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Zehn Jahre bis zur Erbschaft, die wir unseren Kindern und Enkeln hinterlassen

Deutlich mehr Nachhaltigkeit tut not: Dieser Ansicht ist der Bühler-Konzern und steckt sich ehrgeizigere Ziele. Dabei geht es unter anderem darum, dank neuster Technologien Wasser und Energie zu sparen und Abfall zu reduzieren. Und zwar in einem grösseren Ausmass als bisher geplant.
Thomas Griesser Kym
Die neue Bühler-Getreidemühle Mill E3 mit integriertem Vermahlungssystem, was die Installation erleichtert. (Bild: PD)

Die neue Bühler-Getreidemühle Mill E3 mit integriertem Vermahlungssystem, was die Installation erleichtert. (Bild: PD)

7,7 Milliarden – etwa so viele Menschen leben heute auf der Erde. Im Jahr 2050 dürften es 9 Milliarden sein. Doch diese Schätzung ist drei Jahre alt. Heute gehen Wissenschafter eher von 9,8 Milliarden aus. Die stetige Zunahme der Weltbevölkerung stellt immer neue Anforderungen: an den Klimaschutz, an die Nachhaltigkeit, an den Ressourcenverbrauch. Doch wir leben über unsere Verhältnisse. Heute konsumieren wir 1,75-mal so viel Rohstoffe, wie die Erde reproduzieren kann, und jedes Jahr kommt jener Tag, an dem wir jeweils auf Kosten künftiger Generationen leben, früher.

Bühler-Technologiechef Ian Roberts. (Bild: Urs Bucher)

Bühler-Technologiechef Ian Roberts. (Bild: Urs Bucher)

Das weiss auch der Technologiekonzern Bühler. Er hat zwei Spannungsfelder mit beträchtlichen Herausforderungen punkto Nachhaltigkeit identifiziert. Das eine ist die Herstellung von Lebens- und Futtermitteln, das andere die Mobilität. Bühler-Technologiechef Ian Roberts fasst es in deutliche Worte: «Die kommenden zehn Jahre werden darüber entscheiden, welches Erbe wir den zukünftigen Generationen hinterlassen.» Als global aktiver Industriekonzern will Bühler Teil der Lösung sein und nicht Teil des Problems», sagt Konzernchef Stefan Scheiber. Das Unternehmen hat deshalb diese Woche drei Jahre nach der Premiere erneut zu den Bühler Networking Days geladen.

Einsparziele von 30 auf 50 Prozent aufgestockt

Bühler-Konzernchef Stefan Scheiber. (Bild: Urs Bucher)

Bühler-Konzernchef Stefan Scheiber. (Bild: Urs Bucher)

Dem Ruf gefolgt sind 800 Teilnehmende von 500 Firmen aus 80 Ländern. Diese Unternehmen ernähren 4 Milliarden Menschen und halten 1 Milliarde mobil, wie Scheiber sagt. Die Networking Days bezwecken, Industrien zusammenzubringen und Lösungen zu diskutieren. Denn angesichts der Herausforderungen seien solche nur durch Kooperationen der besten Talente möglich. Daher setzt auch Bühler auf eigene Ausbildung mit gut 600 Lernenden unter den weltweit gut 13000 Mitarbeitenden. Oder mit Start-ups im hauseigenen, 50 Millionen Franken teuren Innovationscampus Cubic am Hauptsitz in Uzwil. Oder mit Kollaborationen mit anderen Betrieben, mit Universitäten und Hochschulen.

Bühler hatte sich als Beitrag zur Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben, seine Prozesslösungen zur Verarbeitung oder Herstellung von Nahrungsmitteln sowie für technische Anwendungen wie die Produktion von Druckgussteilen oder von Elektrodenpaste für Lithium- Ionen-Batterien um 30 Prozent sparsamer zu gestalten. Dies mit Blick auf den Energieverbrauch und den anfallenden Abfall. Doch das ist Schnee von gestern: «Wir sind zum Schluss gekommen, dass diese ursprünglichen Nachhaltigkeitsziele nicht hoch genug sind», sagt Roberts. Deshalb hat Bühler nun die Einsparziele auf je 50 Prozent erhöht und im gleichen Umfang um den Aspekt Wasserverbrauch erweitert. Auf diese neuen Zielwerte wolle man die Forschung und Entwicklung sowie Allianzen mit Dritten fokussieren.

Eine neue Mühle, kompakter und besser als die alte

An den Networking Days hat Bühler auch Entwicklungen präsentiert, die bereits zu Nachhaltigkeitszielen beitragen. So beispielsweise eine neue Generation Getreidemühlen namens Mill E3. Dank neuster Technologien ist eine solche Mühle um 30 Prozent kleiner als eine herkömmliche Mühle, wie sie über Jahrzehnte laufend lediglich betreffend Komponenten und Prozessen optimiert worden war.

Wie Roberts sagt, passt eine Mill E3 in ein dreistöckiges statt in ein fünf- oder sechsstöckiges Gebäude, ist dank vormontierter Module um 30 Prozent rascher installiert und spart dank eines integrierten Vermahlungssystems 10 Prozent Energie. Auch punkto Ausbeute der Ernte, Sicherheit der Mehlherstellung und Hygiene setze die Mill E3 neue Standards. Das grösste britische Müllereiunternehmen Whitworths setzt als erster Kunde auf die neue Mühle, die Ende 2020 fertig sein soll. Im Rahmen eines Pilotprojekts soll sie die bisher papierbasierte Rückverfolgung des Getreides bis zu den Bauern durch eine digitale Lösung mit einer Blockchain ablösen. Die Daten der Mühle werden auf Bühlers Cloud-Service hochgeladen, der auf der Plattform Microsoft Azure basiert.

Erst Kaffee trinken, dann die Tasse essen

Eine andere Innovation sind Projekte mit der holländischen Protix zur Verarbeitung von Insektenlarven zu proteinreichem Futtermittel. Eine erste Anlage für die Schwarze Soldatenfliege ist seit Juni in Betrieb, nun ist eine zweite geplant für den Mehlwurm. Als weitere Innovation gilt eine spezielle Extrusionstechnik zur Herstellung von Fleischersatz aus Hülsenfrüchten. Den Journalisten wurde an den Networking Days Kaffee in einer essbaren Tasse aus Teig serviert, gebacken auf einer Anlage der Wiener Bühler-Tochter Haas. Wasser wurde dann aber doch in Wegwerfbechern gereicht. Wenn auch in kompostierbaren.

Bühler kooperiert mit Premier Tech

Mit dem kanadischen Technologiekonzern Premier Tech hat Bühler eine strategische Zusammenarbeit vereinbart. Demnach wollen die beiden Unternehmen in China im Rahmen eines für 2020 geplanten Joint Ventures ein Kon­struktions- und Produktionszentrum für Verpackungsanlagen aufbauen. Mit diesen will man Bühlers Anlagen für die Getreideverarbeitung kombinieren und so bessere schlüsselfertige Systeme bieten.

Automatisierte Verpackungstechnologien, die eine Spezialität von Premier Tech sind, sollen das manuelle Verpacken ersetzen, das in der Getreideverarbeitung vor allem in Schwellenländern noch immer häufig angewendet werde. Das aber sei unwirtschaftlich, teuer, langsam sowie unpräzise punkto Füllgewicht. (T. G.)

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