Wirbel um Tabakhersteller aus Steinach: US-Unternehmen spielt sich als Käufer auf – doch es sind Fake News 

Ein US-Konzern will den Schweizer Tabakhersteller Koch & Gsell mit der Marke «Heimat» übernehmen und publiziert schon Details zu dem Deal. Doch aus Steinach kommt ein dunstfreies klares Nein.

Stephan Agnolazza-Hoop
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«Wir haben keine Absicht, dieser Firma Koch & Gsell zu verkaufen»: Roger Koch, Geschäftsführer des Unternehmens. (Archivbild: Reto Martin)

«Wir haben keine Absicht, dieser Firma Koch & Gsell zu verkaufen»: Roger Koch, Geschäftsführer des Unternehmens. (Archivbild: Reto Martin)

Es war von Anfang an eine Erfolgsstory, auch wenn vermutlich die wenigsten auch nur ein paar Rappen darauf gesetzt hätten. Als vor gut drei Jahren die ersten Heimat-Zigaretten in die Regale kamen, stiessen sie auf reges Käuferinteresse. Die Glimmstängel aus Schweizer Tabak deckten offenbar eine grosse Nachfrage ab. Als Unternehmer Roger Koch im st. gallischen Steinach auch noch mit der Produktion von Hanfzigaretten begann, lief das Geschäft dann richtig rund. Die Mitarbeiteranzahl wurde verdoppelt.

Heute arbeiten dort 25 Angestellte. Der Betrieb lief 14 Stunden täglich. Und trotzdem kam die Produktion kaum nach, die 20 Franken teuren Hanf-Zigaretten waren nicht selten ausverkauft. Die junge Geschichte der Koch & Gsell AG, der Produzentin der Heimat-Zigaretten, liest sich wie ein Schweizer Unternehmermärchen. Und das ist aufgefallen.

Amerikaner spielen sich als Käufer auf

Anfang des Jahres dann die Knallermeldung auf amerikanischen Investment-Portalen: Der US-Biotechnologiekonzern Therapeutic Solutions Group TCI Ltd. hat über die Gunpowder Capital Corp. eine Absichtserklärung veröffentlicht. Darin erklärt sie, dass man eine vollständige Übernahme von Koch & Gsell anstrebe. Und nicht nur das: Ausführlich wird das Übernahmeverfahren beschrieben, inklusive Kaufpreis. So sollen am 25. Januar 2019 200'000 US-Dollar überwiesen werden. Dazu kommen weitere 10,46 Millionen Dollar, die vor dem 15. März 2019 bezahlt werden sollten. Es wäre der Preis für 51 Prozent der Aktien.

Innerhalb eines Jahres bekäme Gunpowder das Recht, für weitere 12,25 Millionen Dollar die restlichen Aktienanteile zu übernehmen. In der Mitteilung selbst wird Paul Haber, Finanzchef der Gunpowder-Gruppe, so zitiert: Man sehe ein riesiges Potenzial in dem Markt und könne sich gut vorstellen, die Produkte auch in den USA und Kanada zu vertreiben.

Doch wie das auch klingt – Wahrheit sieht etwas anders aus.Roger Koch, Mitgründer und Geschäftsführer von Koch & Gsell, kann es auch zwei Wochen nach der ersten Veröffentlichung nicht fassen. Die Mitteilung enthalte so viel Falsches, dass er die kanadische Börsenaufsicht informiert habe, erklärt Koch auf Anfrage. Sie wurde von Koch selbst auch nie abgesegnet. Der Schweizer Unternehmer stellt klar:

«Wir haben keine Absicht, dieser Firma Koch & Gsell zu verkaufen.»

Es gebe zwar viele Interessenten und Gespräche, «aber denen verkaufen wir es sicher nicht».

Unterdessen veröffentlichte auch Gunpowder einen Nachtrag, wobei es hier immer noch optimistisch klingt: «Es gibt keine Gewissheit, dass die Parteien zu gegenseitig akzeptablen Bedingungen kommen. Gunpowder wird ein Update bereitstellen, sobald eines verfügbar ist.» Doch ob es tatsächlich zu einem Update kommt, ist nach dem klaren Nein aus der Schweiz wohl eher unwahrscheinlich.

Ein Verkauf der Tabakmanufaktur in Steinach an den US-Konzern Gunpowder hat sich als Fake News entpuppt. (Bild: Ralph Ribi (Steinach, 15. Mai 2018))

Ein Verkauf der Tabakmanufaktur in Steinach an den US-Konzern Gunpowder hat sich als Fake News entpuppt. (Bild: Ralph Ribi (Steinach, 15. Mai 2018))

Produktion für EU-Markt bleibt in der Schweiz

Unabhängig von den Querelen in Nordamerika hat Koch & Gsell in Europa noch grosse Pläne. Wie die Vorarlberger Wirtschaftspresseagentur berichtet, möchten die Ostschweizer über Vorarlberg in die EU expandieren. Dazu wurde vor einigen Monaten in Feldkirch eine entsprechende Gesellschaft gegründet.

Wie Koch gegenüber der Agentur ausführt, ist eine eigene Produktion in der EU derzeit nicht geplant. Stattdessen will der Schweizer Tabakhersteller die Feldkircher GmbH dazu nutzen, um die Heimat-Zigaretten in Österreich und anderen EU-Ländern auf den Markt zu bringen. Man wolle auch in der EU reüssieren, sagt Koch. Dabei sei aber die nicht immer klare Rechtslage in den EU-Ländern eine Herausforderung. Laut der Agentur wird die Gesellschaft in den nächsten Wochen nun mit Personal ausgestattet.

Interview

Nach der Hanf-Zigi kommt die Minz-Zigi

Von der Steinacher Zigaretten-Marke «Heimat» gibt es ein neues Produkt. Roger Koch, Geschäftsführer der Firma Koch & Gsell, erklärt im Interview, dass die neue Öko-Zigarette ohne Chemie auskommt.
Dinah Hauser

Von der Bubenzigi zum Welterfolg

2017 wurde die Hanf-Zigi aus Steinach binnen Stunden rund um den Globus bekannt. Diesen Schub will Roger Koch mit seiner Tabakmanufaktur Koch & Gsell nutzen und weltweit wachsen. Die Ideen sind gut, die Investitionen dafür gemacht.
Markus A. Will

Dreh dir deine Heimat selber

Die Oberthurgauer Zigarette «Heimat» ist gefragt. Vielen sind die Zigarettenmarken zudem zu teuer. Darum bringt die Manufaktur Koch & Gsell AG heimischen Schnitttabak auf den Markt.
Tanja von Arx