Schwarze Zahlen müssen warten: Zur Rose setzt auf Grösse und digitale Transformation

Die Frauenfelder Versandapotheke Zur Rose nimmt rote Zahlen zu Gunsten von Wachstum in Kauf.

Stefan Borkert
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Automation ist bei Zur Rose schon lange eingeführt. Die Digitalisierung wird vorangetrieben.

Automation ist bei Zur Rose schon lange eingeführt. Die Digitalisierung wird vorangetrieben.

PD

Die Zur Rose Group setzt ihre Wachstums- und Online-Strategie 2020 fort. CEO Walter Oberhänsli sagt bei der Präsentation des Semesterergebnisses, dass der Umsatz, wenn man die Übernahme von Medpex miteinbeziehe, um 9,2 Prozent auf 810 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen sei.

Durch die Übernahme der Versandaktivitäten von Apotal baue die Gruppe ihre Position als Nummer eins in Deutschland mit 1,1 Millionen zusätzlichen Kunden weiter deutlich aus. Ausserdem würden Grössenvorteile eine starke Basis für die Einführung digitaler Gesundheitsangebote, inklusive des elektronischen Rezepts sowie den weiteren Ausbau zum Zur Rose-Gesundheitsökosystem schaffen. Er kündigte an, dass Zur Rose im zweiten Halbjahr Projekte für das elektronische Rezept weiter forcieren wolle. Zur Finanzierung der Wachstums- und Digitalisierungsprojekte habe die Gruppe in den ersten sieben Monaten des Jahres über eine Wandelanleihe und eine Kapitalerhöhung Mittel in der Höhe von brutto 388 Millionen Franken eingenommen.

Zentrale Steuerung über alle Marken in Deutschland

Im Zuge der Reorganisation, welche die zentrale Steuerung über alle Marken in Deutschland beinhaltet, bündle die Zur Rose-Gruppe die Servicefunktionen mit eigenem Personal und eigenen Betriebsmitteln im niederländischen Heerlen und deutschen Mannheim. Oberhänsli erklärt weiter, dass die in Heerlen domizilierte Vitalsana mit der ebenfalls in Heerlen ansässigen Docmorris verschmolzen werde. Der Standort von Vitalsana werde stillgelegt.

Zur Rose will die Auswirkungen der Coronakrise auf die Digitalisierung nutzen. Die Krise sei ein zusätzlicher Treiber dafür. «Die Zur Rose-Gruppe ist überzeugt, dass diese digitale Transformation auch über das Ende der Abstandsregeln hinaus Bestand haben wird», sagt er. Ein Hauptaugenmerk gelte dem Aufbau eines eigenen Gesundheitsökosystems, in dem sich Anbieter mit Produkten, Dienstleistungen und digitalen Services vernetzen.

Die jüngste Übernahme der Teleclinic GmbH, dem führenden Telemedizinanbieter Deutschlands, sei ein wichtiger erster Baustein dieser Strategie. Telemedizin sei eine entscheidende, bequeme Lösung entlang des digitalen Patientenpfades, sowohl bei akuten als auch bei chronischen Erkrankungen.

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