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ZUCKEREIER: Die ovale Ostersünde

Seit 70 Jahren produziert die Aargauer Firma Zile AG aus Rupperswil die farbigen Zuckereili, die in jedem Osternest zu finden sind. Doch die Konkurrenz wächst.
Federico Gagliano
Trotzen dem Trend zu zuckerfreien Süssigkeiten: Zuckereili von Zile bestehen zu 96 Prozent aus Schweizer Zucker. (Bild: Pius Amrein)

Trotzen dem Trend zu zuckerfreien Süssigkeiten: Zuckereili von Zile bestehen zu 96 Prozent aus Schweizer Zucker. (Bild: Pius Amrein)

Federico Gagliano

Wie die Schoggihasen sind auch sie an Ostern nicht wegzudenken: die farbigen Zuckereier. Doch nur wenige wissen, wer der grösste Zuckereierproduzent der Schweiz ist: Die Firma Zile Bonbons AG aus Rupperswil im Aargau stellt seit 1947 die Eier her und beliefert Detailhändler in der ganzen Schweiz. In der 70-jährigen Firmengeschichte hat sich nicht viel am Grundrezept der Eier geändert: Sie bestehen seit jeher zu 96% aus Schweizer Zucker sowie aus Zitronensäure, Aromen, Sirup und Farbstoffen.

Verändert hat sich aber das Konsumverhalten im Bonbons- und Süsswarengeschäft. «Es wird mehr Wert auf Natürlichkeit gelegt. Bei den Bonbons ist ein klarer Trend Richtung zuckerfreie Produkte festzustellen. Auch ist die Nachfrage nach veganen und biologischen Produkten stärker», sagt Zile-Verkaufsleiter Nicolas Fuchs. Die Zuckereili sind aber eine Ausnahme: Nur die Farbstoffe wurden durch natürliche Alternativen ersetzt. Ansonsten ist die Rezeptur gleich geblieben.

Fuchs erklärt es so: «Da dieser Konsum ja in der Regel nur um die Osterzeit stattfindet, ist diese Sünde akzeptabel.» Es gibt sechs Geschmacksrichtungen: Erdbeere, Ananas, Himbeere, Orange, Zitrone und Schokolade. Mit neuen Geschmäckern oder sauren Varianten wurde experimentiert, doch ohne Erfolg. «Der Konsument will die traditionellen Sorten und ist wenig experimentierfreudig», sagt Fuchs.

Wenig Erfolg im Ausland

Die Zuckereier gehören in der Schweiz zur Ostertradition – im Ausland hatten sie bisher kaum Erfolg. Auf Anfrage biete man sie zwar an, bisher vermarktet man sie aber nur in Finnland. «Diese Produkte sind im Ausland nicht bekannt. Der hohe Anteil manuellen Handwerks schränkt ausserdem unsere Wettbewerbsfähigkeit dort stark ein», sagt Fuchs.

Insgesamt stellt Zile pro Jahr 500 Tonnen Zuckereili her – das entspricht etwa einer Viertelmilliarde Eiern. Diese machen zwischen 10% und 15% des Gesamtumsatzes des Unternehmens aus. Neben anderen Süsswaren bietet die Firma auch Kräuterbonbons, Nahrungsergänzungen und Pharmaprodukte an. Der Eierabsatz ist leicht rückläufig: «Immer mehr Anbieter wollen einen Teil des Ostergeschäfts für sich beanspruchen, vor allem starke Marken wie Ferrero oder Smarties», räumt Fuchs ein. Diese böten zwar andere Produkte an wie Schoggieier und -hasen, sie gäben aber mehr Geld aus für eine gute Platzierung im Handel. Grösster Zuckereierabnehmer ist die Migros, gefolgt von Detailhändlern wie Volg, Denner und vielen mehr. Die Migros ist mit den Eili zufrieden: Auf Anfrage heisst es, die Dragée-Eili seien nach wie vor beliebt. Konkrete Zahlen werden nicht genannt.

Die Zuckereier werden aber nicht nur in ihrer reinen Form verwendet. Bei der Confiserie Bachmann, einem weiteren Kunden von Zile, dienen sie der Dekoration. «Zuckereili sind in unserem Ostersortiment nicht wegzudenken. Sie haben gegenüber Schoggieili den Vorteil, dass sie farbig und hitzeunempfindlich sind. Diese Eigenschaften sind besonders bei unseren Osterchüechli gefragt, die mit je einem Zuckereili dekoriert werden», sagt Inhaber Matthias Bachmann. Und wieso stellt er nicht gleich selber welche her? «Die benötigte Menge ist relativ gering. Da lohnt es sich mehr, jährlich eine definierte Menge zu beziehen», sagt Bachmann.

Vor Nachahmern muss sich Zile also zurzeit nicht fürchten – weder aus dem In- noch aus dem Ausland. «Identisch aufgebaute Produkte aus dem Ausland sind bis heute keine auf dem Schweizer Markt zu finden», sagt Fuchs. «Es gibt optisch ähnliche Produkte, zum Beispiel von Haribo, diese weisen aber eine komplett andere Konsistenz auf als unsere Zuckereili.»

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