Zur Rose paktiert mit KPT

Im Wettstreit gegen traditionelle Apotheken spannt die Versandapotheke Zur Rose mit einer Krankenkasse zusammen.

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Die Zur-Rose-Gruppe mit Sitz in Frauenfeld ist die grösste Versandapotheke für rezeptpflichtige Medikamente in der Schweiz. Sie wirbt damit, dass Arzneimittel bei ihr im Schnitt 12 Prozent günstiger seien als in anderen Apotheken, weil sie Rabatte gewähre und keine Medikamenten- und Bezugschecks verrechne. Den traditionellen Apotheken, die unter Margendruck stehen und deren Zahl kontinuierlich abnimmt, ist die Zur Rose ein Dorn im Auge, weil sie ihnen Patienten und damit Kunden abjagt. Die Apotheken selber betonen, es gehe nichts über persönliche Beratung in ihren Lokalitäten.

Nun unternimmt die von Walter Oberhänsli geführte Zur Rose einen weiteren Anlauf, um Marktanteile zu gewinnen und den Absatzkanal der traditionellen Apotheken auszustechen. Zusammen mit der Krankenkasse KPT lanciert die Zur Rose ein Grundversicherungsmodell, für das sie Versicherte mit bis zu 20 Prozent Prämienrabatt lockt. Als Gegenleistung müssen die Versicherten erstens den telemedizinischen Beratungsdienst Medi24 konsultieren, bevor sie medizinische Leistungen beanspruchen, also etwa einen Arzt aufsuchen. Werden rezeptpflichtige Medi­kamente verschrieben, müssen die Versicherten zweitens zustimmen, dass Originalpräparate durch Generika ersetzt werden, sofern diese Nachahmerprodukte günstiger sind und medizinisch nichts dagegen spricht. Von diesen beiden Massnahmen profitiert die KPT, weil sie Kosten senken (weniger Arztbesuche, günstigere Medikamente). Drittens müssen die Versicherten die Medikamente ausschliesslich bei der Zur Rose beziehen oder alternativ, bei selbst dispensierenden Ärzten, direkt bei diesen. Beides spielt dem Frauenfelder Unternehmen in die Hände; die Zur Rose ist auch die grösste Ärztegrossistin in der Schweiz, beliefert also nicht nur Patienten mit Arzneien, sondern auch Ärzte.

Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte beim Vergleichsdienst Comparis, spricht von einer «sauberen Mechanik» des Modells. Solche Kooperationen seien aber nichts Neues. So bietet etwa die Krankenkasse Swica eine Grundversicherung an, bei der Versicherte für eine Erstbe­ratung eine der 130 TopPharm-Apotheken aufsuchen können. Auch telemedizinische Beratung und das Gebot, mittels Generika Kosten zu senken, seien bekannt. «Der Versicherte schränkt sich freiwillig in seiner Wahlfreiheit ein, und das birgt Sparpotenzial», sagt Schneuwly. Den traditionellen Apotheken empfiehlt er, sich ebenfalls einen Einstieg in den Versandhandel zu überlegen. «Sonst geht es ihnen gleich wie dem stationären Detailhandel.»

Thomas Griesser Kym