Zurück zu den dänischen Wurzeln

Nach lediglich acht Monaten wechselt der Spielzeugkonzern abrupt seinen Chef aus. Der indischstämmige Brite Bali Padda macht Platz für den jüngeren Dänen Niels B. Christiansen. Dieser soll Lego neuen Schub verleihen.

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Niels B. Christiansen soll als neuer Lego-Chef das Verkaufswachstum befeuern. (Bild: Asger Ladefoged/EPA (Kopenhagen, 11. Januar 2017))

Niels B. Christiansen soll als neuer Lego-Chef das Verkaufswachstum befeuern. (Bild: Asger Ladefoged/EPA (Kopenhagen, 11. Januar 2017))

Neun Jahre hat Niels B. Christiansen Danfoss geleitet. Dort hat er auf die Digitalisierung fokussiert und damit die Verkäufe gesteigert sowie den dänischen Wärme- und Kältetechnikkonzern in einen Weltmarktführer punkto Energieeffizienz verwandelt. Industrieerfahrung gesammelt hat der 51-Jährige auch als Verwaltungsrat des Logistikkonzerns A.P. Møller-Mærsk, der Danske Bank oder des Heimelektronikherstellers Bang & Olufsen.

Wie bei Danfoss soll Christiansen nun auch bei Lego das Wachstum beleben. Vor allem in Asien will der Konzern die Verkäufe steigern, und er will im Digitalgeschäft vorankommen.

Im Jahr 2000 war Lego am Rande des Bankrotts gestanden. Danach folgte ein Jahrzehnt starken Wachstums unter der Leitung von Jørgen Vig Knudstorp. Er war, von 2004 bis 2016, der erste Lego-Chef von ausserhalb der Eigentümerfamilie Kristiansen und präsidiert nun den Verwaltungsrat des Familienunternehmens. Als der Spielzeugmarkt nach der Finanzkrise schrumpfte, konterte Lego mit Filmfranchisen wie Star Wars, Harry Potter oder Indiana Jones, wobei das Angebot nicht nur entsprechen­de Lego-Sets umfasste, sondern auch Videospiele, Lego-Filme und Apps. Knudstorp trimmte Lego zum profitabelsten Spielzeughersteller der Welt, steigerte den Umsatz im Jahresmittel um 15 Prozent, und gegen den US-Barbiehersteller Mattel kämpft Lego um den Titel des Branchenprimus nach Grösse. Jüngst hat jedoch Legos Wachstum stark nachgelassen – von 25 Prozent 2015 auf 6 Prozent vergangenes Jahr, bei Umsätzen von umgerechnet 6 Milliarden Franken.

Gestern räumte Knudstorp ein, er habe die Suche nach einem jüngeren Nachfolger für Bali Padda (61) unmittelbar nach dessen Ernennung zum Chef vor acht Monaten eingeleitet. Knudstorp sagte, der Wechsel komme nun «früher als erwartet»; es hätte «auch zwei oder drei Jahre» dauern können. Doch Christiansens Rücktritt bei Danfoss habe die Chance eröffnet, «eine der besten Personen des Landes zur Führung eines globalen Konzerns» zu verpflichten. Zwar sei es nicht zentral, dass wieder ein Däne Lego leite, aber Christiansen verstehe Legos Wurzeln, weil er in dänischen Werten verwurzelt sei.

Padda soll Lego als Spezial­berater erhalten bleiben. (T. G.)