ZWEITE SÄULE: Die Umverteilung geht weiter

In den Schweizer Pensionskassen werden jährlich mehrere Milliarden Franken von Arbeitstätigen zu Rentnern umverteilt. Grund für die systemwidrige Umverteilung sind zu hohe Rentenversprechen.

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Auf 5,3 Mrd. Fr. beziffert eine Studie der Credit Suisse die Summe, die 2015 von den arbeitstätigen Pensionskassen-Versicherten zu den Rentnern umverteilt wurde. Die Tendenz ist steigend: 2010 betrug dieser Wert noch 3,5 Mrd. Franken. Was bei der ersten Säule mit der AHV so gedacht ist – die Erwerbstätigen zahlen ihre Beiträge ein, die Pensionierten erhalten davon ihre Renten –, ist in der zweiten Säule systemwidrig. Das Drei-Säulen-Modell sieht vor, dass die Arbeitstätigen bei der beruflichen Vorsorge für sich selbst Geld sparen. Dass dem nicht vollumfänglich so ist, hat zwei Ursachen: Zum einen ist ein Teil der Neurenten aus versicherungstechnischer Sicht noch immer zu hoch. Zum anderen hinterlassen die vor zehn, zwanzig Jahren in besseren Sparzeiten gesprochenen Renten Spuren bei den Pensionskassen.

Was die neuen Renten angeht, unterschätzen die Pensionskassen die weiter steigende Lebenserwartung. Als Folge von zu tief errechneter Lebenserwartung und zu hohen Umwandlungssätzen entsteht für die Vorsorgeeinrichtungen oft ein Pensionierungsverlust: Das Rentenversprechen ist grösser als das Kapital, das die Rentner während ihrer Zeit als Berufstätige angespart haben. Die Credit Suisse rechnet hoch, dass 2015 diese Lücke 3,5 Mrd. Fr. betragen hat. Dafür kommen letzten Endes die Beitragszahler auf. Es ist indes nicht so, dass in diesem Umverteilungsmechanismus bei den Berufstätigen Geld vom Vorsorgekonto verschwindet, um damit Renten zu finanzieren. Um die zu teuren Renten zu stemmen, geht vielmehr ein Teil der Rendite drauf, die eigentlich den Erwerbstätigen zusteht. Ihr Sparprozess erhält so einen Dämpfer.

Rainer Rickenbach