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Travail Suisse fordert 2 bis 3 Prozent mehr Lohn. Ihr Urteil?

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Jan-Egbert Sturm Leiter der ETH- Konjunkturforschung KOF

Jan-Egbert Sturm Leiter der ETH- Konjunkturforschung KOF

Travail Suisse fordert 2 bis 3 Prozent mehr Lohn. Ihr Urteil?

Ökonomisch ist die wichtigste Grösse für Lohnerhöhungen die Arbeitsproduktivität. Sie misst, wie viel die Arbeitnehmer mehr produzieren konnten. Dieser Zugewinn kann dann zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt werden. Langfristig sollten Arbeitsproduktivität und Löhne ungefähr im gleichen Tempo ansteigen.

Im Krisenjahr 2009 ist die Arbeitsproduktivität in der Schweiz um 2 Prozent gesunken, dieses Jahr dürfte sie um 1,5 Prozent steigen. An diesen beiden Zahlen sollte man sich orientieren.

Ist der Aufschwung robust genug für reale Lohnerhöhungen?

Eigentlich ja. 2010 dürfte die Schweizer Wirtschaft um 1,8 Prozent und 2011 um 1,6 Prozent wachsen. Zentral ist aber eben die Arbeitsproduktivität. 2009 wurden die Löhne trotz rückläufiger Produktivität erhöht.

Daher sollten Lohnerhöhungen jetzt eher moderat sein.

Was ist mit den konjunkturellen Risiken wie Euro-Schwäche und staatliche Sparprogramme?

Natürlich spielen sie eine Rolle und können den Aufschwung auch abschwächen. Ich erwarte aber keinen Einbruch der Konjunktur, keine neue Rezession.

Sind Lohnerhöhungen auch konjunkturpolitisch sinnvoll im Sinne einer Konsumstütze, wie die Gewerkschaften befinden?

Da ist sicher was dran. Die Schweiz hat die globale Wirtschaftsflaute letztes Jahr relativ gut überstanden. Auch dank der starken Binnennachfrage und der Lohnerhöhungen. Im Aufschwung sollten die Löhne aber wieder eher moderat erhöht werden, um die positive Lohnentwicklung in der Rezession etwas auszugleichen. (sas)