Ein kleines gallisches Dorf trauert:
Albert Uderzo stirbt mit 92 Jahren

Der Asterix-Schöpfer erlitt Ende März einen Herzinfarkt. Zusammen mit René Goscinny hinterlässt er eine bunte Comic-Welt, die seit mehr als 60 Jahren Gross und Klein verzaubert.

Valentina Thurnherr
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Seine Farben beschriftete Albert Uderzo jeweils, damit er sie nicht verwechselte.

Seine Farben beschriftete Albert Uderzo jeweils, damit er sie nicht verwechselte.

Sven Simon / www.imago-images.de

Albert Uderzo lebte in einem Landhaus, nicht weit von Paris entfernt. Wegen des Strohdachs erinnerte sein Zuhause sogar etwas an den typisch gallischen Stil. Auf seinem Anwesen befanden sich jedoch auch ein originalgetreues gallisches Haus und etliche Hinkelsteine. Seine tiefe Zuneigung zu seinem bekanntesten Comic war also nicht zu übersehen.

Uderzo, der Sohn italienischer Einwanderer, erhielt 1934 die französische Staatsbürgerschaft. «Bis zu meinem siebten Lebensjahr dachte ich, meine Vorfahren seien die Römer», sagte der Comiczeichner einst in einer Dokumentation des ZDF. Erst nach seiner Einbürgerung, als er die Grundschule besuchte, wurde ihm von seiner Lehrerin klargemacht, dass er nunmehr gallische Vorfahren habe. «Das hat mir nicht viel ausgemacht, denn zwischen Gallier und Römer gab es für mich keinen grossen Unterschied.» Ein schelmisches Schmunzeln zierte Uderzos Gesicht, als er das sagte.

Das Traumduo der Comic-Welt

1951 lernt er René Goscinny kennen, mit dem er Comic-Geschichte schreiben würde. Bereits bei ihrem ersten Treffen springt der Funke über und die beiden verband bis zu Goscinnys frühem Tod im Jahr 1977 eine tiefe Freundschaft.

1959 erschufen die beiden ihre wohl berühmteste Figur: Asterix den Gallier. Dessen bester Freund Obelix war ursprünglich nicht als Begleiter vorgesehen. Aber Uderzo setzte in dieser Sache, nach eigener Aussage, seinen Dickkopf durch. Nachdem einige Fortsetzungsgeschichten im Magazin «Pilote» erschienen waren, folgte 1961 der erste offizielle Asterix-Band. Die Auflage lag damals noch bei 10000. Doch bereits 1967 überschritt die Auflage die Millionengrenze. Die Geschichten wurden mittlerweile in 107 Sprachen übersetzt und weltweit wurden bereits über 350 Millionen Exemplare gedruckt. 1967 erschien auch der erste Zeichentrickfilm, damals allerdings noch ohne die Einwilligung von Uderzo und Goscinny.

Ein tüchtiger Zeichner

Im Gegensatz zu vielen anderen Comic-Künstler zeichnete Uderzo in einem ersten Arbeitsschritt alles selbst – die Figuren, die Landschaften sogar die Architektur. Eine Arbeit die Monate dauerte. Diese erste Vorlage wurde dann schliesslich im Studio von anderen Zeichnern in die definitive Fassung umgesetzt. Eine sehr aufwendige Arbeit ist dabei das Kolorieren. Uderzo, der farbenblind war, konnte dies nicht selber vornehmen. «Am Anfang dachte ich, Obelix habe grüne Haare», sagte der Künstler einst lachend. Vor allem die Farben Rot und Grün habe er jeweils verwechselt.

Nachdem Asterix-Autor Goscinny starb, wollte Uderzo auch zunächst Asterix zu Grabe tragen. Etliche Zeitungen titelten denn auch mit der Schlagzeile: «Goscinny ist tot – Asterix ist tot». Doch Uderzo kam ins Wanken. «Niemand fragte mich nach meiner Meinung», sagte er rückblickend und überzeugt, dass er gleichwohl in dieser Geschichte eine wichtige Rolle gespielt habe. «Durch diese Mischung aus Stolz und Trotz erhielt ich dann auch Anerkennung.»

Bis 2009 arbeitete Albert Uderzo schliesslich alleine und erfolgreich an neuen Asterix-Abenteuern.


Eine kunterbunte Welt

Comic

Umpah-Pah

Umpah-Pah

Die erste Figur, die sich Albert Uderzo und René Goscinny 1951 zusammen ausdachten, war der Indianer Umpah-Pah. Laut Uderzo wollte niemand in Frankreich oder Belgien diesen Comic herausbringen. Goscinny habe schliesslich versucht, die Entwürfe in den USA zu verkaufen. Dort nahm sie jedoch niemand ernst. Erst 1961 erschien eine überarbeitete Version im belgischen Comic-Magazin «Tintin».

Comic

Mick Tanguy

Mick Tanguy

Dass Uderzo auch anders konnte, als nur lustige Comics zu zeichnen, bewies er 1959 in Zusammenarbeit mit dem Belgier Jean-Michel Charlier. «Tanguy und Laverdure» erzählt die Geschichte von zwei Piloten der französischen Luftwaffe, die allerlei Abenteuer nicht nur in der Heimat, sondern auch an exotischen Schauplätzen erleben. Der Zeichenstil ist hier, für Uderzo eher ungewohnt, sehr realistisch gehalten.

Comic

Pitt Pistol

Pitt Pistol

1952 erblickte der junge Freibeuter Pitt Pistol das Licht der Welt. Dies war die zweite Zusammenarbeit von Uderzo und Goscinny. Der Comic wurde bis 1956 in «La Libre Junior», der Jugendbeilage der Zeitung La Libre Belgique, veröffentlicht. Von 1960 bis 1961 erschienen zwei der Geschichten auf deutsch im Comic-Magazin «Fix und Foxi».

Buch

Das Skizzenbuch

Das Skizzenbuch

Uderzo zeichnete die Comics in einer ersten Fassung jeweils alleine und mit Bleistift. Diese Skizzen wurden später von seinen Mitarbeitern mit Tusche und Aquarell übermalt. Die Bleistiftzeichnungen verschwanden so natürlich, bis ein Mitarbeiter die Idee hatte diese in einem Buch zu verewigen. So erschien schliesslich Asterix und Latraviata – Das Skizzenbuch.

Vergnügungspark

Ein grosser Traum geht in Erfüllung

Ein grosser Traum geht in Erfüllung

1981 hatte Uderzo die Idee zu einem Asterix Vergnügungspark – acht Jahre später wird aus diesem Traum eine Realität. In dem 33 Hektaren grossen Park, der nur 35 Kilometer nördlich von Paris liegt, kann man bis heute die beliebten Figuren aus den Asterix-Bänden antreffen.