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Zur Rose setzt auf das E-Rezept

Gerade ist in Deutschland DocMorris, eine Tochter der Frauenfelder Zur Rose Group, mit einem Apothekenautomaten vor Gericht gescheitert. Zur Rose-Chef Walter Oberhänsli gibt aber nicht auf.
Stefan Borkert
Bleibt weiterhin geschlossen: Die Automatenapotheke im baden-württembergischen Hüffenhardt. (Bild: Uwe Anspach/DPA)

Bleibt weiterhin geschlossen: Die Automatenapotheke im baden-württembergischen Hüffenhardt. (Bild: Uwe Anspach/DPA)

Wenn Walter Oberhänsli eine Idee hat, die ihn überzeugt, dann lässt er sich nicht leicht davon abbringen. Der Chef der Zur Rose Group in Frauenfeld treibt das Wachstum des Unternehmens unermüdlich voran. Da kann es schon mal zu Konflikten, auch mit Ankeraktionären, kommen.

So scheiden Vanessa Frey und Heinz O. Baumgartner an der Generalversammlung vom 23. Mai aus dem Verwaltungsrat aus. Immerhin war die Innerschweizer Unternehmerfamilie Frey erste Grossaktionärin der Zur Rose. «Dieser Schritt steht im Zusammenhang mit unterschiedlichen Auffassungen über Art und Geschwindigkeit der Umsetzung der Wachstumsstrategie», heisst es bei Zur Rose. An der Generalversammlung steht Ersatz parat. Nominiert sind Spezialisten für den Handel, Online und für Markteinführung: Tobias Hartmann (Scout 24), Christian Mielsch (Rewe Group) und Florian Seubert (Zooplus). Der Verwaltungsratspräsident der Zur Rose Group AG, Stefan Feuerstein, erwartet von den Nominierten, dass sie mit ihrem breiten Fachwissen zum Unternehmenserfolg beitragen werden.

Davon ist auch Zur-Rose-Mitgründer und CEO Walter Oberhänsli überzeugt. Schritt für Schritt soll Europa erobert werden. Auf diesem Weg sieht Oberhänsli die Onlineapotheke Zur Rose als Vorreiterin und Taktgeberin. Ausruhen auf der Position der europäischen Marktführerin kommt für ihn aber nicht in Frage. Verkauf auf verschiedenen Kanälen, wachsen, zukaufen, konsolidieren, wachsen, neue Märkte, das sind Stichworte, die die Strategie der Zur Rose in den letzten Jahren bestimmen. Dafür nimmt Oberhänsli auch vorübergehend rote Zahlen, einen mässigen Aktienkurs und Kapitalerhöhungen in Kauf. Dennoch gilt Zur Rose unter Analysten als durchaus interessante Anlage, zumindest aus mittel- bis langfristiger Perspektive.

Apobox in Kircherbg (BE) Bild:PD

Apobox in Kircherbg (BE) Bild:PD

Immer wieder macht Zur Rose mit neuen Ideen, Pionierprojekten und Testläufen, wie stationären Apotheken, Shop-in-Shop-Konzepten oder Automaten von sich reden. Zuletzt ist der Pilotversuch mit Selecta gestartet. Gesundheits- und Schönheitsprodukte, geliefert von Zur Rose, können am Selecta-Automaten, der sogenannten Apobox, bezogen werden.

Dämpfer für Automatenapotheke

Eine andere Idee hat in Deutschland erneut einen Dämpfer bekommen. Die Zur-Rose-Tochter DocMorris hat im baden-württembergischen Hüffenhardt die erste Automatenapotheke aufgestellt. Die Idee dahinter ist es, eine Versorgungslücke zu schliessen. In ländlichen Regionen machen stationäre Apotheken dicht, weil zu wenig Umsatz erzielt wird. «Diese Lücke wollen wir schliessen», bekräftigte Oberhänsli, als die Automatenapotheke eröffnet wurde. Der Kunde wird per Video von einem Apotheker beraten. Er kann sich rezeptfreie sowie auf Rezept auch verschreibungspflichtige Medikamente an die Automatenapotheke schicken lassen und sie dort dann abholen. In Deutschland sind die Apotheker dagegen Sturm gelaufen. Erst kürzlich ist per Gericht entschieden worden, dass die Automatenapotheke in Hüffenhardt geschlossen bleibt. Dazu hatte sich sogar das Gericht vor Ort begeben. Der Zur-Rose-Chef hält aber grundsätzlich an der Idee fest und gleichzeitig den Ball flach: «Wir werden die schriftliche Urteilsbegründung des Verwaltungsgerichts analysieren und dann entscheiden, wie und in welcher Form wir weitere Schritte in diesem Verwaltungsverfahren unternehmen», sagt er.

«Das Potenzial ist beträchtlich»

Und er fährt fort: «In Deutschland steht die flächendeckende Einführung des elektronischen Rezepts bevor.» Bei der elektronischen Übermittlung des Rezepts wird der Faktor Zeit erheblich reduziert und die Qualität verbessert. Oberhänsli ist sich sicher, dass «die Umstellung von Papier auf elektronisch den gesamten Markt nachhaltig beeinflussen wird. Sie bietet den Patientinnen und Patienten eine bisher nicht gekannte Bequemlichkeit und ermöglicht allen anderen Marktteilnehmern schnellere, kostengünstigere und sicherere Prozesse».

Oberhänsli glaubt, dass der Versandkanal vom E-Rezept profitieren wird und verweist auf Schweden, wo seit 2012 ein starker Versandplayer aktiv ist. Seither ist der Versand rezeptpflichtiger Arzneimittel jährlich um 50 Prozent gewachsen. Der Versandanteil liege aktuell bei rund 10 Prozent. «Das Potenzial ist also beträchtlich.»

Walter Oberhänsli, CEO Zur Rose Group Bild: PD

Walter Oberhänsli, CEO
Zur Rose Group Bild: PD

In der Schweiz gibt es teilweise schon das elektronische Rezept. «Bei der Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten liegt der Versandanteil rezeptpflichtiger Arzneimittel hierzulande bereits bei 10 Prozent. Und das, obwohl das E-Rezept noch gar nicht flächendeckend eingeführt ist.» Der Versand bietet also noch Potenzial. Einerseits nehme die E-Commerce-Durchdringung jährlich zu und andererseits biete der Versand durch digitalisierte Prozesse eine qualitativ hochwertige und sichere pharmazeutische Versorgung. «Auch Krankenversicherer empfehlen den Versand.» Dieser sei im Verhältnis zu stationären Apotheken der günstigere Bezugskanal. Oberhänsli: «Medikamente sind überdies besonders geeignet für den Versand, da sie leicht und klein sind und es durch die ärztliche Rezeptierung praktisch keine Rücksendungen gibt.»

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