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«Momentan läuft das Geschäft mit Stickmaschinen ganz schlecht» – trotzdem produziert Lässer weiterhin im Rheintal

Während Saurer die Produktion der Stickmaschinen verlagern will, hält Konkurrent Lässer eisern am Standort Diepoldsau fest. Ein wichtiger Kunde beider Ostschweizer Unternehmen ist Forster Rohner.
Thomas Griesser Kym
Eine Saurer-Stickmaschine am Hauptsitz von Forster Rohner in St. Gallen. (Bild: Beat Belser)

Eine Saurer-Stickmaschine am Hauptsitz von Forster Rohner in St. Gallen. (Bild: Beat Belser)

Die Produktion der Saurer-Stickmaschinen soll vom Standort Arbon nach China verlagert werden: Diesen Plan des chinesischen Hauptaktionärs Jinsheng hat Saurer am 6. Februar publik gemacht. Mit anderen Worten: Die Montage, Qualitätssicherung, Logistik und Spedition zügeln schon bald dorthin, wo auch viele Kunden tätig sind. Und die meisten Lieferanten, denn die Komponenten und Baugruppen der Saurer-Stickmaschinen werden schon seit Jahren vorzugsweise in China gefertigt.

Ganz anders sieht es keine halbe Autostunde südöstlich von Arbon aus, in Diepoldsau. Dort sitzt der einzige namhafte Konkurrent Saurers auf dem Weltmarkt für grosse Stickmaschinen, die Lässer AG. Auf seiner Website legt das Familienunternehmen ein «Bekenntnis zum Standort Schweiz» ab und schreibt:

«Wir stehen zur Schweizer Herkunft und Schweizer Qualität.»

Und das soll auch so bleiben, wie auf Anfrage Verkaufschef Reto Kuster sagt: «Wir haben keine Pläne zur Verlagerung ins Ausland.» Und dies, obwohl auch Lässer die rückläufige Nachfrage nach Stickmaschinen spürt. Ein Grund dafür sei, dass als Folge politischer Verwerfungen alle drei Hauptmärkte gleichzeitig kriseln: In der Türkei spielten die Banken nicht mehr so gut mit, Indien habe mit der Einführung einer Mehrwertsteuer ein Chaos angerichtet, und in China wirkt sich der Handelsstreit mit den USA belastend aus. Kommt hinzu, dass Stickereien weniger in sind als auch schon. «Auch vielen unserer Kunden geht es nicht gut», sagt Kuster.

Lässer behilft sich mit mehr Lohnarbeit

«Der Bedarf an Stickmaschinen ist seit 2008 rückläufig», sagt Kuster, also seit Ausbruch der Finanzkrise. Und: «Momentan läuft das Geschäft mit Stickmaschinen ganz schlecht.» Dabei habe das vergangene Geschäftsjahr 2018 noch gut angefangen, doch ab Mitte Jahr sei es zusehends schlechter geworden. Lässer behilft sich laut Kuster mit vermehrter Lohnarbeit, also mit der Fertigung von Teilen für Kunden auch ausserhalb der Stickmaschinenindustrie.

Dennoch hat der Rückgang des Geschäfts mit Stickmaschinen, zusammen mit zunehmender Automatisierung, Spuren hinterlassen. Lässer beschäftigte zu Spitzenzeiten bis zu 220 Mitarbeitende, heute sind es noch 170, davon an die 100 in der Produktion. Den Abbau von Stellen habe man ohne Entlassungen bewerkstelligt, sagt Kuster, sondern mittels natürlicher Fluktuation.

Trotz aller Widrigkeiten zeigt sich Kuster zuversichtlich:

«Wir sind uns Krisen gewohnt. Bald alle zehn Jahre gibt es eine.»

Auch verweist er auf das neue Schulungs- und Bürogebäude, das Lässer vergangenes Jahr bezogen hat. Und er betont die Familientradition. Das Unternehmen, gegründet 1954 als me­chanische Werkstätte von Franz Lässer senior, gehört dessen Söhnen Franz und Anton Lässer. Franz Lässer amtiert als Firmenchef, und die nächste Generation – die Gebrüder haben fünf Söhne – ist bereits stark in den Betrieb involviert. «Wir glauben an unsere Zukunft als Familienbetrieb in Diepoldsau und an den Wirtschaftsstandort Schweiz», sagt Kuster.

Innovationskraft als zentrales Kriterium

Zuversicht verbreitet auch Emanuel Forster, der zusammen mit seiner Schwester Caroline die Forster-Rohner-Gruppe leitet. Das St. Galler Unternehmen ist mit gut 200 Mitarbeitenden am Hauptsitz der grösste Schweizer Stickereibetrieb und arbeitet sowohl mit Saurer- als auch mit Lässer-Maschinen. Über die geplante Verlagerung und den damit verbundenen Abbau von bis 35 Stellen bei Saurer in Arbon sagt Forster:

«Um jeden Arbeitsplatz, der hier verloren geht, ist es für die Schweiz als Stickereistandort und als Werkplatz schade.»

Unmittelbare Folgen für sein Unternehmen erwartet Forster nicht. Kurzfristig werde sich «an den Maschinen wahrscheinlich nichts ändern». Längerfristig gelte es abzuwarten, wie sich die räumliche Trennung der Produktion der Maschinen von der Forschung und Entwicklung auswirkt, die laut Saurer in Arbon bleiben soll.

Gesunde Konkurrenz zwischen Saurer und Lässer

In China dürfte Saurer die Stickmaschinen günstiger montieren können als in der Schweiz. Entscheidend aus der Sicht Forster Rohners als Kunde aber sei, «ob es Saurer mittel- und langfristig gelingt, die erforderliche Innovationskraft aufzubringen», wie Forster sagt. Bisher sei man sehr zufrieden. 2016 führte Forster Rohner als weltweit erster Betrieb «die bahnbrechende» Saurer-Stickmaschine Epoca 7 ein, die 20 Prozent produktiver arbeitet als das Vorgängermodell und 5 Prozent weniger Energie verbraucht.

Laut Forster ist sein Un­ternehmen jeweils stark eingebunden in die Entwicklung neuer Stickmaschinen: «Wir sind Partner für Ideen, führen Feldtests durch, und aufgrund der Ergebnisse und unserer Anforderungen werden Anpassungen an den Maschinen vorgenommen.»

Die Konkurrenz zwischen Saurer und Lässer beurteilt Forster als «gross und gesund». Die Produkte der beiden Anbieter seien vergleichbar und die technischen Fähigkeiten der Maschinen unter dem Strich ähnlich. «Mit ganz wenigen Einschränkungen» könnte Forster Rohner all seine Produkte auch auf Maschinen von jeweils nur einem der beiden Hersteller sticken. In den Werken in St. Gallen, Rumänien und Bosnien verwende Forster Rohner vor allem Maschinen von Saurer, in China hauptsächlich solche von Lässer.

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