Zypern hofft auf «Plan B»

Nachdem eine Zwangsabgabe auf Spareinlagen in Zypern durchs Band abgelehnt wird, soll ein spezieller Fonds die angeschlagenen Banken rekapitalisieren.

Ferry Batzoglou
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NIKOSIA. Der Zypern-Thriller ist um eine Episode reicher. Eine Sitzung der sechs in Zyperns Parlament vertretenen Parteien kam unter Vorsitz von Staatspräsident Nikos Anastasiadis zum Ergebnis, dass die Republik Zypern umgehend einen Investitions- und Solidaritätsfonds einrichtet. Wie gestern aus Regierungskreisen in Nikosia zu erfahren war, sei es das Ziel, mit dem Fonds die für die Rekapitalisierung des angeschlagenen Bankensektors erforderlichen 5,8 Mrd. € zu generieren.

Immobilien, Gold und Gas

Demnach sollen als Aktiva alle zypriotischen Staatsimmobilien, Zyperns Goldreserven, die dem Vernehmen nach einen Wert von 700 Mio. € aufweisen, sowie die künftigen Staatseinnahmen aus den Gas- und Ölvorkommen vor Zyperns Küste in den Investitions- und Solidaritätsfonds fliessen. Der betreffende Gesetzentwurf soll Zyperns Parlament zur Abstimmung vorgelegt werden.

Ursprünglich sollten die zur Bankenrettung vorgesehenen Gelder laut Beschluss der Eurogruppe vom Samstag per Zwangsabgabe auf die Spareinlagen bei Zyperns Geldinstituten kassiert werden. Die Option eines «Haarschnitts» auf Spar- und Termineinlagen ist in den Augen Nikosias indessen endgültig vom Tisch. Der Grund: Zypern lehnt eine Zwangsabgabe im Grundsatz ab.

Die Beobachter sind sich einig: Mit seiner jüngsten Entscheidung brüskiert Zypern seine Partner in Brüssel. Nikosia ignorierte gestern jedenfalls auch ein zuvor gestelltes Ultimatum der Europäischen Zentralbank (EZB), wonach Zyperns Bankensektor nur noch bis Montag mit Liquidität versorgt werden soll, falls Zypern nicht den Eurogruppen-Beschluss vom vorigen Samstag umgehend umsetzt. Nikosia versteht das EZB-Ultimatum als erneuten Erpressungsversuch, um die Zwangsabgabe auf die Spar- und Termineinlagen in Zypern trotz des jüngsten Neins des Parlaments doch durchzusetzen.

«Dabei bleibt es»

«Wir reden nicht über eine Zwangsabgabe. Wir können auch nicht auf einen <Haarschnitt> bei den Spareinlagen zurückkommen. Das Volk hat seine Antwort gegeben, was das Parlament am Dienstag mit seinem Nein zum Ausdruck gebracht hat. Dabei bleibt es», sagte Parlamentspräsident Jannakis Omirou.

Unterdessen treten immer krasser die Auswirkungen der Krise zu Tage. Mittlerweile ist es in ganz Zypern nicht möglich, per Kreditkarte zu bezahlen. Ob in Hotels, Tankstellen oder in Geschäften: Akzeptiert wird nur noch Bares.

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