten Gärten, wo sie zu wenig Nahrung finden. Mit einem Bienenhotel sowie einheimischen Blumen kann man helfen, den friedlichen Mitbewohnern im Garten ein Zuhause zu geben. Dieses sollte an einer sonnigen von Wind und Regen geschützten Stelle platziert werden.

(Bild: Pixabay)

In Amriswil sollen einheimische Pflanzen blühen

Vor einem Jahr wandte sich die Grüne Partei Amriswil an den Stadtrat mit dem Wunsch, ein Konzept zur Förderung der Biodiversität zu erarbeiten. Auf öffentlichen Flächen seien wo möglich entsprechende Massnahmen zu treffen.

Insekten fehlt es an wichtigen Futterpflanzen

Forscher schlagen Alarm: Es gibt immer weniger Futterpflanzen für Insekten. In den vergangenen 100 Jahren hat die Diversität dramatisch abgenommen, wie eine Untersuchung im Kanton Zürich zeigt. Bienen, Fliegen und Schmetterlingen fehlt zunehmend die Nahrungsgrundlage.