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Zu Hause im digitalen Dorf

Wie die Digitalisierung das Leben verändert, war ein wichtiges Thema am 10. Business Engineering Forum in St. Gallen. Sie führe auch zu einer neuen Organisation von Gemeinschaften, sagte HSG-Professor Hubert Österle.
Kaspar Enz
Hubert Österle erläuterte am Business Engineering Forum seine Vision vom «digitalen Dorf». (Bild: Olivia Hug)

Hubert Österle erläuterte am Business Engineering Forum seine Vision vom «digitalen Dorf». (Bild: Olivia Hug)

ST. GALLEN. Die Informationstechnologie verändert die Welt weiterhin in rasendem Tempo. Heute sind es Smartphones und soziale Netzwerke, die nicht nur Unternehmen vor neue Herausforderungen stellen. Am gestrigen zehnten Business Engineering Forum im Weiterbildungszentrum Holzweid der Universität St. Gallen illustrierte Reinhard Jung, Professor für Wirtschaftsinformatik an der HSG, die Situation folgendermassen: «Vor 20 Jahren war die grosse Frage, wie man Mitarbeitende dazu bringt, ihr Wissen auszutauschen», sagte er. «Den heute 20-Jährigen muss man eher sagen, nicht alles auszutauschen.»

Schon frühmorgens digital

Gestern und heute befassen sich über 150 Teilnehmer an sechs Workshops mit dieser digitale Transformation. Datenqualität, 3D-Druck oder IT im Bankwesen sind die Themen einiger Workshops. Wie weit diese Veränderung auch im täglichen Leben fortgeschritten ist, sei uns oft nicht bewusst, sagte Hubert Österle, Professor am Institut für Wirtschaftsinformatik der HSG, im Workshop «Independent Living». E-Mail, Facebook und SMS sind längst nicht alles: Es beginnt schon morgens beim Wecker.

«Was hier entsteht ist eine neue Organisation von Gemeinschaften», sagte Österle und sprach vom digitalen Dorf. Das Dorf liefere Infrastrukturen, Normen und einen sozialen Rahmen, also eine Heimat. «Und der Bedarf nach Heimat ist gross, denn sie gibt Sicherheit und Wertschätzung.» Die Dorfgemeinschaften seien durch die Globalisierung zerrissen worden, sagte Hubert Österle. Die Digitalisierung und die Wirtschaftsinformatik könnten aber gewisse Funktionen wieder übernehmen: Durch die Vernetzung lokaler Anbieter, durch Tauschbörsen und Kommunikation. «Es gibt aber weiterhin eine physische Umgebung», sagte er. Die Videokonferenz ersetze nicht den Stammtisch.

Ein altes Online-Netzwerk

Beim «Independent Living» – unabhängigem Leben – geht es nicht zuletzt darum, mit Hilfe der Informationstechnologie älteren Menschen das Leben in den eigenen vier Wänden zu erleichtern. Eine Idee, die das deutsche Ehepaar Margit und Karl-Friedrich Fischbach bereits 1998 ahnten, als sie «Seniorentreff.de» ins Leben riefen. «Damals war es noch eine Website mit Gästebuch», sagte Karl-Friedrich Fischbach im Workshop. Heute ist es eine Online-Community mit direktem Draht zu Twitter. «Viele Mitglieder haben dadurch eine Heimat erhalten», sagte Margit Fischbach. Über 12 000 sind es heute und sie treffen sich nicht mehr nur im Internet. «Meine Frau und ich sind so etwas wie die Bürgermeister dieses digitalen Dorfes», sagte Karl-Friedrich Fischbach.

Das Internet macht aber nicht nur unabhängig, sondern es schafft auch neue Abhängigkeiten. Das musste Gerhard Oellinger erfahren, der mit «Mamiweb.de» ein Online-Netzwerk für Mütter gründete. Als Google 2010 seine Suchsysteme änderte, sank der Verkehr auf seiner Website dramatisch – drei Jahre lang. Das digitale Dorf werde in erster Linie noch von grossen Unternehmen gebaut, wie Google oder Apple, sagte Hubert Österle schon vorher. «Die tun das, was Geld bringt. Das ist nicht unbedingt das, was wir brauchen.» Deshalb müssten auch Organisationen der Zivilgesellschaft am digitalen Dorf bauen.

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