WIRTSCHAFTSSTANDORT: Schweizer Industrie in aussichtsreicher Position

Dank eines festen Fundaments haben die hiesigen Produzenten auch weiterhin gute Chancen. Doch die Metamorphose des Werkplatzes zum Denkplatz hält an.

Thomas Griesser Kym
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Forschung bei Roche. Die Forschungs- und Entwicklungsquote der Schweizer Industrie liegt über dem globalen Durchschnitt. (Bild: PD)

Forschung bei Roche. Die Forschungs- und Entwicklungsquote der Schweizer Industrie liegt über dem globalen Durchschnitt. (Bild: PD)

Thomas Griesser Kym

«Trotz des ungünstigen Wechselkurses hat die Produktionslandschaft gute Aussichten – dank einer soliden wirtschaftlichen Grundlage.» Zu dieser Einschätzung über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Schweiz gelangt die Universität St. Gallen. Für die Studie «Swiss Manufacturing Survey» hat das Institut für Technologiemanagement (Item-HSG) 247 Industriefirmen aus 14 Branchen befragt. 80 Prozent der involvierten Betriebe sind KMU mit weniger als 250 Beschäftigten.

Einer der zentralen Befunde: Schweizer Produktionsstätten sind wegen des starken Frankens und relativ hoher Löhne im Mittel 37 Prozent teurer als auslän­dische Werkplätze. Bei KMU ist dieser Nachteil mit 43 Prozent viel ausgeprägter als bei Grossfirmen (20 Prozent). Das mag etwa damit zusammen­hängen, dass Grossfirmen mehr Möglichkeiten haben, Vorleistungen günstiger im Ausland zu beziehen.

Dennoch ist, so Studienautor Thomas Friedli, «in der Schweiz immer noch eine breite Produktionsbasis vorhanden». Zum einen haben viele Unternehmen als Folge des Frankenschocks ihre Produktivität gesteigert, Kosten gesenkt – auch durch Verlagerungen ins Ausland, was weiterhin 46 Prozent der Firmen erwägen – und Innovationen forciert. Zum anderen werden Produkte aus der Schweiz gegenüber ausländischen Konkurrenzerzeugnissen bezüglich «Qualität, Lieferzuverlässigkeit und Innovationsfähigkeit als überlegen eingeschätzt». Schweizer Qualitätsprodukte seien gefragt, so die Studie – egal, ob es sich um Nahrungsmittel, Sackmesser, Luxusuhren oder Hightech-Maschinen handle. Allerdings sei mittlerweile die Marke Made in Switzerland «ein untergeordnetes Kaufkriterium». Das erleichtere Firmen Verlagerungsentscheide. Unternehmen machen diese Erfahrung schon länger: Was zählt, ist Made by ABB oder Made by Nestlé. Jedoch erwarten und schätzen die Kunden erstklassige Qualität und Topservice, egal wo die Schweizer Firmen ihre Produkte herstellen.

Laut der Studie sind heute gut die Hälfte der Arbeitsplätze in Schweizer Produktionsbetrieben in Fertigung und Montage angesiedelt. Friedli geht davon aus, «dass dieser Anteil künftig eher abnehmen wird». Der Schweizer Werkplatz wandelt sich also, und das seit geraumer Zeit, immer mehr vom Werk- zum Denkplatz. In der Regel bleibe den hiesigen Standorten «ihre führende Rolle im Engineering sowie im Aufbau und Transfer strategisch wichtigen Wissens in andere Werke». Somit nehme der Anteil an Mitarbeitenden in Forschung & Entwicklung sowie in den Services an den Schweizer Standorten weiter zu – was die herausfordernde Suche nach qualifizierten Fachkräften weiter intensiviere.