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Wirbel um eine Liaison: Raiffeisen-Chef Patrik Gisel könnte seinen Job früher verlieren als geplant

Noch-Raiffeisen-Chef Patrik Gisel hat eine Beziehung zur früheren Verwaltungsrätin Laurence de la Serna. Das wirft heikle Fragen auf zur Corporate Governance. Regionalpräsidenten halten den Ball flach.
Thomas Griesser Kym
Der scheidende Raiffeisen-Chef Patrik Gisel macht erneut von sich reden, diesmal mit einer Liaison. (Bild: Ralph Ribi /St.Gallen, 2. März 2018)

Der scheidende Raiffeisen-Chef Patrik Gisel macht erneut von sich reden, diesmal mit einer Liaison. (Bild: Ralph Ribi /St.Gallen, 2. März 2018)

Unter zunehmenden Druck als Folge der Affäre Vincenz hat Patrik Gisel Mitte Juli seinen Rücktritt als Raiffeisen-Chef per Ende Jahr erklärt. Nun jedoch hat zu allem Überfluss die «Sonntagszeitung» eine Beziehung Gisels zur ehemaligen Raiffeisen-Verwaltungsrätin Laurence de la Serna publik gemacht. Diese hatte im April abrupt ihren Rücktritt angekündigt und dafür laut Raiffeisen-Communiqué «Veränderungen im beruflichen Umfeld» und «persönliche Gründe» geltend gemacht. Der Rücktritt – de la Serna schied im Juni aus – überraschte, war sie doch erst ein Jahr zuvor ins Aufsichtsgremium gewählt worden und damit von der Affäre Vincenz unbelastet.

Laut Gisel hat seine Beziehung zu de la Serna erst nach deren Rücktritt begonnen. Der «Tages-Anzeiger» will aber erfahren haben, dass der Verwaltungsrat Zweifel hege an dieser Darstellung und deshalb Gisel jetzt so rasch als möglich loswerden wolle. In der Tat wäre es heikel, hätte die Beziehung schon begonnen, als de la Serna noch im Amt war, oblag es ihr doch als Verwaltungsrätin, Gisel als Bankchef zu beaufsichtigen. Eine Vermengung beruflicher und privater Interessen wäre unvermeidbar gewesen. Raiffeisen hat laut eigener Angaben von der Liaison «erst vor kurzem» erfahren.

Eine Reform von Grund auf

Gisel werde Raiffeisen ohnehin verlassen, ob dies nun bereits im November oder erst Ende Dezember sein werde, sei nicht entscheidend, sagt der Nordwestschweizer Raiffeisen-Regionalpräsident Fredi Zwahlen. Für den Zeitpunkt des Abgangs von Gisel sei entscheidend, wann Raiffeisen auf der Suche nach einem Nachfolger fündig werde und wann dieser starten könne. Ähnlich sieht es Marcel Helfenberger, der den St. Galler Verband der Raiffeisenbanken präsidiert.

Gisels Nachfolger oder Nachfolgerin wird zusammen mit dem neuen Verwaltungsratspräsidenten von Raiffeisen Schweiz die genossenschaftliche Bankengruppe gründlich reformieren müssen. Unter anderem geht es darum, die Mitsprache- und Entscheidungsbefugnisse der einzelnen Raiffeisenbanken neu zu definieren und damit die Machtverhältnisse zwischen den Instituten und der Zentrale in St. Gallen neu zu ordnen. Denn Raiffeisen Schweiz gehört den Raiffeisenbanken, hat aber faktisch das nahezu uneingeschränkte Sagen, wenn es um die Strategie geht. Dazu gehört auch die Bereitstellung vielfältiger Dienstleistungen, die bisher von den einzelnen Raiffeisenbanken praktisch tel quel zu übernehmen und zu bezahlen waren. Künftig soll ein Teil der Leistungen auf freiwilliger Basis bezogen werden können, und das Abgeltungsmodell wird überarbeitet.

Kritik an Guy Lachappelle

Die Strukturreformen gekoppelt mit dem Reparieren zerstörten Vertrauens ist eine gewaltige Aufgabe. Die Affäre um den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz, gegen den die Zürcher Staatsanwaltschaft seit Monaten wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung ermittelt, das Kollektivversagen des alten Verwaltungsrats in der Aufsicht über Vincenz, die üppige Erhöhung der Vergütungen ebendieser Verwaltungsräte – all das hat die Genossenschaftsbank viel Kredit gekostet.

