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«Zeichen der Zeit erkannt»

Der St. Galler Unternehmer Ferdinand Rüesch hat seine Gallus Gruppe an die Heidelberger Druckmaschinen verkauft und wird deren grösster Einzelaktionär – auch wenn der deutsche Riese in den letzten Jahren stark schlingerte.
Kaspar Enz
Ferdinand Rüesch ist der neue Ankeraktionär bei Heidelberg. (Bild: Kaspar Enz)

Ferdinand Rüesch ist der neue Ankeraktionär bei Heidelberg. (Bild: Kaspar Enz)

ST. GALLEN. Ferdinand Rüesch läuft durch die Montagehalle der Gallus, stolz zeigt er das Paradestück des Unternehmens. Eine Druckmaschine, mehr als zehn Meter lang. Sie leitet das Papier über unzählige Rollen von einem Druckwerk zum nächsten, bis sie am Ende die fertigen Etiketten aufrollt. «Man kann die verschiedenen Verfahren auswählen und auswechseln», sagt Rüesch. Diese modulare Bauweise «macht uns einzigartig. Hier sind wir führend». Und während die meisten Hersteller von Druckmaschinen in den letzten Jahren darbten, hat Rüesch wenig Grund zur Klage. «Der Verpackungsdruck ist ein solider Markt», sagt er. «Ein Sandwich können Sie ja nicht in einen Laptop einpacken.»

Trotzdem hat Ferdinand Rüesch das Unternehmen, das sein Grossvater 1923 gegründet hatte, nun verkauft. Die 70 Prozent, die Rüesch am Unternehmen hielt, gehen an die Heidelberger Druckmaschinen, die bereits bis anhin 30 Prozent an der Gallus Holding AG hielten. Im Gegenzug bekommt Rüesch ein Aktienpaket von neun Prozent an der Heidelberger Druckmaschinen AG.

Allerdings sieht Ferdinand Rüesch das Geschäft nicht als Verkauf. «Ich stecke ja nicht den Check ein und verreise», sagt er. Er bleibe weiter unternehmerisch tätig. Er ist mit seinen neun Prozent am Druckmaschinen-Riesen grösster Einzelaktionär bei Heidelberg. «Was sich ändert, ist meine Visitenkarte.» Statt «Eigentümer» stehe da bald «Ankeraktionär». Dabei bleibt er Vizepräsident des Verwaltungsrats der Gallus Gruppe und operativ ist er weiter als Key-Account-Manager tätig. Er will «nahe am Kunden bleiben», sagt er.

Ein geschrumpfter Riese

Allerdings ist Rüesch damit bei einem Unternehmen eingestiegen, das in den letzten Jahren deutlich in Schieflage geraten war. Jahrelang schrieb Heidelberg Verluste, zum Teil in dreistelliger Millionenhöhe. Der Umsatz ist von 3,8 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2006/2007 auf noch 2,4 Milliarden gesunken. Von den einst 20 000 Mitarbeitenden sind noch 13 000 übrig.

«Ein riesiges Schiff»

Doch Ferdinand Rüesch glaubt, dass seine Gallus auch beim angeschlagenen Riesen eine Zukunft hat. Denn «Heidelberg hat die Zeichen der Zeit erkannt». Im Geschäftsjahr 2013/2014, dessen Resultate erst kürzlich veröffentlicht wurden, machte Heidelberg erstmals wieder Gewinn. Mit vier Millionen Euro scheint der im Vergleich zum Umsatz zwar mickrig. Aber Gerold Linzbach, seit 2012 an der Spitze von Heidelberg, «muss ein riesiges Schiff umlenken. Das ist so schnell gar nicht möglich.»

Ausserdem sei Heidelberg schon seit 15 Jahren ein wichtiger Partner gewesen. Und die beiden hegen grosse Pläne. Seit 1986 wollte Gallus schon dreimal in den Digitaldruck für Etiketten und Verpackungen einsteigen. Zusammen mit Heidelberg und der japanischen Fujifilm soll es jetzt im vierten Anlauf gelingen. Bisher sei die Technologie noch zu wenig weit entwickelt gewesen. «Doch die Inkjet-Technologie hat eine ähnliche Evolution durchgemacht wie die digitale Fotografie.» Während Fujifilm den Druckkopf liefern soll, wäre Gallus bei dieser Zusammenarbeit für den Bahnlauf zuständig. So hofft Rüesch, dass man gegen Digitaldruck-Giganten wie HP oder Ricoh ankommen kann. Denn der Digitaldruck habe Vorteile gegenüber den traditionellen Verfahren: «Man braucht keine Druckplatten mehr, man ist flexibler und kann etliche Schritte auslassen», sagt Rüesch.

Türöffner für Gallus

Ein vollständiger Verkauf der Gallus sei dafür nicht notwendig gewesen, sagt Ferdinand Rüesch. Aber es sei gut, einen grösseren Partner zu finden, bevor der Zug abgefahren sei. Gallus könne vom neuen Eigentümer nicht nur beim Eintritt in den Digitaldruck profitieren. «Heidelberg ist in 170 Ländern präsent», sagt Rüesch. Viele von ihnen seien für das St. Galler KMU bisher weisse Flecken gewesen. Über diese Vertriebsnetze könne Gallus nun auch diese bedienen. Denn «der Name Heidelberg öffnet Türen».

Doch auch für Heidelberg sieht Ferdinand Rüesch als neuer Aktionär eine bessere Zukunft dank der Übernahme, gerade in der Verpackungsindustrie. «Verpackungen sind eine vielschichtige Welt. Und sie werden nicht durch digitale Medien ersetzt», sagt er. Im Gegenteil: Neue Technologien und neue Anwendungen öffneten hier neue Möglichkeiten, zum Beispiel beim Drucken von RFID-Etiketten oder fälschungssicheren Elementen auf Schachteln, Etiketten oder Tuben. Hier kann die Gallus Gruppe, die in St. Gallen Druckmaschinen für Etiketten und in Deutschland solche für Faltschachteln produziert, ihr Know-how einbringen.

Mit oder ohne Aktientausch

Trotz des Verkaufs werde Gallus aber in St. Gallen bleiben, sagt Ferdinand Rüesch. «Der Standort Schweiz hat weiter seine Berechtigung.» Was nicht heisse, dass in St. Gallen alles beim Alten bleibe. «Hier und da werden wir Anpassungen vornehmen und Kosten sparen», sagt Rüesch. «Wir werden uns fragen, wo wir mehr als bisher von Heidelberg profitieren können.» Die Aufgabe bleibe dieselbe. «Wir müssen ein profitables Unternehmen betreiben, mit oder ohne Aktientausch.»

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