Hotellerie
Yachten und Jets waren gestern: Das Statussymbol ist ein Luxushotel

Von wegen Super-Yacht. Heute zählt als Statussymbol ein protziges Luxushotel. Ein grosser Teil der Schweizer Hotelperlen befindet sich heute in den Händen von vermögenden Erben oder neureichen Unternehmern aus dem Ausland.

Roman Seiler
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Bürgenstock-Resort: Wiedergeburt für 500 Millionen Franken. Keystone

Bürgenstock-Resort: Wiedergeburt für 500 Millionen Franken. Keystone

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Auto-Händler Walter Frey zählt dazu, die Saudi-Milliardäre Al Waleed bin Talal und Abulaziz Al Sulaiman, Formel-1-Zar Bernie Ecclestone und die deutsche Verlagserbin Ute Funke. Sie alle besitzen in der Schweiz eine Edelherberge (siehe Tabelle unten).

Hotelier Andrea Scherz, dessen Familie seit drei Generationen das Fünf-Stern-Hotel «Gstaad Palace» besitzt, sagt dazu: «Früher leisteten sich vermögende Leute eine Jacht oder ein Flugzeug. Jetzt investieren sie in Hotels. Die reichsten Mäzene besitzen sogar alle diese Dinge.»

Hotel-Fans scheuen keine Kosten

Als Unternehmer waren sie stets auf der Hut vor zu hohen Kosten, drückten Löhne und Einkaufspreise. Leisten sie sich dann ihren Traum und übernehmen ein Hotel, scheuen sie oft keine Kosten.

Wie der Devisenhändler Urs Schwarzenbach. Der in Küsnacht ZH aufgewachsene Sohn eines Druckereibesitzers lebt heute in Grossbritannien. Er liess den britischen Star-Architekten Sir Norman Forster mehr als 400 Millionen in den Umbau des Dolder Grand hoch über Zürich stecken.

Heute erwirtschaftet das Hotel mit 173 Zimmern auf der Ebene Betriebsergebnis zwar schwarze Zahlen. Aber die Abschreibungen lassen sich genauso wenig finanzieren wie das Kapital. Daher schreibt das Hotel Jahr für Jahr hohe Verluste. 2012 belief er sich auf 21 Millionen Franken – bei einem Umsatz von 57 Millionen!

Immobiliendeals als Finanzquelle

Daher sagt Andrea Scherz: «Wir kämpfen mit ungleichen Spiessen.» Er weiss, wovon er spricht: Seine Konkurrenten im Fünf-Stern-Bereich in Gstaad sind alle Multi-Millionäre oder gar Milliardäre. Gerade mal ein Jahr ist nun das «Alpina» wieder offen.

Der mit Immobiliendeals in Gstaad reich gewordene Marcel Bach und der französische Industrielle Jean-Claude Mimran butterten mehr als 300 Millionen in den Neubau mit lediglich 56 Zimmern und Suiten.

Einen Teil der Kosten finanzieren sie mit dem Verkauf von Luxusapartments und zwei Chalets. Gekauft haben soll sie der russische Rohstoffhändler Dmitri Rybolowlew – angeblich für 100 Millionen Franken.

Logisch, dass im «Alpina» an nichts gespart worden ist. Als Berater engagierten die zwei Besitzer Onno Portier, den Ex-Präsidenten der Peninsula-Hotels. Als Aushängeschilder des Hotels leisten sie sich das «Megu», ein exklusives Lokal mit zwei Meistern der japanischen Küche.

Auch wenn das wohl höchstens während rund fünf Wochen richtig brummt. Chefkoch ist Markus Lindner, der sich im Zürcher Restaurant «Mesa» 18 Gault-Millau-Punkte und zwei Michelin-Sterne erkocht hat.

Schweizer Hotels: Stabile Wertanlage

Der Präsident des Branchenverbands Hotellerie Suisse, Guglielmo Brentel, sagt: «Für ausländische Investoren sind Schweizer Immobilien eine attraktive und stabile Wertanlage.»

Langfristig rentiere das. «Das führt aber auch zu einem verschärften Wettbewerbsumfeld für Hoteliers», sagt er, «die in diesem Geschäft ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.»

Das ist schwierig in einem Geschäft, in dem es gilt, einen grossen Teil des Umsatzes laufend in den Unterhalt einer komplexen Immobilie zu reinvestieren.

