Zum schwachen Euro kommt eine Minusteuerung

ZÜRICH/FRANKFURT. Die Devisenbestände der Schweizerischen Nationalbank (SNB) haben im Dezember deutlich zugenommen, um 32,4 Mrd. Franken. Damit verfügte die SNB per Ende Jahr über Devisenreserven im Wert von 495,1 Mrd. Franken.

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ZÜRICH/FRANKFURT. Die Devisenbestände der Schweizerischen Nationalbank (SNB) haben im Dezember deutlich zugenommen, um 32,4 Mrd. Franken. Damit verfügte die SNB per Ende Jahr über Devisenreserven im Wert von 495,1 Mrd. Franken. Grund für die Zunahme dürften Interventionen der SNB zur Verteidigung des Mindestkurses von 1.20 Fr. pro Euro vergangenen Monat gewesen sein. Die SNB hatte kurz vor Weihnachten Negativzinsen auf Giroguthaben eingeführt und dabei bestätigt, dass sie zuvor am Devisenmarkt wieder intervenieren musste.

Der Euro hat sich gegenüber verschiedenen Währungen abgeschwächt, als Folge der Debatte um Griechenlands Verbleib in der Eurozone, in Erwartung eines Programms der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Aufkauf von Staatsanleihen, und weil der Dollar dank einer relativ gut laufenden US-Konjunktur und tiefer Ölpreise erstarkt ist.

Gestern hat die EZB im Urteil von Niall Delventhal, Analyst bei Daily FX, «ein weiteres schlagkräftiges Argument bekommen», ihre Geldschleusen noch weiter zu öffnen. Im Dezember ist die Teuerung in der Eurozone mit –0,2% erstmals seit fünf Jahren negativ gewesen. Das nährt Befürchtungen vor einer Deflation, also einer Spirale sinkender Preise und rückläufiger Nachfrage, weil viele Konsumenten Käufe in der Hoffnung auf weitere Preisrückgänge verschieben, was wiederum in sinkende Produktion und rückläufige Firmeninvestitionen münden könnte. Treiber der negativen Teuerung sind allerdings noch keine Preisrückgänge auf breiter Front, sondern vor allem die Energiepreise, weil die Ölpreise mittlerweile auf unter 50 $ pro Fass gefallen sind, das tiefste Niveau seit Anfang 2009. Mit einem Anleihen-Kaufprogramm könnte die EZB versuchen, die Teuerung wieder zu befeuern. Allerdings würde die damit verbundene Geldschwemme auch den Euro noch weiter schwächen. (sda/red.)