Zutrittsverbote und Spezialreinigungen: So schützen sich Ostschweizer Unternehmen vor dem Corona-Virus

Firmen in der Region verschärfen ihre Schutzmassnahmen gegen das Corona-Virus. Das geht so weit, dass Personen, die jüngst in China oder Italien waren, vor verschlossenen Toren stehen und abgewiesen werden.

Thomas Griesser Kym
Drucken
Teilen
Im Innovationszentrum Cubic des Bühler-Konzerns ist momentan weniger los als üblich.

Im Innovationszentrum Cubic des Bühler-Konzerns ist momentan weniger los als üblich.

Bild: Urs Bucher (Uzwil, 7. Februar 2019)

Das Corona-Virus breitet sich immer mehr aus, in China oder Norditalien sind gewisse Gebiete abgeschottet. Das veranlasst auch Unternehmen in der Ostschweiz, Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen respektive zu verschärfen. So zum Beispiel der deutsche Stihl-Konzern, der in zwei Werken in Bronschhofen und Wil die Ketten für seine Motorsägen herstellt. An den beiden Standorten mit rund 1000 Beschäftigten werden ab sofort und bis auf weiteres «keine Personen empfangen, die sich innerhalb der letzten 14 Tage in Italien und China aufgehalten haben oder aus Italien und China in die Schweiz eingereist sind».

Das schreibt Stihl Kettenwerk Schweiz in einer «Verhaltensanweisung», die unserer Zeitung vorliegt. Diese Regelung gelte «insbesondere für Speditionen und Montagefirmen». Genannt werden im Einzelnen «Kunden, Berater, Monteure, Chauffeure, Lieferanten, Geschäftspartner etc.» Nicolas Kiep von Stihl begründet die Beschränkungen damit, dass die beiden Stihl-Werke die einzigen Kettenwerke sind, die sämtliche Stihl-Fabriken weltweit mit Sägeketten versorgen:

«Hätten wir einen Krankheitsfall und müssten schliessen, wäre die Lieferkette komplett unterbrochen.»

SFS klärt das Risikoprofil von Besuchern genauer ab

Ähnlich handhabt es der Technologiekonzern SFS in Heerbrugg. Dort ist klar: Die bisherige Praxis, Leute, die in Regionen mit dem Corona-Virus waren, nicht aufs Werksgelände zu lassen, funktioniert nicht mehr. «Inzwischen ist das Virus ja praktisch überall aufgetreten», sagt SFS-Sprecher Claude Stadler.

Das Unternehmen konzentriert sich deshalb nun darauf, bei Besuchern das Risikoprofil genauer zu klären. Waren sie in behördlich abgeschotteten Gebieten beispielsweise in China oder in Norditalien oder zeigen sie Symptome einer Virusinfektion, erhalten sie keinen Zutritt. Die Mitarbeitenden der SFS sind nochmals darauf hingewiesen worden, worauf sie besonders achten sollen: Symptome, Hygiene, Hände waschen und desinfizieren. Ferner wurden die Desinfektionsmassnahmen in den Gebäuden verstärkt.

SFS kommt in China mehr und mehr in die Gänge

In China selber unterhält SFS drei Werke. Eines ist als Autozulieferer tätig, ein anderes stellt hochpräzise Metallteile her, darunter zum Beispiel Miniaturbefestiger für Fabriken, die Smartphones montieren. Insgesamt beschäftigen die Werke rund 1700 Mitarbeitende. «Uns sind keine Krankheitsfälle bekannt», sagt Stadler. Die Produktion läuft allerdings noch nicht auf Hochtouren.

Dies einerseits im Zusammenhang mit der Phase nach dem chinesischen Neujahr, in der üblicherweise nicht unter Volllast produziert wird, und andererseits als Folge temporärer Schliessungen auf Anweisung der Behörden wegen des Corona-Virus. Aber auch Kunden waren von temporären Schliessungen betroffen und hatten weniger Bedarf an Teilen. Die Lieferketten aufrecht zu erhalten, ist laut Stadler gleichwohl «eine Herausforderung». Denn nun gelte es da und dort, einen Rückstau im Auftragsbestand zeitlich möglichst adäquat abzuarbeiten.

Weniger reisen, mehr Klinken putzen

Seitens des Schienenfahrzeugbauers Stadler heisst es, wegen des Corona-Virus habe man die Mitarbeitenden «zur Einhaltung der allgemein bekannten Hygienemassnahmen zum Schutz gegen die Infektion viraler Krankheiten aufgerufen». Zudem seien die Mitarbeitenden angehalten, «Geschäftsreisen auf ein Minimum zu reduzieren sowie bei Symptomen wie Atembeschwerden, Husten und Fieber direkt einen Arzt zu kontaktieren und dessen Anweisungen zu befolgen», sagt Stadler-Sprecherin Marina Winder. Und: «Die regulären Reinigungsmassnahmen im Unternehmen wurden intensiviert, um Ansteckungsmöglichkeiten zu verringern.»

Der Technologiekonzern Bühler, der in seinem Innovationszentrum Cubic in Uzwil regelmässig Besucher aus aller Welt empfängt, sieht sich ebenfalls gerüstet. «Wir nehmen die Situation ernst und schützen unsere Kunden und Mitarbeitenden», sagt Bühler-Sprecher Burkhard Böndel. Die Gäste müssen am Empfang mittels eines Fragebogens befragt, und «in Ausnahmefällen» kann es sein, dass «gewisse Besucher oder Reisende zu Hause bleiben müssen». Abgesehen davon hat Bühler Vorsorgepläne erstellt, macht Besucher und Mitarbeitende auf die gängigen Hygienemassnahmen aufmerksam, bietet Stationen zum Desinfizieren der Hände an und lässt Oberflächen wie zum Beispiel Türklinken neuerdings regelmässig desinfizieren.

Preisverleihung verschoben

Wegen des Corona-Virus ist die Verleihung des Unternehmerpreises Prix SVC Ostschweiz auf unbestimmte Zeit verschoben. Das hat der Swiss Venture Club (SVC) als Ausrichter beschlossen. Der Preis hätte nächsten Donnerstag auf dem Areal der Olma-Messen vergeben werden sollen. Das bundesrätliche Verbot von Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen verhindert nun aber den Anlass. Dieser geht jeweils vor «rund 1000 Personen» über die Bühne. Konkret fasst die Olma- Halle 980 Gäste. Der SVC hoffe, die Preisverleihung zu einem späteren Zeitpunkt nachholen zu können. In welchem Rahmen und ob mit oder ohne Publikum, ist noch offen. (T. G.)