Wer das verschläft, kann irgendwann den Nachholbedarf nicht mehr finanzieren und muss sich von seiner Herberge trennen. Bei anderen haperte es bei der Regelung der Erbteilung, weil die Nachkommen Kasse machen wollten. Oder keine Nachfolger da waren.

Aus Liebe zur Schweiz

In die Lücke sprangen Manager und Unternehmer, die in anderen Branchen ihr Geld gemacht hatten. «Wenn es diese vermögenden Mäzene nicht gäbe», sagt Brentel, «hätte die Schweiz weniger Leuchttürme in der Hotellerie. Daher ist es mir lieber, sie investieren hier als in Österreich.»

Aus «Liebe zur Schweiz» machten sie dies: Sie glauben an die Zukunft des hiesigen Tourismus. Dazu zählt gar ein Staatsfonds von Katar.

Emir Hamad Al Thani steckt gegen 500 Millionen Franken in die Rundum-Erneuerung des Resorts auf dem Bürgenstock hoch über dem Vierwaldstättersee und reanimiert damit eine Schweizer Hotellegende.

Logisch, dass sich diese Superreichen auch eine Schlacht um den exklusivsten Wellnessbereich liefern.

So engagierte der im Detailhandel reich gewordene Deutsche Karl-Heinz Kipp den Tessiner Star-Architekten Mario Botta und liess ihn in seinem «Tschuggen» in Arosa GR eine «Bergoase» für 35 Millionen bauen.

Straumann sucht Käufer

Manchmal wird es teurer als geplant: So liess Alexander Schärer, dessen Familie mit USM-Büromöbeln ein Vermögen gemacht hat, den Zermatter Künstler Heinz Julen auf dessen Boden ein Hotel bauen.

Kurz nach der Eröffnung verkrachten sich die beiden und die 30-Millionen-Baute verkam im Nu zur Ruine. Nach der Investition von weiteren 30 Millionen Franken kam es zur Wiedereröffnung des «Omnias» mit 30 Zimmern.

Schwierig wird es dann, wenn diese Liebhaber-Objekte wieder abgestossen werden müssen. Der Medtech-Unternehmer Thomas Straumann hat in Gstaad das «Bellevue» und in Basel das «Trois Rois» am Rhein für gegen 100 respektive 150 Millionen Franken übernommen und umgebaut.

Um sich wieder voll auf seine schwächelnde Zahnimplantat-Herstellerin Straumann konzentrieren zu können, sucht er seit Herbst 2012 Käufer für seine beiden Edelherbergen.

Das «Bellevue» nahmen ihm sein Weggefährte Rudolf Wyss und dessen Schwiegersohn Daniel Koetser, ein Hotelfachmann, ab. Das ging aber nicht ohne Abschreiber. Das ist halt so, wenn man als Mäzen agiert.

Das exklusive Hobby der Reichen Diese Millionäre und Milliardäre besitzen in der Schweiz ein Luxushotel

Hamad Al Thani: Der Emir von Katar kaufte über einen Staatsfonds den Schweizerhof in Bern, das Bürgenstock-Resort NW und das Royal Savoy in Lausanne.

Jürgen Grossmann: Der Ex-Chef des Energiekonzerns RWE löste Alexander Stoffel (Nahrungsmittelfirma Hügli) als Besitzer des Kulms in Arosa GR ab. In Osnabrück D betreibt er das Sterne-Restaurant La Vie.

Hortense Anda-Bührle und die Kinder des 2012 verstorbenen Waffenindustriellen Dieter Bührle zählen über die IHAG Holding den Storchen in Zürich und das Castello del Sole in Ascona TI zu ihren Beteiligungen.

Daniel Borer: Der Arzt und Rolex-Erbe besitzt das Giardino in Ascona TI und das Giardino Mountain in Champfèr GR.

Hans-Ueli Regius: Der Ex-Chef des Krankenversicherers Swica führt in Guarda GR das Romantica Val Tuoi.

Peter Pühringer: Der österreichische Vermögensverwalter kaufte 2009 dem deutschen Pudding-König Rudolf-August Oetker das Park Hotel Vitznau ab.

Luitpold von Finck: Der Spross des Münchner Milliardärsfamilie kontrolliert die Mövenpick-Gruppe und damit auch deren Hotels.

