Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Zwischen Markt und Moral

Der Kampf gegen die Krankheit ist zum Erfolg geworden, weil ihn die Industrie und die öffentliche Hand gemeinsam geführt haben. Jetzt droht das Ziel wieder in die Ferne zu rücken.
Daniel Zulauf
Eine Stechmücke der Gattung Anopheles, von der einige Arten Malaria übertragen können. (Bild: Getty)

Eine Stechmücke der Gattung Anopheles, von der einige Arten Malaria übertragen können. (Bild: Getty)

Daniel Zulauf

«Der Kampf gegen Malaria ist eine Erfolgsgeschichte.» Im Ur­teil von Margaret Chan, Generaldirektion der Weltgesundheitsorganistion WHO in Genf, ist er seit Beginn des Jahrhunderts für das öffentliche Gesundheitswesen beispiellos. Objektiv lässt sich feststellen, dass die von kleinen Moskitos übertragene heimtückische Infektionskrankheit seit der Jahrtausendwende stark zurückgedrängt werden konnte. Jährlich sterben noch 400000 Menschen, vorwiegend kleine Kinder, an den Folgen einer Ansteckung. Doch das sind 60 Prozent weniger als zur Jahrtausendwende. Parallel zum Rückgang der Sterberate hat auch Zahl der neuen Fälle stark abgenommen. Laut WHO-Schätzungen beläuft sie sich aber immer noch auf rund 200 Millionen Fälle pro Jahr.

Das sind selbstredend zu viele. In den tropischen Gebieten Afrikas, wo Malaria am stärksten verbreitet ist, bringt die Krankheit unermessliches Leid über die Menschen und hält sie in einem Teufelskreis aus gesundheitlicher Not und Armut gefangen.

Microsoft-Gründer Bill Gates an vorderster Front

Dem Kampf dagegen hat sich vor bald 20 Jahren auch die Bill & Melinda Gates Foundation verschrieben. Und die Stiftung des Microsoft-Gründers und seiner Ehefrau erklärt in einem gestern erschienenen Erfahrungsbericht den Grund ihres Einsatzes: «Armut und Krankheit in armen Ländern sind die stärksten Beispiele, die wir für lösbare menschliche Not kennen. Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass diese Not lösbar ist. Es steht in unserer Macht zu entscheiden, wie viel davon wirklich gelöst wird. Wir müssen ehrgeizig sein. Wir müssen voranschreiten.»

Das Paar mit seinem Multimilliardenvermögen unterstützt auch die Erforschung neuer Medikamente gegen Malaria. Ein Teil der Mittel fliesst über die Partnerschaftsorganisation Medicines for Malaria Venture (MMV) an Novartis. Die Forscher des Pharmakonzerns arbeiten mit Hochdruck an einem neuen Malaria-Medikament, das auch die gegen herkömmliche Arzneien zunehmend resistenten Parasiten beseitigen kann. Erste klinische Versuche sind angelaufen. Aber die Entwicklung dürfte, bei offenem Ergebnis, noch mindestens drei Jahre beanspruchen, schätzt Christian Lengeler vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut in Basel. «Es ist ein Rennen gegen die Uhr, zumal die Verbreitung von Malaria auch so langsam wieder zuzunehmen scheint.» Der extrem wandlungsfähige Erreger hat sich in den vergangenen Jahren immer besser auf Insektizide eingestellt. Fortschritte in der Entwicklung eines neuen Medikaments sind deshalb zeitkritisch. Umso mehr, als Versuche mit einem neuen Impfstoff bisher nur enttäuschende Resultate zeitigten.

Humanitär wichtig, kommerziell uninteressant

Novartis hat im Kampf gegen Malaria schon lange die Nase vorn. Das seit 2001 angebotene Kombinationspräparat Coartem gilt bis heute als wirksamste Waffe gegen die Infektion. 800 Millionen Tabletten wurden bereits an Kranke abgegeben. Kein anderes Novartis-Medikament kommt punkto Volumen an die Malaria-Pille heran. Diese wird in Ländern, wo die Epidemie grassiert, zum Selbstkostenpreis abgegeben. 70 Rappen beträgt der Preis für die Behandlung eines Erwachsenen mit 24 Tabletten. In der Schweiz kostet es 50 Franken.

Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen Industrie und öffentlicher Hand, wie sie 1999 erfunden werden musste, damit die humanitären Projekte im Gesundheitswesen nicht am Shareholder-Value-Denken der Pharmaindustrie zugrunde gehen. MMV ist das Resultat einer solchen Kooperation. Fast 1 Milliarde Dollar hat die aus 400 Partnern aus 50 Ländern bestehende Organisation seit ihrer Gründung gesammelt, um die Entwicklung humanitär wichtiger, kommerziell aber uninteressanter Forschungsprojekte zu sichern. Das Modell könnte Schule machen, sagt Lengeler. Er verweist auf Anstrengungen, die Pharmaindustrie bei der Entwicklung neuer Antibiotika wieder ins Boot zu holen. Das könnte auch vor dem politischen Hintergrund wichtiger werden. In den USA debattiert der Kongress über Donald Trumps Pläne zur Kosteneinsparung bei der humanitären Hilfe, und auch der Bundesrat kürzte im August das Budget der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) – mit der Folge, dass weniger Geld für die Bekämpfung von Malaria zur Verfügung steht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.