ZÜRICH: Julius Bär – wenig Angst vor Steueroasen

Die Bank rekrutiert viele Kundenberater bei der Konkurrenz und wächst dadurch kräftig.

Daniel Zulauf
Drucken
Teilen

Die Kunden von Julius Bär haben der Vermögensverwaltungsbank in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 10,2 Milliarden Franken neues Geld anvertraut. Das ist doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zusätzliche Genugtuung erhielt die Bankspitze auch von der Börse: Der Aktienkurs stieg gestern um rund 5 Prozent auf über 52 Franken. Die Euphorie der Investoren ist verständlich, denn nach dem Ende des Bankgeheimnisses sind hohe Wachstumsraten keine Selbstverständlichkeit. Alles in allem wuchs die Masse der verwalteten Vermögen bei Julius Bär per Ende Juni um 14 Pro­zent gegenüber dem Vorjahr auf 355 Milliarden Franken.

Doch Julius Bär wächst auf Kosten der Konkurrenz, wie die Personalstatistik belegt: Der durchschnittliche Mitarbeiterbestand ist gegenüber Juni 2016 um 6 Prozent auf 6205 Vollzeitangestellte gestiegen. Die Mitarbeiter stammen mehrheitlich von an­deren Banken – typischerweise Grossbanken –, und die Leute, um die sich das ganze Karussell dreht, sind die Kundenberater. In der Branche heisst es, diese könnten üblicherweise bis zu einem Drittel ihrer Klientel zum Wechsel der Bankbeziehung bewegen. Julius Bär gelangen in diesem Spiel offensichtlich ein paar gute Stiche: Ende Juni zählte die Bank 100 Kundenberater mehr als im Vorjahr. Im Fürstentum Monaco stiessen rund 20 Berater dazu. Sie kamen von der britischen HSBC Private Bank, die ihre dortige Niederlassung nach einer Serie von Steuerskandalen geschlossen hatte. Erfahrungen vergangener Jahre zeigen, dass Kundenakquise in solchen Jurisdiktionen im Kontext zunehmender Steuertransparenz nicht ganz risikofrei ist. Doch davor haben die Schweizer offensichtlich wenig Angst.

Daniel Zulauf