Zölle schützen auch Hochstämmer

Die Mostereien von Ramseier und Möhl laufen derzeit auf Hochtouren. Dreiviertel der Äpfel und Birnen kommen aus der Ostschweiz. Mostereichef Ernst Möhl kritisiert die Überlegungen von Avenir Suisse.

Stefan Borkert
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Der Schweizer Bedarf an Mostobst wird mit dem inländischen Anbau und der Erntemenge gedeckt. (Bild: Ralph Ribi (Roggwil, 6. Oktober 2016))

Der Schweizer Bedarf an Mostobst wird mit dem inländischen Anbau und der Erntemenge gedeckt. (Bild: Ralph Ribi (Roggwil, 6. Oktober 2016))

Er ist schon lange im Mostgeschäft. Ernst Möhl, der zusammen mit seinem Bruder Markus die Mosterei Möhl in Stachen bei Arbon leitet, hat jetzt zur Erntezeit alle Hände voll zu tun. Mit der Mosterei Möhl und der Ramseier Suisse AG in Sursee gibt es hierzulande noch zwei Grossmostereien. Ramseier betreibt im thurgauischen Oberaach eine der grössten Mostereien der Schweiz, denn gut 75% des Schweizer Mostobstes kommt aus den Kantonen Thurgau und St. Gallen. Beim Biosaft ist der Ostschweizer Anteil mit 80% sogar noch höher.

Hochstammbäume prägen hier das Landschaftsbild. Das aber könnte sich ändern. Denn neben dem Feuerbrand haben die Hochstämmer auch bei der Denkfabrik Avenir Suisse anscheinend nicht viele Freunde. Ernst Möhl sagt zu den Gedankenspielen von Avenir Suisse, dass die Landwirtschaft weniger staatlichen Schutz geniessen soll: «Im Ausland, in Polen oder in der Ukraine, ist das Obst viel billiger als in der Schweiz. Dort betragen die Lohnkosten kaum ein Viertel von den Schweizer Löhnen.»

Schlupflöcher werden gesucht und gefunden

Schon jetzt würden Schlupflöcher bei der Einfuhr etwa von billigem Konzentrat gesucht und auch immer wieder gefunden. Derzeit sei das aber kein so grosses Problem. Aber wenn man lese, was Avenir Suisse fordere, dann schon. Denn wenn die Schutzzölle fallen, dann fällen die Bauern auch ihre Hochstämmer, weil mit Mostobst kein Geld mehr verdient wird. «Selbst wenn wir den Bauern nur noch die Hälfte des jetzigen Preises für ihr Mostobst bezahlen, sind wir immer noch teurer», sagt er. Er wäre im Gegenteil froh, wenn noch mehr Hochstämmer gepflanzt würden. Und es wäre gut, wenn mehr Bauern auf Bio umsteigen, denn die Nachfrage nach Biosaft sei ungebrochen hoch. 30 000 Tonnen Mostobst werden dieses Jahr durch die Mosterei Möhl laufen. 8% davon sind Birnen und 92% Äpfel. 80% der Menge wird zu Konzentrat verarbeitet und der Rest vor allem zu Direktsaft für Bio. «Der gesamte Biosaft der Migros kommt von uns», sagt Möhl. Während Möhl an die 40% der gesamten Schweizer Mostobstmenge verarbeitet, entfallen rund 60% auf die Ramseier Suisse AG. Davon werden zwei Drittel in Oberaach und der Rest in Sursee und Kiesen verarbeitet. Insgesamt schätzt der Schweizer Obstverband dieses Jahr die Erntemenge auf 77 000 Tonnen Äpfel und 8700 Tonnen Birnen. Gegenüber dem Vorjahr sind das 17% mehr Äpfel. Die Menge der Birnen ist gleich geblieben.

Ramseierchef Christian Consoni sagt, dass die höhere Erntemenge keine Auswirkungen auf die Verkaufspreise habe. «Relevant für die Preisgestaltung ist das Angebot und die Nachfrage.» Die ausländische Konkurrenz betrachtet er als eine Herausforderung: «Daher versuchen wir unsere Positionierung weiter zu schärfen. Wir setzen bewusst ausschliesslich auf Schweizer Äpfel und Birnen und sind so ein zuverlässiger Partner für über 7000 Bauern in der Schweiz.»