«Heimat» zieht es in die Fremde und hat auch Teetrinker im Visier – der Steinacher Tabakproduzent Roger Koch zeigt sich ehrgeizig und demütig zugleich

Nach der richterlichen Genehmigung des Nachlassvertrags soll es mit der Zigarettenherstellerin Koch & Gsell aufwärts gehen. Gründer und Firmenchef Roger Koch hat «ambitionierte Zukunftspläne» und dabei neue Märkte wie Polen, Dänemark oder vielleicht Österreich sowie neue Produkte wie Snus und Tee im Auge. Und er will auf Finanzierungen aus eigener Kraft setzen, zumindest vorläufig.

Thomas Griesser Kym
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Ausruhen ist nicht: Roger Koch will Gas geben und nach Zigaretten auch Snus und Tee lancieren.

Ausruhen ist nicht: Roger Koch will Gas geben und nach Zigaretten auch Snus und Tee lancieren.

Reto Martin (Steinach, 14. Oktober 2017)

Am Freitag hatte sich der Entscheid des Kreisgerichts Rorschach abgezeichnet, nachdem über 80 Prozent der Gläubiger der Steinacher Firma Koch & Gsell deren Nachlassvertrag zugestimmt hatten. Nun hat auch der Richter den Vertrag genehmigt, wie die Herstellerin der Zigaretten der Marke Heimat am Montag mitteilt.

Damit ist klar: Das 2015 gegründete Unternehmen von Firmenchef Roger Koch kann weitermachen und an seiner Zukunft arbeiten. Ein Anfang ist gemacht: Koch & Gsell, die nach hohen Investitionen in den Maschinenpark und Anlaufschwierigkeiten in der Zigarettenproduktion nicht mehr alle finanziellen Forderungen erfüllen konnte, hat die Betriebskosten und den Personalbestand reduziert, den Umsatz gesteigert, und seit Ende 2019 schreibt man laut Koch schwarze Zahlen.

Neue Märkte in der EU wie Polen, Dänemark oder Österreich

Nun schaut Koch weiter nach vorne. Heimat-Produkte werden bisher in der Schweiz, in Luxemburg und Belgien verkauft. Roger Koch sagt:

«Weitere Märkte folgen in den nächsten Wochen.»

Koch & Gsell habe die Bewilligung erhalten für den Verkauf von Produkten mit dem Hanfwirkstoff CBD in diversen EU-Ländern, und Verhandlungen mit Distributoren seien weit fortgeschritten. Auf Anfrage sagt Koch, er habe bereits die Zulassung für Polen, «wo wir in Bälde verkaufen werden». Und:

«Als Nächstes dürften Dänemark und Österreich folgen, vor allem Letzteres aber noch mit Vorbehalt.»

Koch & Gsell habe zwar für Österreich bereits mit dem grössten Distributor einen Vertrag, «aber das Hin und Her der Politik ist gerade in Österreich ziemlich unberechenbar».

Auch produktseitig tut sich was

Zudem wolle man in den nächsten Wochen und Monaten CBD-Produktneuheiten lancieren, sagt Koch:

«Wir arbeiten an einem CBD-Snus und werden auch einen Tee bringen.»

Weiteres werde folgen, doch das sei noch geheim.

In Aufbruchstimmung: Roger Koch am Freitag vor den Medien in seinem Unternehmen Koch & Gsell.

In Aufbruchstimmung: Roger Koch am Freitag vor den Medien in seinem Unternehmen Koch & Gsell.

Bild: Ralph Ribi (Steinach, 18. September 2020)

Die Infrastruktur steht bereit

Dank der früheren Investitionen seien die Grundlagen geschaffen, um reine Hanf-Pre-Rolls in Zigarettenform industriell fertigen zu können, und man habe genügend Produktionskapazität aufgebaut, um auch Auslandsmärkte bedienen zu können. Roger Koch sagt aber auch:

«Wir haben unsere Lektion gelernt.»

Zwar seien die Ambitionen nach wie vor gross. Aber:

«Wir werden nichts mehr eingehen, was wir nicht aus eigener Kraft finanzieren können.»

Koch ergänzt:

«Auf externe Investitionen verlassen wir uns vorderhand nicht mehr.»

Damit spielt der Gründer und Chef darauf an, dass er vor der per 19. September 2019 beantragten Nachlassstundung vergeblich versucht hatte, nötiges Kapital fristgerecht über Investoren aufzutreiben.

Die Hoffnung auf Investoren lebt weiter

Externem Kapital ganz und für alle Zeiten abschwören will Koch aber nicht. Er hält sich ein Türchen offen:

«Gespräche mit potenziellen Investoren führe ich weiterhin, jedoch mit geringerer Priorität.»

Denn, so Roger Koch einsichtig:

«Wir müssen Mass halten - so etwas wie das letzte Jahr möchten wir alle nicht noch einmal erleben.»

Das dürfte auch für die Gläubiger gelten. Der Nachlassvertrag sieht vor, dass sie drei Viertel ihrer alten Forderungen erhalten und sich das restliche Viertel ans Bein streichen.

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