Zulieferer zeigen sich gelassen

Je nach Entwicklung des Abgas-Skandals bei Dieselautos könnten dem Volkswagen-Konzern Absatzeinbrüche drohen. Ostschweizer Autozulieferer sind dennoch kaum beunruhigt, dank breiter Kundenbasis und zukunftsfähiger Produkte.

Thomas Griesser Kym
Merken
Drucken
Teilen
Herstellung von Unterbodenverkleidungen im Autoneum-Werk in Sevelen. (Bild: pd)

Herstellung von Unterbodenverkleidungen im Autoneum-Werk in Sevelen. (Bild: pd)

Gerade in der Ostschweiz tummeln sich zahlreiche Autozulieferer. Ein Cluster befindet sich im Rheintal. In Sevelen zum Beispiel steht das einzige Schweizer Werk von Autoneum, das früher ein Teil von Rieter war. 400 Mitarbeitende entwickeln und fertigen dort Produkte zum Schutz vor Lärm und Hitze. Die Palette Autoneums erstreckt sich von Fussmatten über Teppiche und Unterbodenverkleidungen bis zu Hitzeschildern. Firmensprecherin Anahid Rickmann zeigt sich, gefragt nach möglichen Folgen des VW-Skandals für ihr Unternehmen, entspannt: «Zu unseren Kunden zählen praktisch alle Autohersteller weltweit.» In der Tat listet Autoneum auf seiner Homepage 53 Automarken auf, darunter auch VW, Audi, Seat und Skoda, die alle dem Volkswagen-Konzern gehören. «Volkswagen ist keiner unserer Hauptkunden», sagt Rickmann. Mit dem Konzern habe Autoneum vergangenes Semester 3% des Gesamtumsatzes erarbeitet, wobei der grösste Anteil auf Audi entfalle. «Selbst bei einem starken Einbruch der Nachfrage nach Autos von Volkswagen wären wir nur marginal betroffen», sagt Rickmann. Und für das Werk Sevelen sei Volkswagen noch weniger bedeutend als Produktionsstätten Autoneums in Polen, Südafrika und den USA.

Leichter und sicherer

Auch die Romanshorner Ems-Chemie-Tochter Eftec mit Spezialkunststoffen und -chemikalien sowie der Sika-Konzern zählen praktisch alle Autohersteller zu ihren Kunden. Sika liefert einerseits Klebstoffe, andererseits Schalldämpf- und Verstärkungselemente für Karosseriestrukturen. Diese Elemente werden von Sika Automotive im Werk Romanshorn mit gut 200 Beschäftigten im Mehrkomponenten-Spritzgussverfahren hergestellt. Sika-Sprecher Dominik Slappnig sagt, kein Kunde habe mehr als 1,5% Anteil am Konzernumsatz. Zudem gewinne Sika Marktanteile im Neugeschäft. «Früher waren Autos aus Stahl und wurden geschweisst. Heute wird immer mehr geklebt, auch um Materialien wie Aluminium und Karbon miteinander zu verbinden.» Das macht die Autos leichter, was Treibstoff spart. Und die Kunststoffteile aus Romanshorn machten Autos sicherer. Slappnigs Fazit: «In den Autos steckt immer mehr von den Sika-Produkten drin.»

«Nicht mehr so stark abhängig»

Die DGS Druckguss Systeme AG mit Hauptsitz in St. Gallen erarbeitet laut Firmenchef Andreas Müller etwa 20% ihres globalen Umsatzes mit Audi und VW, wobei von den beiden Marken Audi der grössere Kunde sei. «Wir sind von VW nicht mehr so stark abhängig wie früher», sagt Müller. Zudem seien in den Premiumfahrzeugen wie Audi A8, TT oder R8, die DGS bediene, eher nicht die betroffenen Dieselmotoren verbaut. Derzeit laufe das Geschäft mit den beiden Autobauern im gewohnten Rahmen. «In den kommenden Wochen und Monaten wird sich konkretisieren, ob die Nachfrage bei Volkswagen empfindlich einbricht und wie sich das auf unser Geschäft auswirkt», sagt Müller. DGS hat an ihren drei Standorten St. Gallen, Liberec in Tschechien und China 900 Mitarbeitende. In St. Gallen mit 400 Angestellten werden unter anderem Leichtmetall-Karosserieteile gefertigt.

Systemlieferanten als Kunden

Die Rheintaler SFS Group machte 2014 mit der Autoindustrie 24% des Konzernumsatzes. Firmensprecher Claude Stadler sagt: «Die Kunden sind typischerweise nicht die Autobauer, sondern die Systemlieferanten.» Diese verbauen die Präzisionskomponenten der SFS und beliefern dann die Autobauer. Auch Stadler sagt, allfällige rückläufige Verkäufe bei VW dürften durch stärkere Absätze anderer Hersteller kompensiert werden, und SFS arbeite mit zahlreichen, führenden Systemlieferanten. «Deshalb erwarten wir keine negativen Auswirkungen.» Hinzu komme, dass gerade die SFS-Werke in der Schweiz von vielen Neuprojekten profitieren, die über die nächsten Jahre Wachstumsimpulse liefern, wie Stadler sagt.