Nun muss eine neue Crew aufräumen. Am Samstag steht an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung (DV) in Brugg die Wahl des neuen Verwaltungsratspräsidenten an, wobei Guy Lachappelle der einzige Kandidat ist. Am früheren Chef der Basler Kantonalbank (BKB) ist ebenfalls Kritik laut geworden, weil die BKB als seine frühere Arbeitgeberin eine zweifelhafte Rolle spielt in der Aufarbeitung des Skandals um die Vermögensverwalterin ASE Investment, die mit einem Schneeballsystem 2500 Kunden um 170 Millionen Franken geprellt hat. Zahlreiche ASE-Kunden hatten Konten bei der BKB. Dieser wird vorgeworfen, ihre Meldepflicht gemäss dem Gesetz zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismusbekämpfung vernachlässigt zu haben. Das Verwaltungsstrafverfahren des Eidg. Finanzdepartements in dieser Sache richtet sich allerdings nicht gegen Lachappelle selber.

Ein Restrisiko bleibe

Für Lachappelle geht es zunächst darum, an der DV möglichst viele Stimmen für ein robustes Mandat zu bekommen. Danach wird er einem rundum erneuerten Aufsichtsgremium vorstehen. Eine seiner ersten Aufgaben ist es, einen neuen Bankchef oder eine neue Bankchefin zu finden. Dies als Ersatz für Patrik Gisel, dem seine Nähe zu Vincenz zum Verhängnis geworden ist. Gisel war der Nachfolger Vincenz’ und davor 13 Jahre lang dessen rechte Hand, will aber von den mutmasslichen Machenschaften seines damaligen direkten Vorgesetzten nichts mitbekommen haben – obwohl der Bericht der Finanzmarktaufsicht Finma von Mitte Juni betreffend schwerwiegender Mängel in der Corporate Governance von Raiffeisen das Gegenteil nahelegt.

Betreffend der Personalie La­chappelle zeigt sich Marcel Helfenberger vom St. Galler Regionalverband zuversichtlich. Als Raiffeisen-Delegierter hat er Lachappelle vorvergangene Woche an einem Meeting in Gossau getroffen. Im Vorfeld sei er wegen der Causa ASE und der damit verbundenen Reputationsrisiken «unsicher und deshalb kritisch» gegenüber Lachappelle eingestellt gewesen, sagt Helfenberger. Der Basler habe aber die Lage und seine Rolle sehr transparent und detailliert geschildert und Fragen authentisch beantwortet. «Vom Format und seinem Leistungsausweis her ist Guy Lachappelle hervorragend», sagt Helfenberger. «Er hat mich von sich und seinen Zielen überzeugt.» Ein Restrisiko für die Reputation bleibe wegen des Falls ASE, aber damit könne man sehr gut leben. Helfenberger geht davon aus, dass Lachappelle am Samstag mit «einem sehr starken Votum» zum neuen Raiffeisen-Präsidenten gewählt wird.

Patrik Gisels Nachfolger wird vor allem extern gesucht

Unabhängig vom Zeitpunkt, wann Bankchef Patrik Gisel geht, stellt sich die Frage, wer ihn beerbt. In Medien wird immer wieder spekuliert, Firmenkundenchef Urs Gauch oder Finanzchef Christian Poerschke könnten neuer Raiffeisen-Chef werden. Dagegen sprechen Angaben der damaligen Raiffeisen-Sprecherin Cécile Bachmann von Mitte Juli, wonach die Suche einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers für Gisel mit Hilfe eines Experten für die Vermittlung von Führungskräften «auf externe Kandidaten fokussiert». Und: Es sei «sehr unwahrscheinlich», dass jemand Internes auf den Raiffeisen-Chefsessel vorrücke.

Raiffeisen-Sprecher Dominik Chiavi bestätigt: «In erster Linie wird extern nach einem neuen Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz gesucht.» Weiter will sich Chiavi über das «laufende Auswahlverfahren» nicht äussern. Cécile Bachmann selber hat die Bank Ende September verlassen. In einer Abschieds-E-Mail schrieb sie: «Als ich 2016 meine Arbeit bei Raiffeisen aufnahm, wusste ich noch nicht, wie intensiv diese Zeit werden würde. Insbesondere das letzte Jahr war sehr lehrreich und prägend.»

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