Wirtschaftsraum ohne Biss

Heute startet die südostasiatische Wirtschaftsgemeinschaft AEC. Doch zu einem echten Binnenmarkt der dynamischen Region ist es ein weiter Weg.

Frederic Spohr
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BANGKOK. Für die zehn Mitgliedstaaten der Asean (Association of Southeast Asian Nations) ist heute ein historisches Datum: Die südostasiatische Wirtschaftsgemeinschaft AEC (Asean Economic Community) tritt formal in Kraft. Seit über einem Jahrzehnt haben die zehn Staaten darauf hingearbeitet, nun ist der einheitliche Wirtschaftsraum da – zumindest auf dem Papier. Denn faktisch ändert sich heute nicht viel. Unter anderem sollen länderübergreifend die Abschlüsse von acht Berufsgruppen anerkannt werden und weitere Zölle fallen – von denen es in der Region ohnehin kaum noch welche gibt. Malaysias Premier Najib Razak nennt den Beginn trotzdem «einen Meilenstein» in der Geschichte Südostasiens. Auch andere Regierungen feiern die Symbolik des Tages – denn theoretisch könnte er der Start von etwas Grossem werden.

Viele Probleme bleiben

Insgesamt leben in der Wirtschaftszone 625 Millionen Menschen. Die Wirtschaftsleistung ist schon jetzt fast so hoch wie jene Grossbritanniens, aber bei einer jährlichen Wachstumsrate von rund 5%. Mitglieder sind aufstrebende Länder wie Vietnam oder die Philippinen, Thailand, Indonesien, Malaysia, Singapur und Brunei sowie Kambodscha, Laos und Burma.

Doch von einem echten Binnenmarkt sind die Staaten noch weit entfernt. Es bleiben viele nichttarifäre Handelshemmnisse: Durch Produktenormen und andere Regeln schotten sich die Länder weiter ab. Das Generalsekretariat der AEC listet 3900 solcher Hürden auf. Auch der Austausch von Dienstleistungen ist stark eingeschränkt. Noch hat jedes Land auch individuelle Handelsregeln mit Drittstaaten.

Die Deutsche Aussenhandelskammer verweist deswegen darauf, dass die AEC hauptsächlich für Produzenten vor Ort interessant ist und weniger für Unternehmen, die Waren nur exportieren wollen. Noch halten sich Deutsche oder Schweizer mit Investitionen zurück, Amerikaner und Japaner sind viel aktiver.

Staaten geben keine Macht ab

Die Barrieren zwischen den Staaten zu knacken, wird diffizil, weil die AEC keine Sanktionen und keine schlagkräftige Verwaltung kennt. Zudem sind die Staaten höchst unterschiedlich: Singapur gehört zu den reichsten Staaten der Erde, Burma zu den ärmsten. Problematisch ist auch, dass das ökonomische Schwergewicht Indonesien eine traditionell protektionistische Handelspolitik verfolgt.

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