Martin Denz: Der in der Frachtschifffahrt tätige Reeder erwarb 1997 das Park Weggis am Vierwaldstättersee.

Ute Funke: Die Tochter eines Zeitungskönigs aus dem Ruhrpott ist Besitzerin des Palace & Spa in Lausanne - zusammen mit dem Hotelier Jean-Jacques Gauer.

Thomas Schmidheiny: Der Industrielle und Grossaktionär von Holcim hält rund 70 Prozent am Grand Resort Bad Ragaz SG.

Marcel Bach und Jean-Claude Mimram: Der Immobilienhändler und der französische Industrielle liessen das 2012 eröffnete Alpina in Gstaad bauen.

Al Waleed bin Talal: Der Saudi-Prinz kontrolliert mit Microsoft-Gründer Bill Gates die Hotel-Kette Four Seasons und damit auch das Les Bergues in Genf.

Donata Bertarelli Späth: Die Schwester von Ernesto Bertarelli übernahm das Grand Hotel Park in Gstaad BE. Dem Clan gehörte der Pharmakonzern Serono.

Hans-Rudolf Wyss und Hans Peter Fontana: Der Hauptaktionär der Bad Schinznach AG und der Architekt kontrollieren das Waldhaus Flims.

Willy Michel: Der Medtech-Industrielle besitzt das Stadthaus und das Berchtold in Burgdorf und mit der Familie Schneider-Ammann das Alpenland in Lauenen.

Walter Frey: Der Autohändler und Ex-SVP-Nationalrat erbte von seinem Vater Emil das Hotel Bad Horn am Bodensee.

Abdulaziz Al-Sulaiman: Der saudische Banker beteiligte sich bereits 1961 am Bau des Genfer Intercontinental.

Alexander Lebedew: Der russische Politiker und Oligarch kommt mit dem Chateau Gütsch in Luzern nicht vom Fleck.

Antoine Hubert und Michel Reybier: Die Aevis-Holding-Eigner wollen die Victoria-Jungfrau Collection übernehmen. Zu ihr zählen das Victoria-Jungfrau in Interlaken und das Eden au Lac in Zürich. Der Aevis gehört die Klinikgruppe Genolier. Eine Reybier-Firma besitzt das La Réserve in Genf.

Karl-Heinz Kipp: Dem deutschen Milliardär, einst ein Detailhändler, gehören das Tschuggen und das Valsana in Arosa, das Carlton in St. Moritz GR sowie das Eden Roc und das Carcani in Ascona. Den Spa im Tschuggen liess er für 35 Millionen Franken vom Star-Architekten Mario Botta bauen.

Familie Landolt: Die Nachfahren der Gründer der heute in den Novartis-Konzern integrierten Pharmafirma Sandoz halten über die Sandoz-Stiftung das Beau-Rivage und Angleterre in Lausanne, das Riffelalp Resort ob Zermatt VS sowie das als Pfahlbaute am Neuenburgersee für die Expo.02 erstellte Palafitte.

Bernie Ecclestone und Marco Piccinini: Der Formel-1-Zar und der Ex-Ferrari-Rennleiter sind die Eigner des Olden in Gstaad.

Andreas Rihs: Der Gründer des Hörgeräte-Herstellers Sonova investierte in die Marina Lachen am Zürichsee.

Alexander Schärer: Der Sohn des Büro-Möbel Pioniers Paul Schärer ist Eigentümer des Omnia in Zermatt. Ursprünglich baute es der Künstler Heinz Julen.

Thomas Straumann: Der Medtech-Unternehmer sucht einen Käufer für das Trois Rois in Basel. Das Bellevue in Gstaad verkaufte er 2012 an den Medtech-Milliardär Rudolf Maag und dessen Schwiegersohn Daniel Koetser.

Philip und Spyros Niarchos: Den Söhnen des griechischen Reeders Stavros Niarchos gehören das Kulm in St. Moritz und der Kronenhof in Pontresina GR. Zudem kontrolliert der Clan die Corvatsch-Bahnen im Engadin.

Urs Schwarzenbach: Der an der Zürcher Goldküste aufgewachsene Milliardär butterte über 400 Millionen Franken in den Umbau des Dolder in Zürich. Daneben ist er am Suvretta House in St. Moritz und an der Sonne in Küsnacht ZH beteiligt.

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