«Wunsch schon lange vorhanden»

Fertiges Essen nach Hause oder an den Arbeitsplatz sowie Pakete mit Zutaten zum Selberkochen – die Entwicklung werde weiter an Fahrt gewinnen, sagt Karin Frick vom Gottlieb-Duttweiler-Institut.

Pieter Poldervaart
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Karin Frick Leiterin Research beim Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) (Bild: pd)

Karin Frick Leiterin Research beim Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI) (Bild: pd)

Schnell verköstigen, am besten nah am Arbeitsplatz, aber dennoch gesund – ein Trend mit Zukunft?

Karin Frick: Wer etwas auf sich hält, isst gut, gesund und lokal – auch wenn man nur wenig Zeit hat. Wie das GDI in verschiedenen Studien gezeigt hat, zeichnet sich der Wunsch nach schnellem und gesundem Essen schon lange ab. Eigentlich hat es sehr lange gedauert, bis die Anbieter endlich ernsthaft auf die Nachfrage nach gesundem Fast Food reagiert haben.

Entsteht hier Konkurrenz zur ohnehin gebeutelten Gastronomie?

Frick: Der Trend zu gesundem und bewusstem Essen wächst und breitet sich aus, er ist sozial ansteckend: Wenn im Büro die coolsten Kollegen, besonders auch Männer, plötzlich gesundes Essen bestellen, probieren das andere auch. Der durchschnittliche Tagesbedarf an Kalorien bleibt allerdings gleich. Wenn neue Anbieter auftauchen, nimmt darum auch der Kampf um die Kunden zu.

Wie kann sich die Gastronomie gegen solche Trends verteidigen?

Frick: Sie kann mehr gesunde Mahlzeiten anbieten und neue Auslieferungsformate aufbauen, sei dies im Verbund mit anderen Anbietern oder sei dies via Dritte wie Eat oder Uber Eats.

Ist es nicht ein logistischer Unsinn, wenn mittelfristig ein halbes Dutzend verschiedene Essenslieferanten in den Bürogängen zirkulieren?

Frick: Die Logistik ist der entscheidende Faktor für den Erfolg der Lieferdienste, dafür müssen die Produzenten zusammenarbeiten. Mittelfristig werden wohl nur zwei, drei Lieferanten übrig bleiben, welche die Ware von verschiedenen Nischenproduzenten vertreiben und verteilen. Vermutlich werden die firmeneigenen Verpfleger dagegenhalten: Sie werden selber vermehrt mit lokalen Produzenten zusammenarbeiten und ihre Gerichte vor Ort mit frischen, lokalen Rohstoffen zubereiten.