Zu Hause arbeitet es sich leichter

Eine Langzeitstudie der Universität Konstanz zeigt, dass sich Angestellte im Homeoffice nicht nur produktiver fühlen. Auch ihre emotionale Erschöpfung ist weniger hoch.

Kaspar Enz
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Zwar schätzt die Mehrheit der Befragten das Homeoffice. Doch der Kontakt zu den Kollegen im Büro ist ebenfalls wichtig.

Zwar schätzt die Mehrheit der Befragten das Homeoffice. Doch der Kontakt zu den Kollegen im Büro ist ebenfalls wichtig.

«Das pandemiebedingte Homeoffice ist wie ein soziales Experiment», schreiben Forscher der Universität in einem neuen Papier zum Thema. Ein grosser Teil der Angestellten und Firmen fanden sich wegen des Lockdowns plötzlich in einer Situation wieder, die sie bis anhin kaum kannten: Wie ist es, wenn man vor allem zu Hause arbeitet?

Einen Trend in Richtung zeitlicher und räumlicher Flexibilität gebe es schon lange, die Pandemie wirkte «wie ein Transformationsbeschleuniger für die Arbeitswelt», schreiben Florian Kunze, Professor für Organisationsentwicklung und seine Mitarbeiter. Sie haben im Frühling begonnen, rund 600 Angestellte im Homeoffice regelmässig nach Leistung und Befinden zu befragen.

Jeder Vierte will nicht mehr ins Büro

Das Experiment scheint weitgehend für Homeoffice zu sprechen. Eine Mehrheit von 56 Prozent möchte weiterhin auch zu Hause arbeiten. Dafür spricht vor allem der Wegfall des Arbeitsweges. Während rund ein Viertel ganz zu Hause arbeiten möchte, wünschen sich die meisten ein balanciertes Modell mit zwei bis drei Tagen zu Hause. Eine deutliche Mehrheit schätzt laut der Studie den Austausch mit den Kollegen. Eine Mehrheit sagt auch, dass die Möglichkeit auf Homeoffice im Fall eines Jobwechsels wichtig sei.

Die neusten Ergebnisse der Konstanzer Homeoffice-Studie zeigen auch die Unterschiede zwischen den Angestellten, die wieder voll im Büro arbeiten, zu jenen, die weiterhin vor allem zu Hause sind: Die Angestellten im Homeoffice fühlen sich demnach nicht nur produktiver. Sie geben auch in geringerem Mass an, unter emotionaler Erschöpfung zu leiden. Dies, obwohl noch im Mai die emotionale Erschöpfung als ein mögliches Problem des Homeoffice identifiziert wurde.

Wenig Unterstützung vom Chef

Während die meisten Arbeitnehmer sich laut der Konstanzer Studie also im Homeoffice wohlfühlen, sind sie mit ihren Arbeitgebern oft weniger zufrieden. Die meisten Arbeitgeber haben demnach die Arbeitnehmer nicht nach ihren Präferenzen im Homeoffice befragt. Nur 16 Prozent gaben an, eine Schulung zum Thema erhalten zu haben. Schon im Mai gaben viele Befragte an, für die neue Situation wenig Unterstützung zu bekommen.