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Der zweite Anlauf mit Federer

Roger Federer wechselt von Nike zu Uniqlo – ein Unternehmen, das hierzulande kaum einer kennt. Dabei überflügelt die japanische Kleidermarke langsam die westliche Konkurrenz.
Federico Gagliano
Roger Federer in seinem neuen Uniqlo-Outfit.Bild:Juergen Hasenkopf/freshfocus (London, 4. Juli 2018)

Roger Federer in seinem neuen Uniqlo-Outfit.
Bild:Juergen Hasenkopf/freshfocus (London, 4. Juli 2018)

Wenn Roger Federer seine Garderobe auswechselt, schaut die ganze Welt hin: Schliesslich wurde der Tennisstar 2016 von GQ zum «most stylish man» ernannt. Ausserdem bestätigte Federer mit seinem Auftritt in Wimbledon am Montag die seit Wochen kursierenden Gerüchte, dass er sich von seinem langjährigen Ausrüster Nike getrennt hat.

Statt des weltbekannten Häkchens ziert jetzt das rote Uniqlo-Logo Federers linke Brust. Ein Logo, das hierzulande zuvor nur wenig bekannt war. Die japanische Marke besitzt in der Schweiz noch keine Filialen – und hat derzeit auch keine Pläne, hier welche zu eröffnen, bestätigte eine Sprecherin auf Anfrage. Dafür ist Uniqlo (kurz für «Unique Clo­thing») in seinem Heimatland fast omnipräsent: Von weltweit über 1900 Filialen befinden sich 832 in Japan. Zum Vergleich: Konkurrent Hennes & Mauritz (H & M) kommt dort nicht einmal auf 100 Filialen.

Erster Expansionsversuch scheiterte

Die japanische Kette wird oft mit ihrer schwedischen Konkurrenz verglichen. Uniqlo-Kleider sind im günstigeren Preissegment einzuordnen, gelten aber als qualitativ besser und dementsprechend etwas teurer als diejenigen von H & M. Uniqlo-Gründer und CEO Tadashi Yanai stört sich aber nicht am Vergleich: Marken wie H & M, Zara oder GAP seien Vorbilder für sein Unternehmen, sagt er. Inzwischen hat er aber manche von ihnen überflügelt. Uniqlo schlägt sich im schwierigen Marktumfeld der Textilhändler momentan besser als seine Konkurrenten. Der Aktienkurs der Dachgesellschaft von Uniqlo, Fast Retailing, zeigt im Gegensatz zu Inditex (Zara, Bershka) und H & M nach oben. Im letzten Geschäftsjahr stellte Fast Retailing einen neuen Rekordumsatz auf und verdoppelte den Nettogewinn. Der Umsatz soll dieses Jahr 18 Milliarden Franken übertreffen.

Nun richtet Yanai seinen Blick nach Westen, und zwar zum zweiten Mal. Sein erster Versuch in Grossbritannien und den USA vor rund 20 Jahren scheiterte. Yanai konzentrierte sich deshalb zunächst wieder auf Asien. Nun, da er mit Uniqlo zum grössten Bekleidungskonzern Japans avanciert ist, zieht es ihn nach Europa. In Frankreich, Deutschland, Spanien und Belgien ist Uniqlo bereits vertreten. In einem nächsten Schritt soll Skandinavien erobert werden. Nächstes Jahr wird der erste Uniqlo-Laden in Kopen­hagen eröffnet.

Mit dem Federer-Deal ist Yanai nun ein weiterer Coup gelungen. Es handle sich dabei angeblich um den grössten Ausrüstervertrag, den ein Tennisspieler je abgeschlossen hat. Zehn Jahre lang soll Uniqlo Federer einkleiden – und ihm damit rund 300 Millionen Dollar einbringen. Federer löst damit Novak Djokovic als Aushängeschild des Mode­labels ab. Dieser wechselte im vergangenen Jahr zu Lacoste. Die Länge des Deals mit Federer bestätigt auch Uniqlos Identität: Yanai sieht seine Marke nicht als Sportlabel, sondern als «Life Wear»-Hersteller, also Alltagsmode: «Bei unserer Partnerschaft geht es nicht nur um Innovation auf dem Tennisplatz, sondern auch ausserhalb», sagt er.

Federer wird in Zukunft also auch jenseits des Platzes und über sein Karriereende hinaus in Uni­qlo-Mode zu sehen sein. Noch offen ist, welche Schuhe Federer in Zukunft tragen wird. In Wimbledon spielt er in Nike-Schuhen, da sein neuer Ausrüster kein Schuhwerk im Angebot hat. Auch die Zukunft des RF-Logos ist ungewiss. Momentan gehöre es noch Nike, «früher oder später wird es zu mir zurückkommen», verriet Federer.

CEO bricht mit Traditionen

Wie die Konkurrenz setzt Uniqlo für seine Alltagsbekleidung auf viele Partnerschaften mit Marken wie Snoopy, Disney oder die Sesamstrasse. Deren Figuren erfreuen sich in Japan extrem grosser Beliebtheit – funktionieren aber auch für den westlichen Markt. Dieses Jahr zelebriert das Unternehmen das 50-Jahr-Jubiläum des japanischen Manga-Magazins «Weekly Shonen Jump», in dem weltweit erfolgreiche Manga-Serien wie «Dragonball», «One Piece» oder «Naruto» erstmals erschienen sind, mit einer T-Shirt-Serie.

Uniqlo feiert seine japanischen Wurzeln, traut sich aber auch, mit der Tradition zu brechen. CEO Yanais Devise lautet: «Ändere dich oder stirb.» Der 69-Jährige hat eine ehrliche und vor allem direkte Art. In Japan, wo man stets Wert darauf legt, andere nicht vor den Kopf zu stossen, gilt das eher als Nachteil. Yanai beweist das Gegenteil: Laut Bloomberg ist er mit einem aktuellen Vermögen von über 23 Milliarden Dollar der reichste Japaner.

NGOs kritisieren neuen Sponsor

Die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Public Eye und Clean Clothes Campaign nutzen die Gunst der Stunde der Ankündigung von Roger Federers Ausrüsterwechsel, um auf 2000 indonesische Näherinnen aufmerksam zu machen, die seit Jahren auf 5,5 Millionen Dollar an Entschädigungen warten – unter anderem von Uniqlo. Die Näherinnen verloren ihre Arbeit, als mehrere Auftraggeber ihre Bestellungen einstellten und die Fabrik Jaba Garmindo im April 2015 in die Insolvenz ging. Im Insolvenzverfahren wurden ihre Ansprüche auf Lohn- und Entschädigungszahlungen anerkannt, doch der Grossteil davon ist noch offen. Zu den Textilfirmen, die in dieser Fabrik produzieren liessen, gehören neben Uniqlo auch s.Oliver, Gerry Weber und Jack Wolfskin.

Auf Anfrage unserer Zeitung verweist Uniqlo auf ein Statement vom Januar 2018: Uniqlo habe das Verhältnis mit Jaba Garmindo bereits im Oktober 2014 beendet und sei deshalb rechtlich nicht verpflichtet, die Näherinnen zu entschädigen. Uniqlos Dachgesellschaft Fast Retailing habe aber angeboten, mit den Beteiligten zusammenzuarbeiten, um neue Stellen für die Näherinnen zu finden. Sei seien bemüht, die Rechte der Arbeiter zu schützen. (fg)

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