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Kampf gegen den Verlust von Talenten: ProOst will kluge Köpfe zurück in die Ostschweiz locken

Akademikern unsere Region als interessanten Arbeitsort und lebenswerten Wohnort schmackhaft machen, darauf zielt die Initiative ProOst ab. Erstmals liegen nun Zahlen über ihren Erfolg vor.
Thomas Griesser Kym
Messungen im bauphysikalischen Labor Geberits. Der Sanitärtechnikkonzern hat sich dieses Jahr an ProOst präsentiert. (Bild: PD)

Messungen im bauphysikalischen Labor Geberits. Der Sanitärtechnikkonzern hat sich dieses Jahr an ProOst präsentiert. (Bild: PD)

Der Brain Drain ist ein Phänomen, das in der Ostschweiz besonders ausgeprägt ist: Absolventen von Universitäten oder Fachhochschulen wandern nach ihrer Ausbildung in unserer Region in die grossen Zentren wie beispielsweise Zürich ab und heuern dort bei einem ersten Arbeitgeber an. Um diesem Verlust an klugen Köpfen entgegenzuwirken, gibt es diverse Bemühungen. Eine davon ist die Veranstaltung ProOst, eine Initiative der vier Ostschweizer Kernkantone St.Gallen, Thurgau und beiden Appenzell. Dabei treffen international tätige Arbeitgeber aus Industrie, Informatik und Dienstleistungen mit Akademikern zusammen. Diesen soll bewusst gemacht werden, dass in der Ostschweiz zum einen attraktive Unternehmen mit guten Karrierechancen angesiedelt sind und zum anderen unsere Region eine hohe Lebensqualität bietet.

Im Visier hat ProOst «in erster Linie Fach- und Führungskräfte im Alter zwischen 35 und bis 45plus, die sich vorstellen können, eine Stelle in der Ostschweiz anzunehmen», sagen der Thurgauer Wirtschaftsförderer Marcel Räpple und der Leiter des Innerrhoder Amts für Wirtschaft, Markus Walt. Die genannte Altersgruppe ist bewusst gewählt: «Nach den Lehr- und Wanderjahren», wie es Walt formuliert, «werden Themen wie Familie und Kinder, Wohneigentum und die Work-Life-­Balance wichtiger.» Hier setze ProOst an.

Viele Kontakte, wenige Anstellungen

Am Freitag hat die Veranstaltung zum sechsten Mal stattgefunden. Im St.Galler Congress Center Einstein haben sich 27 Unternehmen der Rekordzahl von 342 angemeldeten Professionals präsentiert. Das waren 14 Berufsleute mehr als im Vorjahr. Und: Laut Rolf Sonderegger, Chef der Agentur Together AG, die für die Organisation zuständig ist, sind die prozentualen Anteile der teilnehmenden Ökonomen und Ingenieure gestiegen, auf zusammen mittlerweile 60 Prozent (im Vorjahr 53 Prozent).

Die Kontakte, die an ProOst zwischen Unternehmen und Professionals geknüpft werden, sind das eine, daraus resultierende Anstellungen was anderes. Unserer Zeitung liegen erstmals entsprechende Zahlen vor. So wurden an den drei Veranstaltungen von 2014 bis 2016 im Schnitt jeweils 600 Kontakte geknüpft oder rund zwei pro Professional. Aktiv weiterverfolgt wurden im Mittel jeweils 100 Kontakte. Daraus ergaben sich zwischen den Veranstaltungen 16 Anstellungen (von 2014 bis 2015) respektive 3 Anstellungen (zwischen 2015 und 2016). Die Zahlen beruhen auf Befragungen der Unternehmen und der Professionals. Aktuellere Zahlen sind noch nicht bekannt.

Interesse wäre da

19 Anstellungen als Folge von zwei ProOst-Veranstaltungen sehen auf den ersten Blick nicht berauschend aus. Aber Räpple und Walt versuchen mit weiteren Zahlen zu relativieren. So hat sich basierend auf der Umfrageauswertung jeder zweite Professional nach seiner Teilnahme an ProOst bei einem der Unternehmen beworben, die sich präsentiert hatten. Jeder fünfte dieser Bewerber sei auch zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Und jeder Dritte, der sich vorstellen durfte, habe einen Job bekommen.

Dennoch schleckt keine Geiss weg, dass drei Viertel der Professionals laut eigenen Angaben an ProOst keine passenden Firmen vorgefunden haben. Oder die Betriebe hätten keine passenden Stellen gehabt. Auch sagt die Hälfte der Professionals, trotz Interesses an Vorstellungsgesprächen hätten sich keine ergeben. Und zwei Drittel gaben an, trotz Interesses hätten sie keine neue Stelle gefunden.

Positiv fürs Bild als Arbeitsregion

Auch diese Relationen versuchen Räpple und Walt zu kontern. Absicht von ProOst sei nicht in erster Linie die Stellenvermittlung. Obwohl an Ort und Stelle auch eine Job Wall geboten wird mit Stellenangeboten, sei die Plattform nicht als Stellenbörse gedacht. «Wir verstehen die Veranstaltung als Marketinginstrument», sagt Walt. Will heissen: Die Professionals sollen auf die Unternehmen und deren Jobprofile aufmerksam werden. «Daraus ergibt sich vielleicht später einmal eine Bewerbung», sagt Räpple. «Oder ein Teilnehmer informiert einen Kollegen über Jobmöglichkeiten in der Ostschweiz.»

In diesem Zusammenhang werfen die beiden Kantonsvertreter weitere Zahlen in die Waagschale: So sagten fast zwei Drittel der Professionals, aufgrund ihrer Teilnahme an ProOst habe sich ihr «Bild von der Ostschweiz als Arbeitsregion positiv verändert». Lediglich ­18 Prozent verneinten dies. Und auf die Frage, «Könnten Sie sich vorstellen, Ihren Arbeitsort in die Ostschweiz zu verlegen?», antworteten von den auswärtigen Teilnehmenden 86 Prozent mit Ja, 14 Prozent mit Eventuell und niemand mit Nein.

Speed Dating an Bahnhöfen

Nach der sechsten Austragung von ProOst wollen die Initianten die Plattform erneut weiterentwickeln. Demnach will man Anfang nächsten Jahres mit Speed Dating an Ostschweizer Bahnhöfen beginnen. Dabei sollen vorselektionierte Kandidaten mit vorselektionierten Stellen zusammengebracht werden. Starten werde man in Frauenfeld und Wil, danach sei eine Ausweitung an andere Bahnhöfe wie St.Gallen oder Gossau geplant. Bahnhöfe deshalb, weil dort viele Pendler verkehren und Anbieter von Co-Working-Infrastruktur nahe sind. (T. G.)

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