Wirtschaft braucht keinen Papiertiger

Zur Sache

Fabian Fellmann
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Frauen verdienen in der Schweiz 7,4 Prozent weniger als Männer. Das muss sich ändern: Die Frauen haben Anspruch auf gleiche Entlöhnung für gleiche Arbeit. Die Frage ist, wie sich dieses Recht verwirklichen lässt.

36 Jahre nach Einführung des Gleichheitsgebots sei es an der Zeit, es umzusetzen, sagte Bundesrätin Simonetta Sommaruga gestern. Der Bundesrat will grosse Firmen ein wenig an die Kandare nehmen. Sie sollen alle vier Jahre eine Lohnanalyse machen lassen, die sie den Mitarbeitern kommunizieren müssen. Damit will die Landesregierung Druck auf die Unternehmen erzeugen: Zeigt die Analyse eine Diskriminierung, werden Firmen gezwungen, darauf zu reagieren, lautet ihr Kalkül. Bussen oder andere Sanktionen sind jedoch nicht vorgesehen.

Mit anderen Worten: Der Bundesrat schlägt vor, einen Papiertiger zu schaffen, auch wenn Bundesrätin Sommaruga dies gestern in Abrede stellte. Zwar führen Lohnanalysen in der Tat oft dazu, dass Unter­nehmen die Salärstruktur korrigieren. Warum aber braucht es dafür einen gesetz­lichen Zwang? Die Wirtschaft muss und wird selbst dafür sor­gen, dass sie für gleiche Arbeit gleichen Lohn bezahlt. Die Firmen werden davon profitieren: Jene, welche diese Hausaufgabe bereits erledigt haben, wachsen nachweislich stärker und dynamischer als andere.

Im Parlament dürfte das Projekt des Bundesrats ohnehin einen schweren Stand haben, wie ­ die Reaktionen zeigen. Die Schweizer Arbeitgeber können das Gesetz gänzlich unnötig ­machen – indem sie möglichst rasch die geforderte Lohngleichheit herstellen. Seite 5